Chemnitz: Die infantile Republik

Chemnitz: Fototermin auf einer Blutlache (Foto: Screenshot Twitter)

Ein weiterer Meilenstein bei der Entwicklung  der Deutschen Demokratischen Republik hin zur wahrhaft menschlichen Gesellschaft ist erreicht, wenn Regierungsvertreter auf die Straße gehen, um gegen regierungskritische Demonstranten zu demonstrieren und am Schluß in die Kameras zu lächeln, als ob die Demokratie gerade einen Sieg eingefahren hätte. So geschehen in Chemnitz gestern. Grundsätzliches.

Von Max Erdinger

In Deutschland gibt es seit Langem ein äußerst seltsames Phänomen zu bestaunen. Immer wieder finden sich Regierungsmitglieder oder Mitglieder des Parlaments auf der Straße ein, um gegen diejenigen zu demonstrieren, die dort gegen die Regierung protestieren. Das war schon bei Wolfgang Thierse (SPD) so, dem Präsidenten und späteren Vizepräsidenten des Bundestages von 1998 bis 2013. Am einen Tag konnte man Fernsehbilder sehen, wie er sich von der Polizei wegtragen läßt, weil er rechtswidrig einen Demonstrationszug seiner außerparlamentarischen Gegner blockierte – und anderntags konnte man ihn im Bundestag beim staatstragenden Präsidieren über die Debatte beobachten.

Da entstehen unglaubliche Szenen im Kopf des Beobachters. Ein Fußballspiel  zum Beispiel. Die Mannschaft protestiert gegen eine Schiedsrichterentscheidung – und plötzlich stürmen zwanzig Schiedsrichter auf das Spielfeld, um gegen die protestierende Mannschaft zu protestieren. Reichlich bizarr.

Die vormalige Bundesrepublik Deutschland, zu Grabe getragen von Erich Honeckers postmortaler Wunderwaffe Angela, und als DDR 2.0 wieder auferstanden von der tödlichen Freiheit, bietet inzwischen tatsächlich ein groteskes Bild. Nachdem in Chemnitz der Protestzug der Zehntausend gegen die Merkelsche Migrationspolitik und für die Wiederherstellung der Inneren Sicherheit vom linken Gegenprotestzug – darunter eben auch Regierungsmitglieder –  gestoppt worden war, rief die Polizei die Ursprungsdemonstranten dazu auf, die Demonstration zu beenden und nach Hause zu ihren Familien zu gehen, während der Zug der linken Gegendemonstranten unbehelligt weiter demonstrierte. Am Ende grienten Manuela Schwesig, Martin Dulig und Aydan Özoguz selbstzufrieden in die Handykamera und veröffentlichten das Selfie in den sozialen Netzwerken. Ein Sieg der regierenden Regierungsdemonstranten gegen die Demonstranten gegen die Regierung, sozusagen.

Die infantile Republik

Ein Merkmal unserer Zeit ist, daß die Protagonisten im Schauspiel der ewigjugendlichen Renitenz selbst nicht altern dürfen. Es gibt den schönen Begriff vom „Berufsjugendlichen“. Der war ursprünglich auf Thomas Gottschalk gemünzt. Weder durfte er seine Locken verlieren, noch durften seine Locken grau werden. Gottschalk war dazu verdammt, sein ganzes öffentliches Leben lang der vorlaute Junge zu bleiben, als welcher er Mitte der Siebziger Jahre seine Karriere als Radiomoderator beim BR begonnen hatte. Die Rentnerband „The Rolling Stones“ führt sich auf der Bühne immer noch so auf, als ob ihnen das Leben bis heute nicht die „Satisfaction“ gebracht hätte, wegen deren Absenz sie vor über fünfzig Jahren einen ihrer Welthits landeten. Das ist in der Politik kaum anders.

