Stefan Aust über Merkel: „Galoppierender Rinderwahn ausgebrochen“

Stefan Aust 2006 mit Angela Merkel. Foto: Shutterstock

In einem fulminanten Text hat „Welt“-Herausgeber Stefan Aust mit dem politischen Establishment abgerechnet. In Anspielung auf den Spitznamen der Kanzlerin überschreibt er seine Philippika mit der Zeile: „Mutti aller Probleme“. Aust analysiert die Situation nach Chemnitz und Köthen, die Diskussion um Maaßen und kommt am Ende zu dem ironischen Fazit: „Die Dinge vom Ende her zu denken gehört ja bekanntlich zu den großen Stärken der Physikerin im Kanzleramt. Es drängt sich der Verdacht auf, als sei in diesem Lande der kollektive, parteiübergreifende, galoppierende Rinderwahn ausgebrochen.“

Der Journalist fragt sich, wie der ratlose Bürger reagiere, „wenn in Köthen ein 22-jähriger Deutscher, der sich unklugerweise in womöglich bester Absicht in einen Streit zwischen drei afghanischen Asylbewerbern eingemischt hat, anschließend tot am Boden liegt?“

Was gehe im Bürger vor, „wenn er anschließend aus der Pressekonferenz der Polizei erfährt, dass der junge Mann, der einen schweren Herzfehler und schon mehrere Herzoperationen hinter sich hatte, vermutlich nicht an den Schlägen ins Gesicht gestorben ist, sondern am Stillstand seines schwachen Herzens?“ Aust fragt weiter: „Was denkt er, wenn damit die Schuld der beiden tatverdächtigen Asylbewerber – von denen zumindest einer längst hätte abgeschoben werden müssen – erkennbar relativiert werden soll? Wird hier signalisiert, dass es strafmildernd ist, wenn man auf einen Kranken einprügelt statt auf einen Gesunden?“

Und dann stellt er die entscheidende Frage: „Was wäre geschehen, wenn zwei rechtsextreme Hooligans einen herzkranken Asylbewerber aus Afghanistan durch Schläge vom Leben in den Tod befördert hätten und irgendjemand behauptet, dass die Schläge der Neonazis nichts mit dem Tod des vorerkrankten Flüchtlings zu tun hätten?“ Seine Antwort: „Da sind einige Maßstäbe durcheinandergeraten.“

Über Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen und dessen geforderten Rücktritt schreibt der Herausgeber, dass dieser seit 2001 Referatsleiter für Ausländerrecht im Bundesinnenministerium unter Otto Schily war und 1997 zum Thema „Die Rechtsstellung des Asylbewerbers im Völkerrecht“ promovierte. Aust: „Dass jemand sich mit der Materie auskennt, kommt im Kanzleramt offenbar nicht gut an.“ Maaßens „Ablösung dürfte auf der Prioritätenliste im Kanzleramt seit geraumer Zeit ganz oben stehen: ein Kritiker der Merkelschen Migrationspolitik.“

Genau darum geht es – Maaßen hat keinen Fehler gemacht, sondern angemerkt, was niemand sehen konnte: Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz. Aber Merkel hatte angegeben, sie gesehen zu haben. Der Verfassungsschutz-Chef hat die Verhältnisse zurecht gerückt – und soll dafür jetzt gehen.

Aber auch wer die Probleme benenne, „sollte mit seiner Wortwahl vorsichtig sein“, mahnt Aust: Wenn Innenminister Seehofer von der Flüchtlingskrise als „Mutter aller Probleme“ rede, dann wisse er vielleicht nicht, „dass er damit den Wortschatz des Saddam Hussein von der drohenden ‚Mutter aller Schlachten‘ persiflierte“. Aber: „Recht hat er trotzdem.“ Ironisch merkt der Autor an: „Vielleicht hat er sich auch nur versprochen und meinte eigentlich die ‚Mutti aller Probleme‘.“

Dabei sei von Anfang klar gewesen, wo Merkels Grenzöffnung hinführe: „Für jeden, der sich seinen Blick nicht von der tränenverschwommenen Rührung über die eigene humanitäre Großartigkeit verschleiern ließ, war spätestens im Sommer 2015 klar, was auf das Land zurollte.“ Insgesamt seinen 2015 und 2016 rund 1,2 Millionen Zuwanderer registriert worden: „Die Prozentzahl der eingereisten Männer unter 30 betrug gut 65 Prozent, in diesen beiden Jahren zusammen also rund 800.000.“ Aust macht einen interessanten Vergleich auf: „Das ist deutlich mehr als die Zahl der Soldaten unter Waffen von Bundeswehr und DDR-Volksarmee zusammen – 1988 etwa 650.000.“

Inzwischen sei die Zahl der Schutzsuchenden zwar auf etwa 200.000 im Jahr zurückgegangen. Aber das entspreche immer noch „der Bevölkerungszahl der Stadt Mainz“. In Wirklichkeit liege die Migrantenzahl sogar „jährlich bei über einer halben Million, wenn man den Familiennachzug, EU-Zuwanderung und Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Ländern hinzurechnet“.

Aust: „Wir wollen nicht rechthaberisch sein, uns aber auch nicht für dumm verkaufen lassen. Die Wurzeln der gegenwärtigen Misere lagen schon im Sommer 2015 blankgespült für jeden sichtbar offen da.“ (WS)

Den Originaltext finden Sie hier hinter der „Welt“-Bezahlschranke.

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