Energiewende – Ideologie gegen Fakten

Fakten und Ideologie (Bild: shutterstock.com/Von MichaelJayBerlin)
Fakten und Ideologie (Bild: shutterstock.com/Von MichaelJayBerlin)

Die Energiewende beruht auf Ideologien, mit denen das Klima und damit die Welt gerettet werden sollen. Wie bei allen Ideologien zur Rettung der Menschheit oder zu einem optimalen Zusammenleben sind es einseitige Bewertungen unter idealen Zuständen. Doch das Weltgeschehen ändert sich ständig und es gibt keinen idealen Menschen. Wir sind alle verschieden, nicht nur im Aussehen, sondern auch in unseren Wünschen und unserem Handeln. Die Politik muss sich auf die realen Bedingungen einstellen. Doch gerade in der Energiepolitik glaubt man, mit der Durchsetzung  idealer Vorstellungen die Welt zu retten. Fakten und Folgen werden nicht beachtet.

Von Prof. Dr. Ing. Hans-Günter Appel – Pressesprecher NAEB e.V. Stromverbraucherschutz

Die Sonne schickt uns keine Rechnung?

Mit diesem durchaus richtigen Slogan tingelte der Journalist Franz Alt über viele Jahre durch Deutschland und kassierte hohe Vortragshonorare. Seine These ist: Wir brauchen nur die kostenlose Energie der Sonne einzufangen, dann sind alle Energieprobleme der Menschheit gelöst. Als Laie in Physik und Technik hat er nicht erkannt, dass das Einfangen der geringen Energiedichte der Sonnenstrahlung (Leistung  je Quadratmeter) einen riesigen Aufwand an Flächen und technischen Anlagen erfordert. Weiter werden Stromspeicher benötigt, denn nachts scheint keine Sonne. Ausreichend große und preiswerte Speicher gibt es jedoch nicht. Physiker haben noch nicht einmal einen Grundgedanken, wie solche Speicher aussehen könnten. Die heute propagierten Speicher (Batterien, Pumpspeicherwerke und Wasserstoff aus der Elektrolyse) haben Verluste zwischen 20 und 80 Prozent.

Die Nutzung der Sonnenenergie ist daher keine Lösung für eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung. Herr Alt hat nur auf die Sonne geschaut und war blind für die Folgeprobleme.

Die Nutzung erneuerbarer Energien kostet einen Haushalt nicht mehr als eine Kugel Eis im Jahr?

Diese Vorhersage des Grünen Politikers Jürgen Trittin ist wohl noch vielen in Erinnerung. Sie hat sich nicht bewahrheitet. Heute zahlen die Bürger für ihren Strom fast das Doppelte der Preise, die damals gefordert wurden, viel mehr als eine Kugel Eis pro Tag.

Die Energiewende hat viele Arbeitsplätze geschaffen?

Diese Aussage ist zunächst richtig.  Die ehemalige Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat lobend darauf hingewiesen, für die Erzeugung der gleichen Strommenge würden im Bereich der erneuerbaren Energien fünfmal mehr Menschen arbeiten als in den Braunkohlenkraftwerken. Sie hat aber nicht gesagt, dass der regenerative Strom dadurch auch mit dem Fünffachen der Stromerzeugungskosten von Braunkohlenkraftwerken vergütet werden muss. Die Arbeitsplätze für grünen Strom sind hoch subventioniert durch die EEG-Umlage, die wir alle als Stromverbraucher bezahlen müssen. Ohne diese Subvention gäbe es keinen einzigen grünen Arbeitsplatz.

Die hohen und weiter steigenden Strompreise vertreiben jedoch immer mehr Industrie aus Deutschland. Dies erfolgt meistens geräuschlos. Es wird in Deutschland nicht mehr investiert. Mit den abgeschriebenen Anlagen werden gute Gewinne gemacht. Die Gewinne werden in Länder mit preiswerter und verlässlicher Stromversorgung transferiert, um dort neue moderne Fertigungsstätten aufzubauen. Die Anlagen werden weitgehend in Deutschland gekauft. Der Maschinenbau hat dadurch gute Aufträge. Kurzfristig boomt die Industrie durch die Verlagerung. Längerfristig gehen immer mehr qualifizierte Arbeitsplätze verloren. Auf diesem Weg werden mehr als 2 Millionen Arbeitsplätze abgebaut. Einige hunderttausend grüne hoch subventionierte Arbeitsplätze verteuern nicht nur den Strom, sondern sie sorgen auch für die Vernichtung von Millionen wirtschaftlicher Arbeitsplätze.

Kohlenstoffdioxid ist klimaschädlich?