Zwar haben viele der Hauptdarsteller in der deutschen Demokratieshow das Lebensalter gar nicht, als daß man die Anfänge ihrer politischen Biographie in der APO der Sechziger Jahre finden könnte; das ist aber in diesem Zusammenhang lediglich der Beweis dafür, daß zwar der Körper altert, aber der Ungeist nicht. Der Ungeist bleibt immer gleich alt und politisch gesehen vererbt er sich.

Mit Claudia Roth haben wir eine 63-Jährige, die sämtliche, bisher durchlaufene Lebensalter simultan in der Gegenwart zur Schau stellt. Ihre widerständige Attitüde hat sie auch dann beibehalten, als die Attitüde Mainstream geworden war. Als Bundestagsvizepräsidentin ist sie einerseits zwar an einer der höchsten Stellen des Establishments angelangt, andererseits hat sie aber kein Problem, mit ihrer APO-Attitüde und einer Trillerpfeife im Mund auf der Straße zu demonstrieren gegen diejenigen, die ihrerseits gegen die Politik des Establishments protestieren. Wenn Alice Weidel (AfD) im Bundestag redet, fühlt sich die Roth bemüßigt, eine „schmollende Claudia“ zu geben, die als Fünfjährige dem Erwachsenen den Rücken zudreht, nachdem er ihr die Bonbons verweigert hat, die sie unbedingt haben wollte. Ihr Kleidungsstil paßt wiederum zu der Charakterisierung, die Harald Schmidt einst für sie fand: „Eichhörnchen auf Ecstasy“. Die Roth wird selbst mit Achtzig noch das ewigrenitente Eichhörnchen auf Ecstasy bleiben. Sie darf und darf nicht in Würde erwachsen werden. Roth verkörpert am besten das, was allgemein für viele Linksgrünpolitiker, Redakteure und Journalisten in der DDR 2.0 gilt: Sie sind sowohl Establishment, als auch der Widerstand gegen ein eingebildetes Establishment, welches sie in Wahrheit längst unter sich haben. Oder, um das mit einem uralten Bonmot von Gerhard Polt auszudrücken, welches vor etwa drei Jahrzehnten auf die CSU gemünzt war: „Wir brauchen keine Opposition, weil: Wir sind schon Demokraten.“

Es ist allerdings auch das umgekehrte Phänomen zu beobachten: Politiker, die sich so verhalten, als hätten sie die nächsten dreißig Jahre bereits hinter sich. Kevin Kühnert, der Juso-Vorsitzende ist so einer. Ein anderer ist der jüngste Bundestagsabgeordnete, Philipp Amthor von der CDU.

Als es darum ging, die SPD von einer weiteren Koalition mit der Merkelpartei abzuhalten, las ausgerechnet der junge Kühnert den Altvorderen die Leviten, indem er die lange Tradition der SPD heraufbeschwor, derentwegen er selbst sich von niemandem belehren zu lassen habe. Es kommt sogar noch besser: Der junge Kühnert ist derjenige, der dem alten Thilo Sarrazin, immerhin ehemaliger Vorstand der Bundesbank, bescheinigt, daß er mit den Grundwerten der SPD nichts mehr zu tun habe. Sarrazin wurde 1945 geboren. Kühnert ist Jahrgang 1989 und damit nur drei Jahre älter als Amthor. Philipp Amthor wiederum bemüht sich mit aller Macht, „rüberzukommen“, als sei er der Alterspräsident des Senats. Und zwar sowohl im Sprachstil als auch im Kleidungsstil. Der Abschuß ist seine Brille. So eine ähnliche trug Franz Josef Strauß Ende der Siebziger Jahre.

In der infantilen Republik scheint bereits ein uralter Grundsatz des menschlichen Erdendaseins ausgehebelt worden zu sein: Weisheit kommt mit dem Alter. Hierzulande dürfen sich 30-Jährige über einen 76-Jährigen wie Alexander Gauland auslassen, als ob sie seine Erziehungsberechtigten wären – und nicht diejenigen, die als lernbegierige Jungfüchse gefälligst ihre Rotzlöffel zu spitzen haben, wenn ihnen der alte Fuchs etwas zu sagen hat.

