Mainstream-Presse nach Unions-Putsch einig: „Mit Merkel geht es zu Ende“

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Ausgezählt: Angela Merkel (Foto: Collage)

Die Merkel-treue Presse ist sich einig: Nach dem Putsch der Unions-Fraktion ist es vorbei mit ihrer Kanzlerin. „Merkel hat den Zeitpunkt zum Rückzug verpasst“, meint die „Welt“, die von „Kanzlerdämmerung“ spricht. Selbst der „Spiegel“ schreibt: „Die Große Koalition hat keine Zukunft mehr.“ Und die „FAZ“ ist sich über Merkels Schicksal sicher: „Es geht zu Ende.“ Ebenso die „Zeit“: „Ihre Zeit geht zu Ende.“ Eine jouwatch-Presseschau nach der Abwahl Volker Kauders als Fraktionschef – dem nächsten Erdbeben im politischen Berlin.

Welt: Diese Niederlage gilt einzig der Bundeskanzlerin

Man muss nicht lange herumreden und braucht sich nicht bei der gescheiterten Wiederwahl von Volker Kauder zum Vorsitzenden der Unionsfraktion aufzuhalten. Diese Niederlage gilt einzig der Bundeskanzlerin. Sie ist ein weiteres Zeichen der Kanzlerdämmerung, die das Land seit der berühmt-berüchtigten Silvesternacht in Köln 2015/16 spürt und die nicht mehr zu ändern ist. Alles, was nun kommen mag, sind hilflose Versuche, die schleichende Sepsis zu bekämpfen. Doch keiner sollte vergessen: Selbst in der Medizin führt sie bis heute noch meist zum Tod.

Spiegel: Abschied von der Macht

Zwei Mal massive Fehleinschätzungen. Zwei Belege für den Autoritäts- und Kontrollverlust der einst so mächtigen Kanzlerin. Kauders Wiederwahl hätte Merkel nach dem Tohuwabohu der letzten Wochen wieder etwas stabilisiert. Sein Sturz nun bewirkt das Gegenteil, und jeder in der Unionsfraktion wusste das bei Stimmabgabe. In diesen Tagen wird Merkels Abschied von der Macht eingeläutet. Denn was ist jetzt noch übrig von der einstigen Großen Koalition? Mit dem Zugriff auf die Unionsfraktion hat Angela Merkel das verlässlichste Herrschaftsinstrument von CDU-Kanzlern verloren.

FAZ: Lame duck Merkel

Der überraschende Sieg von Ralph Brinkhaus soll Angela Merkel zeigen: Es geht zu Ende. Weder sie noch Volker Kauder hatten offenbar eine Ahnung davon, wie groß die Unzufriedenheit ist. Wohl aber gibt es das Phänomen, dass die Autorität zwangsläufig sinkt, wenn erst einmal das Ende einer Amtszeit in Sicht ist. Bei Merkel kündigte sich das schon vor der Bundestagswahl an, danach erst recht, als Annegret Kramp-Karrenbauer zur Quasi-Parteivorsitzenden nach Berlin geholt wurde. In Amerika nennt man das Phänomen „lame duck“. Mit der Niederlage Merkels in der Fraktion beginnt nun, ob Brinkhaus es beabsichtigt hat oder nicht, die Debatte darüber, wie lange die Lähmung noch dauern soll.

Die Zeit: Angriff auf die Macht

Gegen den ausdrücklichen Willen der Kanzlerin hat die Unionsfraktion einen neuen Vorsitzenden gewählt. Für Angela Merkel wird deutlich: Ihre Zeit geht zu Ende. Was der weithin unbekannte Finanzpolitiker Brinkhaus mit seiner Kandidatur ausgelöst hat, ist nicht weniger als ein politisches Erdbeben. Für Merkel wird das die Arbeit in der ohnehin nach allen Richtungen auseinanderstrebenden Koalition noch schwieriger machen. Vor allem aber hat sie an diesem Tag einen Eindruck davon bekommen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Ära zu Ende geht.

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