AfD zeigt Theater Paderborn an

Theater Paderborn: (Bild: SW1907 - ; CC BY-SA 4.0; siehe Link)
Theater Paderborn: (Bild: SW1907 - ; CC BY-SA 4.0; siehe Link)

NRW/Paderborn – Der AfD-Kreisverband Paderborn hat Strafanzeige gegen die Leitung des Paderborner Theaters erstattet. Die Partei fühlt sich durch eine Grafik im aktuellen Spielzeitheft verunglimpft.

Das defizitäre Theater „Paderborn – Westfälische Kammerspiele“, das Theater der Stadt und des Kreises Paderborn, verbuchte im Jahr 2017 Negativeinnahmen von drei Millionen Euro. 2019 fallen dann noch 900.000 Euro, die bislang durch die Finanzierung der Förderstiftung Paderborn, die seinerzeit vom Stromversorger Eon Westfalen-Weser begründet worden war, weg.  Wie der Fehlbetrag im 5,4-Millionen-Etat des Theaters aufgefangen werden soll, ist bislang unklar. Klar ist, dass der Steuerzahler auch hier zur Kasse gebeten wird. Darunter befinden sich, rein statistisch mindestens 14 Prozent AfD-Wähler, die dann mit ihrem hart erarbeiteten Geld die eigene Diffamierung und Herabwürdigung durch das Paderborner Theater bezahlen müssen.

AfD mit der NSDAP gleichgesetzt und verleumdet

Am 1. September kommt am Theater Paderborn Max Frischs „Andorra“ zur Aufführung. Im Programmheft für die Spielzeit 2018/19 wird das Stück mit einer Grafik angekündigt. Der Paderborner Theatergrafiker gestaltete Illustration und stellte die jeweils deutlich gestiegenen Wahlergebnisse der NSDAP aus den Jahren 1928 und 1932 sowie der AfD von 2013 und 2017 untereinander. Ergänzt wurde die Darstellung noch durch die Zahl von rund sechs Millionen Menschen, die während des Holocausts ermordet wurden, und die Zahl der 681 antisemitischen Straftaten, die im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland erfasst wurden.

Der Paderborner AfD-Kreisverband sieht darin eine Diskreditierung seiner Mitglieder und Wähler und hat gegen das Theater und die Verantwortlichen Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Paderborn wegen Verleumdung und Volksverhetzung gestellt. Der AFD-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Tegethoff sagte gegenüber dem Westfalen-Blatt,  dass sich die AfD mit der NSDAP gleichgesetzt und verleumdet sehe. Die Staatsanwaltschaft Paderborn bestätigte am Donnerstag den Eingang der Anzeige.

Intendantin beruft sich auf Freiheit der Kunst

Katharina Kreuzhage, geschäftsführende Intendantin des Theater erklärte laut der NW dazu: „Unsere Grafik überschreitet nicht die Grenzen, die der Freiheit der Kunst gesetzt werden“.  Wenn es zu einem Verfahren kommen sollte, freue sie sich auf die Entscheidung, wo die Freiheit der Kunst ende.

Wo diese malträtierte Freiheit der Kunst für die deutsche Rechtssprechung enden kann, zeigte das Berliner Kammergericht Mitte Juli auf. Der Senat erkannte in dem von Oktober 2015 bis Mai 2017 an dem Theater aufgeführten Stück „Fear“ besonders schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzungen und Schmähungen zu Lasten der Klägerin, der bekannten Publizistin und Soziologin Gabriele Kuby, an.

Die Berliner Schaubühne und ihr Regisseur Falk Richter hatten Kuby neben anderen Intellektuellen als „Untote“ und „Zombie“ beschimpft und als „Wiedergänger aus der Vergangenheit“, bezeichnet. Das Gericht erkannte, dass dies mit einer Rhetorik und einem Vokabular „aus Zeiten des Nationalsozialismus“ behaftet war. Zudem wurde Kuby im Schmähstück  unterstellt, „gegen Juden zu hetzen“ und nach einem totalitären Staat sowie nach „Faschisten und Faschistinnen“ zu rufen. Hierfür waren ihr im Stück manipulierte und sinnentstellte Zitate in den Mund gelegt und mit ihrer eigenen Stimme dem Publikum präsentiert worden. Das Gericht verbot dem Theater wie seinem Regisseur Richter die schwerwiegenden Schmähungen, für die es keine Grundlage gebe, bei Vermeidung von einem Ordnungsgeld bis 250.000 Euro oder einer Ordnungshaft, zu wiederholen (Jouwatch berichtete).  (SB)

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