Chemnitz: Aufstand des Gaga- Establishments gegen die Normalgebliebenen

Die Proteste in Chemnitz gingen letzten Montag los, sind also knapp eine Woche alt. Am gestrigen Samstag kulminierten sie – wahrscheinlich nur vorläufig – in einer riesigen Demonstration und einer deutlich kleineren, regierungsamtlich gepamperten Gegendemonstration. Die Regierungsamtlichen erreichten den Stopp des Demonstrationszuges und in der Folge dann dessen Auflösung. In der vergangenen Woche ereigneten sich aber auch andere Dinge anderswo.

Erichs deutschdemokratische Wunderwaffe Angela z.B. tönte in den sog. Leitmedien, daß sie sich Sorgen um die Demokratie mache. Das ist ungefähr so, als würde sich der Papst darum „sorgen“, daß die Abtreibungsgegner im Vatikan das Sagen haben könnten. Merkels winziger, international völlig bedeutungsloser Außenmini sorgte sich derweil um das Ansehen der DDR 2.0 im Ausland und unterstellte dabei zielführend, daß unsere schöne DDR 2.0 dort noch als BRD betrachtet wird.

Ansonsten redet der kleine Kerl inzwischen tatsächlich wie eine unbewaffnete Ameise, die dem schwerbewaffneten Elefanten droht. Uschis durchgegenderte, aber leider etwas unterbewaffnete Familientruppe weiß er dabei hinter sich. Wirtschaftsbündnisse gegen die Vereinigten Staaten von Trump will er schließen. Gegen den russischen Bären sowieso. Vielleicht hat er irgendwelche interkontinentalen Moralraketen zur Untermauerung seiner Absichten im Keller, wer weiß. Damit seine geopolitische Listigkeit nicht bemerkt wird, posaunt er auch gleich heraus, mit wem er diese Bündnisse schließen will. Mit Südafrika zum Beispiel. Weil er mit Cyril Ramaphosa und Julius Malema gemeinsam denselben rassistischen Wertekanon singt.

Seine erste Amtshandlung als Außenmini im Ausland ist allerdings gewesen, sich mit Vertretern vierzig kleiner Inselstaaten zu treffen, um bedeutenden Kriegsrat darüber abzuhalten, wie sie es  – recht deutsch – wohl hinbekommen könnten, „gemeinsam“ den Anstieg der Meeresspiegel zu verhindern. Sein Vorschlag: Die Vereinten Nationen müssen für den Plan gewonnen werden, der löblichen Wasserstandsabsenkung mit einer härteren Rhetorik beizuspringen. Der Heiko ist eben ein Erfolgsmensch. Ist er das wirklich? – Nein, infantil ist er. Das wiederum macht in Deutschland nichts, weil Infantilität regierungsamtlich und medial voll gedeckt wird. Hoffentlich greift von außen keiner an. Hoffentlich greift stattdessen endlich mal einer ein, der erwiesenermaßen noch alle Tassen im Schrank hat.

Zurück ins Vogtland

Wer hat also in Chemnitz gestern abend gegen 20 Uhr 30, etwa anderthalb Stunden, nachdem der reale Demonstrationszug aufgelöst worden war, recht siegreich und frohgemut in die Handykamera gegrient? Die gewählten Verteter der Gaga-Republik waren das. Und genau so haben sie auch ausgesehen.

Das wiederum wurde bewertet. Bis jetzt sind auf der Facebook-Seite von Manuela Schwesig 125 Kommentare zu ihrem „Dank an alle“ zusammengekommen. Sie hatte ein Grinsefilmchen von sich und Martin Dulig aus Chemnitz gepostet und es kurz überschrieben: „Vielen Dank allen, die heute in Chemnitz friedlich für Freiheit und Frieden und gegen Hass, Hetze und Gewalt demonstrieren.“ Durch die Bank wurde das mit Entsetzen, Abscheu und Empörung quittiert.