Diese Behauptung wird strittig diskutiert. Doch unter der Annahme, das sei richtig, wird nicht zielstrebig danach gehandelt. Dann müssten die Kernkraftwerke weiter betrieben werden, denn sie emittieren kein Kohlenstoffdioxid (CO2). Es dürften auch keine Windgeneratoren und Solaranlagen errichtet werden, weil zu deren Herstellung, Montage und Anschlüsse Unmengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangen. Allein für die Produktion des Aluminiums für die geplanten neuen Nord-Süd Trassen werden fast eine Million Tonnen CO2 freigesetzt. Zusätzlich werden 6 Milliarden Kilowattstunden (kWh)  Strom für die elektrolytische Abscheidung des Aluminiums gebraucht, der vorwiegend aus Kohle- oder Kernkraftwerken stammt, weil der unstete sogenannte erneuerbare Strom (FakePower) für den kontinuierlichen Prozess nicht brauchbar und viel zu teuer ist. In Kohlekraftwerken müssen zur Erzeugung dieser Strommenge 2 Millionen Tonnen Kohle zu mehr als 7 Millionen Tonnen CO2 verbrannt werden. Will man die CO2-Emissionen reduzieren, muss man mit Kernkraftwerken (wie Frankreich) und mit Kohlekraftwerken mit hohem Wirkungsgrad arbeiten. Wind-, Solar- und Biogasanlagen sind kontraproduktiv. Es zeigte sich, dass sie die CO2-Emissionen nicht verringerten, obwohl sie im letzten Jahr etwa ein Drittel des Stromes  in Deutschland erzeugten.

In diesem Zusammenhang wird in keiner Weise darauf hingewiesen, dass CO2 zusammen mit Wasser der wichtigste Baustein für den Pflanzenwuchs ist. Wir Alle wissen aus der Schule, ohne CO2 gibt es keine Pflanzen und damit auch keine Nahrung für Mensch und Tiere. Mit 0,004 Prozent (1 CO2-Molekül auf 2500 Luftmoleküle) ist der CO2 Gehalt in der Luft schon sehr gering. Höhere Anteile verbessern das Wachstum. Unter der Annahme, CO2 sei klimaschädlich, müsste die Politik einen optimalen CO2-Gehalt in der Luft nennen, der hoch genug für einen ausreichenden Pflanzenwuchs und niedrig genug für den Schutz des Klimas ist (wenn man es überhaupt schützen kann oder muss). Eine solche Angabe sucht man jedoch vergebens.

Kernkraft- und Kohlestrom verstopfen die Stromleitungen?

Diese oft wiederholte Behauptung der Grünen demonstriert deren Unkenntnis über die Grundlagen der Stromversorgung. Zunächst braucht ein stabiles Netz eine Grundleistung von den großen Kraftwerken, die eine stabile Frequenz vorgeben. Zur Einspeisung von FakePower müssen dann die Ökostromanlagen mit der Grundlast synchronisiert werden. Nur so lässt sich ein Wellensalat und damit ein Blackout verhindern. Taktgeber ist also die Grundleistung. Es ist Unsinn zu fordern, die Grundlast-Kraftwerke abzuschalten, wenn die FakePower ansteigt. Selbst bei einer geplanten Verdrei- oder Vervierfachung der Ökostromanlagen ändert sich Nichts an diesen Verhältnissen. Wir brauchen weiter die Grundleistungskraftwerke.

2050 soll Deutschland zu 80 Prozent mit regenerativem Strom versorgt werden?

Das ist ein Wunschdenken von Ideologen. Technisch ist das nicht machbar, wenn wir weiterhin eine sichere Stromversorgung ohne nennenswerte Ausfälle haben wollen. Wirtschaftlich stiege der Strompreis bei vielen Blackouts auf weit mehr als das Doppelte.

Schon heute haben wir bei Starkwind und Sonnenschein FakePower im Überfluss. Strom muss aber im Zeitpunkt seiner Erzeugung auch wieder umgesetzt werden, weil es keine geeigneten Speicher gibt. Der Überschussstrom muss dann gegen Gebühr entsorgt werden. Die Entsorgungskosten (negativer Strompreis) beliefen sich allein in den wenigen Wochen um den letzten Jahreswechsel auf mehr als 50 Millionen Euro. Mit jeder weiteren Anlage für grünen Strom steigt der Überschuss weiter und damit auch der Strompreis für die Verbraucher.

Auf der anderen Seite wird nachts und bei Flauten kaum grüner Strom produziert. Dann müssen die konventionellen Kraftwerke die Versorgung übernehmen. Das Anfahren eines kalten Kraftwerkes dauert u.U. und je nach Typ mehr als 2 Tage. Die Kraftwerke müssen daher ständig unter Dampf stehen, d.h. auch Strom liefern (die Generatoren laufen mit Nenndrehzahl und unter Last), um schnell einspringen zu können. Wir haben also eine Doppelversorgung aufgebaut. Das Rückgrat sind die konventionellen Kraftwerke, die jederzeit die gesamte Netzleistung anbieten. Aufgepfropft ist der schwankende wetterabhängige grüne Strom, der eine sichere Versorgung erschwert und verteuert und daher zu Recht als FakePower bezeichnet wird.

Für eine sichere Stromversorgung brauchen wir eine Grundleistung von den großen Kraftwerken von etwa 50 Prozent. Die großen rotierenden Massen der Turbinen und Generatoren sind eine Momentan-Reserve im Netz. Beim Zuschalten eines Verbrauchers wird der zusätzliche Strom durch Abbremsen der Generatoren geliefert. Die Frequenzminderung ist dann ein Signal, mehr Dampf auf die Turbinen zu geben, um die Sollfrequenz wieder zu erreichen. Aber auch der wetterwendische Wind- und Solarstrom (Zappelstrom) wirkt auf die gleiche Weise. Er kann nur in das Netz eingespeist werden, wenn entsprechende Regelkraftwerke vorhanden sind, die bei Wolkenbildung und Flaute mehr Strom liefern und bei Böen abgeregelt werden. Wir haben die Grenzen der möglichen Einspeisung von grünem Strom erreicht. Wann werden das die Ideologen verstehen?

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