Henryk M. Broder zur Flüchtlingspolitik: „Drei Jahre mediale Gehirnwäsche“

Henryk M. Broder. Foto: Screenshot

Den ganzen Unsinn, alles was mit der Flüchtlingspolitik zu tun hat, kann und will Henryk M. Broder nicht mehr verstehen. Der Kolumnist zieht hinter der Bezahlschranke der Welt vom Leder, dass es den Journalistenkollegen die Schuhe ausziehen müsste: Die Berichterstattung seit 2015 nennt er „drei Jahre mediale Gehirnwäsche“. Er wolle nur eines: „Dass dieser tägliche Albtraum endlich aufhört“.

Ihm geht es,wie vielen Lesern, die offenbar vom Kollegen Alan Posener verjagt werden. Der hatte kürzlich geschrieben „Ich will die AfD-Wähler nicht verstehen“. Dagegen wendet sich Broder „bei gegenseitiger Wertschätzung“ nun ausdrücklich. Er nennt seinen Text: „Ich will Angela Merkel nicht verstehen“. Inzwischen bekennt sich im ARD-Deutschlandtrend jeder fünfte Wähler zur AfD (Jouwatch berichtet heute). Unter den „Welt“-Lesern dürfte der Anteil besonders hoch sein. Darauf lassen jedenfalls die Kommentare der User schließen.

Trotz „drei Jahren medialer Gehirnwäsche“ werden es immer mehr, die nichts mehr verstehen und erst recht nichts mehr glauben. Broder gehört dazu: Er verstehe „immer noch nicht, warum ‚wir‘ dazu verpflichtet sind, Flüchtlinge aufzunehmen und die ‚Ursachen der Flüchtlingskrise‘ zu beseitigen. Weil wir unseren Reichtum der Ausbeutung der Dritten Welt verdanken? Ich nicht. Meinetwegen muss kein Mensch in Afrika oder Asien Not leiden.“

Broder schreibt: „Ich verstehe nicht, und ich will es nicht verstehen, warum wir Dutzende von ‚failed states‘ am Leben erhalten, die nicht willens oder nicht fähig sind, für die Wohlfahrt und die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen. Das sind die zentralen Aufgaben eines Staates. Wenn ein Staat dazu nicht in der Lage ist, dann hat er seine Existenzberechtigung als Staat verloren, dann müsste ihm auch der Sitz in den Vereinten Nationen entzogen werden.“

Es sei „ein Witz“, dass Regierungen, die daheim ihre Hausaufgaben nicht erledigen können, „in internationalen Organisationen über globale Fragen mitreden“ dürften. Das gelte auch für uns: „Unfähig, einen Flughafen zu bauen oder für ausreichend Wohnraum zu sorgen, muten wir uns zu, das Weltklima zu retten.“

Aber das sei noch gar nichts – „gemessen an der Aufgabe, eine ‚ausbalancierte Lösung zu finden für die Flüchtlinge, die in Europa Zuflucht erhalten müssen‘, wie es der Wirtschafts- und Währungskommissar der EU, Pierre Moscovici, eben gefordert hat“. Er verstehe nicht, „dass auch Staaten, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollten, dazu verpflichtet werden sollten“. In einem Europa ohne Binnengrenzen könne man keinen Menschen zwingen, „dort zu bleiben, wohin er im Vollzug einer ‚ausbalancierten Lösung‘ verfrachtet wurde“. Wollte man ihn dazu zwingen, müsste man ihn „entweder anketten oder die Reisefreiheit aufgeben“. Schelmisch fragt Broder, ob beides mit den „europäischen Werten“ kompatibel sei. Vermutlich ja – und das zeigt die Bigotterie der EU.

Dann knöpft er sich die „Familienzusammenführung“ vor. Die will er auch nicht verstehen: „Die meisten Flüchtlinge bekommen nur eine temporäre Aufenthaltserlaubnis, in zwei, drei Jahren sollen sie in ihre Heimat zurückkehren. So ist der Plan. Aber wir wissen inzwischen, wie man Gott zum Lachen bringt. Man macht einen Plan.“

Broder berichtet von einem längeren TV-Beitrag über eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien: „Mutter, Vater und zwölf Kinder. Sie waren ‚auf der Flucht‘ getrennt worden. Sieben der Kinder hatten es bis nach Wolfratshausen in Oberbayern geschafft, Mutter, Vater und die restlichen fünf Kinder waren aus Gründen, die nicht näher erklärt wurden, in der Türkei geblieben. Es wurde gezeigt, wie sie miteinander telefonieren und skypen und darunter leiden, dass sie nicht alle zusammen an einem Ort sein können.“ Und das sei furchtbar schlimm, so die Journalisten.

Broder: „Niemand hindert die 14-köpfige syrische Familie daran, sich in der Türkei zu vereinigen. Warum muss es Wolfratshausen in Oberbayern sein, die Heimat des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber? Gibt es so etwas wie ein Menschenrecht auf ein Leben in Bayern?“

Wer solle für den Unterhalt der Familie aufkommen? Er schlägt dafür „Arte“ vor – „als Gegenleistung für die Teilnahme an einer Doku über die gelungene Integration einer kinderreichen Familie“. Im reicht’s: Er wolle „die Bundesregierung, Angela Merkel vorneweg, nicht verstehen. Sie hatte mehr als drei Jahre Zeit, uns zu erklären, was sie will und wohin die Reise gehen soll.“

Stattdessen habe sie uns geraten, „‘uns zu unserer Religion zu bekennen, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein‘, christliche Lieder zu singen und jemand zu suchen, der uns auf der Blockflöte begleiten kann. Damit wir aus der Krise ‚besser herauskommen, als wir hineingekommen sind‘“.

Broder zum Schluss: „Ich will das alles nicht mehr verstehen. Ich will nur eines: dass dieser tägliche Albtraum endlich aufhört.“ (WS)

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