Komentare auf der Facebook Seite von Manuela Schwesig – Foto: Screenshot Facebook

Etwas ausführlicher wurde die Kommentatoren Veit Mielke und Uwe Sprengel:

 Mielke:Wissen sie eigentlich noch worum es geht? Die Leute in Chemnitz sind vor einer Woche in Gedenken friedlich auf die Straße gegangen, weil ein Mensch in ihrer Stadt von Migranten auf bestalischer Weise ermordet wurde und etliche Menschen schwerverletzt worden. Es findet überhaupt keine Anteilnahme von Vertretern der Stadt Chemnitz, von der sächsischen Landesregierung, Frau Merkel statt usw… statt. Stattdessen unverträgliche Hetze, Pöbeleien von den Medien, Politikern der Altparteien nun schon seit einer Woche gegen die Stadt Chemnitz und Sachsen statt. Ich wollte sie nur daran erinnern das am gestrigen Samstag von Pro Chemnitz, Pegida und der AFD ein Trauermarsch von mehr als zehntausend stattfand. Die sie und ihre willigen Helfershelfer gestört haben. Das ist völlig pietätslös. Ich werde lieber nicht weiterschreiben, was ich von Ihnen und den anderen angereisten Politikern von ihrer Gegendemonstration halte. Aber die nächsten Wahlen kommen und wir vergessen nicht.“

Sprengel: „Dumm grinsende Selfies machen an dem Ort, wo vor wenigen Tagen ein junger Mensch auf brutalste Weise hingerichtet wurde! Man kann diese abartigen, pietätlosen Gestalten nicht mehr ertragen. Daniel könnte noch leben, wenn diese verantwortungslosen Politiker diesen Wahnsinn, der sich seit 3 Jahren in Deutschland abspielt, verhindert hätten. Nämlich mit einer regulierten und verantwortungsvollen Flüchtlingspolitik! Der ehrliche, rechtschaffende Bürger hat schon viel zu lange damit gewartet, endlich gegen dieses verkommene System auf die Straße zu gehen.

Was immer gilt

Der Konservative verspürt vielleicht eine gewisse Ungeduld angesichts der Zustände im Irrenhaus DDR 2.0. Allerdings weiß er auch, was immer gilt, weswegen er sich dafür einsetzt, daß es auch beachtet wird. Immer gilt: Lügen haben kurze Beine (Heiko Mass hat solche) – und an der Realität führt letztlich kein Weg vorbei. Eine der bedeutendsten politischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts in den USA, Ayn Rand, hat das einmal so formuliert: Man kann zwar für eine zeitlang die Realität ignorieren, nicht ignorieren kann man allerdings die Folgen, die das unweigerlich hat.

Was Chemnitz anbetrifft, sieht es daher folgendermaßen aus: Was am heutigen Tage so daherkommt, als hätten die Infantilisten der DDR 2.0 einen bedeutenden Sieg davongetragen, ist nur eine kurze Momentaufnahme. Man kann zwar die Zukunft nicht exakt vorhersagen, aber Tendenzen kann man benennen. Chemnitz hat gestern trotz allem die Richtung angezeigt, in die es gehen wird. Die politkorrekte Gaga-Republik wird überwunden werden. Die Repräsentanten dieser Gaga-Republik sind Infantilisten, die keine zehn Meter weit schauen können und sich in ihrer Arroganz fröhlich grinsend den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Nicht völlig undenkbar ist auch, daß sie sich lachend ihr eigenes Grab schaufeln. Wo aufgebrachte Massen in ihrer ganzen Wut nicht mehr ungehindert demonstrieren können, wo man ihnen die freie Meinungsäußerung zudem noch in den sozialen Medien streitig macht und sie permanent stigmatisiert, dort wächst auch der Furor. Und einer der weltweit am meisten gefürchteten ist der legendäre Furor Teutonicus. Was lange gärt, wird endlich Wut.

Die infantile Republik ist allerdings zugleich auch eine schizophrene Republik. (Artikel vom 17.01.2018)

Chemnitz am 01.09.2018 ist nicht das Ende aller Tage. Das Volk kommt wieder, keine Frage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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