„False Flag“ in Chemnitz: Den ollen Hitler grüßen

Alle rechtsextrem? (Foto: Collage)

BILD will wissen, wer in Chemnitz den ollen Hitler gegrüßt hat. Um sachdienliche Hinweise zu bekommen – und natürlich, weil die Postille „BILD“ heißt – zeigte man den Lesern Bilder von Unbekannten, die gerade den ollen Hitler grüßen. Die „ZEIT“ berichtet, es gebe bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegen braunlinke Menschen, die in Chemnitz den ollen Hitler gegrüßt haben. Anscheinend konnten sie per Bild identifiziert werden. Der „Münchner Merkur“ wiederum kennt die Tarife für das Grüßen des ollen Hitlers: 3.600 Euro. Spaß beiseite.

Von Max Erdinger

n-tv berichtete am 03.07. 2015 von einer interessanten Gesetzesänderung, mit welcher die „Zentralstellenfunktion“ des Verfassungsschutzes gestärkt werden sollte. Die Mehrheit des Bundestages stimmte damals dafür. Diese Gesetzesänderung betraf auch V-Leute des Verfassungsschutzes. Fortan durften sie sich nämlich „szenetypisch“ verhalten. Als szenetypisch gilt u.a. das Grüßen des ollen Hitlers. Verboten ist der olle Hitlergruß, weil er unter das „Herzeigen von verfassungsfeindlichen Symbolen“ fällt. Eine Merkelfrisur geht aber noch.

Ein „Vogelschiss“ dauert bekanntlich zwölf Jahre lang – und exakt einen Vogelschiss früher als 2015, nämlich im Jahre 2003, scheiterte ein Verbotsantrag gegen die NPD vor dem Bundesverfassungsgericht, den Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat gestellt hatten. Gescheitert ist der wiederum, weil das Bundesverfassungsgericht zu der Auffassung gelangt war, daß sich in der NPD ungefähr so viele V-Leute tummeln wie tatsächliche Braunlinke.

Im Jahr 2014 brannte die Baustelle einer geplanten Unterkunft für Asylanten im fränkischen Vorra ab. Zwei Jahre später stellte sich heraus, daß die Hakenkreuzschmierereien und die asylfeindlichen Parolen, welche an der Brandruine gefunden worden waren, von Bauarbeitern stammten , die über Versicherungsbetrug per „Warmsanierung“ den Ruin ihrer Firma abzuwenden gedachten. Die FAZ berichtete damals. Das waren also zwei Jahre, von 2014 bis 2016, in denen die Konsumenten der Mainstream-Medien davon ausgegangen waren, dass die geplante Asylunterkunft von Braunlinken abgefackelt worden ist. Riesigen Aufruhr verursachte im Jahr 2000 die Geschichte von dem sechsjährigen Joseph Abdulla, der angeblich von Neonazis im Freibad des Städtchens Sebnitz in der sächsischen Schweiz ertränkt worden sein sollte. Der SPIEGEL drückte damals ganz gewaltig auf die Tränendrüsen. Letztendlich stellte sich heraus, dass der kleine Joseph einen Herzfehler hatte, dass das lange bekannt gewesen ist – und dass ihm dieser Herzfehler im seichten Nichtschwimmerbereich des Beckens zum Verhängnis geworden war. Zu dem Zeitpunkt waren aber an die Familie Abdulla unbürokratisch und im vorauseilenden Schuldbewußtsein bereits 60.000 Mark „Schmerzensgeld“ ausbezahlt worden. 2014 wurde die Thüringer Linken-Abgeordnete Janet Lutz dabei ertappt, wie sie im Wahlkreis 191 NPD-Wahlplakate mit Hakenkreuzen übermalte.

Auf Twitter war der untenstehende Tweet zu sehen:

LKA-Mitarbeiter per Photoshop zum „ollen Hitler“ umoperiert (Foto: Screenshot Twitter)

Es handelt sich um den LKA-Mitarbeiter, der sich dagegen verwahrt hatte, bei einem PEGIDA- Spaziergang in Dresden von einem ZDF-Team gefilmt zu werden. Der Mann wurde inzwischen versetzt.

Ebenfalls auf Twitter fand sich der folgende Aufruf: „Den Nazis ordentlich in die Suppe kacken. Rein in den Haufen und richtig laut 2-3 Mal ‚Heil Hitler‘ rufen. Morgen in den Zeitungen gibt’s dann richtig was zu lesen.

