Chemnitz: Er wollte, dass die Wahrheit nicht wieder verschwiegen wird – Justizbeamter leakte Haftbefehl

Demonstranten in Chemnitz. Foto: Stoeckl

Wie groß muss die Verzweiflung über die Zustände in Deutschland inzwischen sein, wenn ein 39-jähriger Justizbeamter seinen Arbeitsplatz aufs Spiel setzt, weil er Angst um die Wahrheit hat? Der Mann hat zugegeben, den Haftbefehl gegen den „Flüchtling“ Yousif A. fotografiert und weitergegeben zu haben. Und zwar aus folgendem Grund: „Ich wollte, dass die Wahrheit und nur die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit kommt“, erklärte Daniel Zabel.

Das gab der Mann gegenüber der Bild-Zeitung an. Aus dem Dokument geht hervor, wie grausam der 35-jährige Daniel Hillig erstochen wurde. Und dass der Tatverdächtige mehrfach vorbestraft ist sowie sein Asylantrag abgelehnt wurde. Die Begründung von Daniel Zabel gleicht einer Anklage: „Polizei und Justiz haben kaum Informationen gegeben. Ich wollte wissen, was wirklich passiert ist, habe den Haftbefehl, der nach der Einlieferung noch im Zugangsbereich auslag, abfotografiert.“

Der Justizbeamte hat nicht ganz Unrecht: Ohne die Veröffentlichung wäre das Staatsversagen, das sich auch in diesem Fall eklatant zeigt, niemals ans Licht gekommen. Erst durch die Berichte über den Haftbefehl wurde all das offenbar. Yusif A. war bereits sechs Mal verurteilt worden, aber nie ins Gefängnis gekommen. Auch, dass sein Asylantrag abgelehnt war, er aber nicht abgeschoben, dafür aber trotz all der Straftaten geduldet wurde, wäre nicht öffentlich geworden.

24 Stunden, nachdem er den Haftbefehl fotografiert hatte, verschickte er ihn so sagte er dem Boulevardblatt, per Handy an Kollegen aus der Justiz, Freunde des erstochenen Daniel H. und die Bürgerrechts-Gruppierung „Pro Chemnitz“.

Er sagte, er stelle sich auch deswegen, weil er nicht wolle, „dass weiter Leute verfolgt werden, weil ich den Haftbefehl veröffentlicht habe“. Offenbar haben ihn die zahlreichen Hausdurchsuchungen schockiert. Keiner sollte seinetwegen leiden. Ein Mann mit Rückgrat, der Mut bewiesen hat. Jetzt muss er damit rechnen, dass er einen Prozess bekommt und seinen Arbeitsplatz verliert. (WS)

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