„False-Flag-Operationen“ sind nichts Neues – und aus der Mode gekommen sind sie nie. Eine der bekanntesten ist der „polnische Überfall“ auf den Sender Gleiwitz. Wenige Stunden später, um 05:45 Uhr, wurde dann „zurückgeschossen“. Das war der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Wer hat also in Chemnitz den ollen Hitler gegrüßt – und warum?

Das ist aber nur die eine Frage. Eine ganz andere ist die, warum bestimmte Gesten überhaupt strafrechtlich verfolgt werden. Im Grunde ist das nämlich reichlich albern. In Deutschland kann man dafür verknackt werden, dass man Jemandem die „Mattscheibe“ gezeigt hat, indem man mit der flachen Hand eine rotierende Bewegung vor dem eigenen Gesicht ausführte. Für einen ausgestreckten und – jessers! – nackten Mittelfinger kann man ebenfalls bestraft werden, selbst dann, wenn man ihn neben einem überlebensgroßen Werbeplakat herzeigt, auf dem die nackten Brüste von Dolly Buster zu sehen sind. All das ist lächerlich und berechtigt zum Gebrauch des Begriffs „Kindergartenrepublik Deutschland“.

Mit dem Grüßen des ollen Hitlers ist es aber nochmal etwas Anderes, weil: Den ollen Hitler hat wahrscheinlich Jeder schon einmal gegrüßt, selbst, wenn er das gar nicht wollte, wie das untenstehende Bild nahelegt.

„Den ollen Hitler grüßen“ (Foto: Collage)

Die Sache ist nämlich die: Wenn Jemand, der selbst schon nicht der größte Anzeiger (GröAz) ist, z.B. die Körpergröße von Heiko Maas anzeigen will, dann wird er wohl den rechten Arm ziemlich geradeaus nach vorne ausstrecken, es sei denn, er wäre Linkshänder. Das sieht dann aus, als würde er den klei … ollen Hitler grüßen. Oder wenn Jemand freundlich winkt, so wie Christina Wulff im linken unteren Teil der Collage: Durch das Drücken des Auslösers einer Kamera wird Bewegung zum Stillstand. Man winkt also freundlich, wird dabei fotografiert – und plötzlich heißt es, man habe den ollen Hitler gegrüßt und somit ein verfassungsfeindliches Kennzeichen hergezeigt. Sogar wenn man nur auf ein entfernt stehendes Auto zeigt, von dem der Fahrer gerade die verfassungsfeindlichen Kennzeichen abschraubt, weil er sich vor lauter Bewunderung für Anton Hofreiter die Nummer B-AH 88 (Bayern-Anton Hofreiter, 88 Halbe Weißbier) ausgesucht hatte und von einem grässlichen Nazi bei der Zulassungsstelle tatsächlich ausgehändigt bekommen hat, kann man fotografiert werden und hernach mit dem Vorwurf konfrontiert werden, man habe den ollen Hitler gegrüßt.

Ein für alle Mal: Tote braucht man nicht zu grüßen, weil sie nicht zurückgrüßen. Man grüßt sozusagen ins Leere. Deswegen machen das auch nur ganz Wenige. Das sind die paar Idioten, die es überall gibt. Es ist völlig überflüssig, sich als Gesetzgeber selbst zum Idioten zu machen, indem man einfach Allen, die irgendetwas Anderes mit ihrem rechten Arm tun, als den ollen Hitler zu grüßen, so zu behandeln, als hätten sie den ollen Hitler gegrüßt. Das ist einfach hysterisch und dumm. Was Jemand denkt, hängt nicht davon ab, wie er seinen rechten Arm bewegt.

Es gibt einen einzigen Grund, bestimmte Bewegungen und Körperhaltungen zu kriminalisieren: Die Kriminalisierung eignet sich vortrefflich für „False-Flag-Operationen,“ wie man gerade am Beispiel Chemnitz erkennen kann. Ein paar von der Antifa ausgestreckte, rechte Arme führen dazu, dass man eine ganze Stadt, eigentlich ein ganzes Bundesland, in die braunlinke Ecke drängen kann, obwohl es eigentlich nichts Anderes ist als das deutsche Zentrum des Widerstands gegen die Wahnsinnspolitik der Führeri … führenden Politikerin Deutschlands.

Zum Schluss noch ein Bild – und eine Frage: Was hätten die Schergen des ollen Hitlers wohl mit einem Volksgenossen gemacht, der den Reichskanzler mit einer solchen Frisur gegrüßt hätte? – Es ist ein Bild aus Chemnitz.

Die Frisuren der Nazis werden auch immer seltsamer (Foto: Screenshot Twitter)

Ich schätze, man wird keine tausend Jahre lang raten müssen.

 

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