Schweizer Zeitung über Merkel: „Eine Grabplatte, die sich auf Deutschland gelegt hat“

Ex-Kohl-Berater rechnet in der "Neuen Zürcher Zeitung" gnadenlos mit Angela Merkel ab. Foto: Screenshot Youtube

Eine gnadenlose Abrechnung mit Angela Merkel hat die „Neue Zürcher Zeitung“ veröffentlicht. Pikant: Autor ist der ehemalige „Bild“-Chefredakteur und Helmut-Kohl-Berater, Hans-Hermann Tiedje. In deutschen Zeitungen kann er solche Texte offenbar nicht mehr schreiben.

Der heutige Medienmanager hat das erkannt und beklagt in seinem Beitrag, dass „sich im Mittelbau der Medien eine Art Sprachaufsicht etabliert hat und bittere Realitäten schönfärbt oder weichspült. In Kreisen wie diesen plagt man sich allen Ernstes mit der Frage, welche Meinungsäußerungen (noch) geziemend sind – statt Meinungsfreiheit einfach zu praktizieren. Entweder man übt sie aus, oder es gibt sie nicht.“

„Merkels Helferszene in den Medien macht aus dem X ein U“

Aber zurück zu Merkel: Ihr Mantra „Wir schaffen das“ erklärt sie laut Tiedje heute so: „Der Satz war doch banal.“ Mit einem klaren „Nein“ widerspricht der ehemalige Kohl-Berater: „Er war schlicht falsch. Augenwischerei auf Kosten des gutgläubigen Bürgers und Steuerzahlers und der deutschen Bevölkerungsstruktur.“ Die Kanzlerin wirke „wie eine Grabplatte, die sich auf Deutschland gelegt hat“.

Der Träger des Bundesverdienstkreuzes rechnet ihr ihre Lügen vor: „Von den vielen angeblich eingetroffenen syrischen Ärzten ist wenig zu sehen, umso mehr zu spüren von zugereisten nordafrikanischen Kriminellen.“ Aber Merkels „Helferszene in den Medien“ lasse sich „ständig neue unverdächtige Formulierungen einfallen, die aus dem X ein U machen“.

„Wer Zustände präzise benennt, wird zum Nazi erklärt“

Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger sei mittlerweile ein Zugezogener – „dafür wurde Hartz IV allerdings nicht ersonnen“. Tiedje: „Zehntausende Migranten sind nur im Land, um massenhaft Kindergeld für die Daheimgebliebenen abzugreifen, und wer diesen Zustand präzise so benennt, wird in den einschlägigen Organen ganz schnell zum Hassprediger oder, optional, auch gleich zum Nazi erklärt.“ Die Diskussionskultur sei „völlig aus dem Ruder“ gelaufen.

Auch Merkels vorgeblich selbstkritischer Äußerung „Wir sind ein gespaltenes Land“ widerspricht der 69-jährige Journalist vehement: „Wieder falsch. Wir haben eine Mehrheitsgesellschaft und eine starke Minderheit.“ Letztere – etwa ein Drittel – wähne sich „als moralische Mehrheit und deklariert Zuwanderer und Migranten durchweg als ‚Flüchtlinge‘“. Tatsächlich aber schlage sich „ein Teil der Bevölkerung, vor allem in Großstädten, täglich mit eingewanderten Problemen herum, und ein Minderteil, insbesondere die deutsche Kaffeehaus-Intelligenzia, redet sie schön.“

„Merkel vergesellschaftet eigene Fehler“

Die Behauptung der Kanzlerin „Wir waren alle naiv“ zerpflückt Tiedje ebenfalls: „So vergesellschaftet man eigene Fehler. Naiv waren sie, die Frau an der Regierungsspitze, und vielleicht ihre Entourage und wohl auch der Koalitionspartner, aber dann sollen sie sich dazu auch bekennen. Hingegen ist das Kanzleramt nicht zum Lernen da, sondern zum guten Regieren.“

Dann wird der frühere Chefredakteur konkret: „Die Beispiele heruntergekommener Städte häufen sich. Cottbus (dort liegt die AfD bei 29 Prozent), Pirmasens (dort werden keine Zuwanderer mehr aufgenommen) oder Duisburg-Marxloh: Stätten öffentlicher Verwahrlosung, von jedermann zu besichtigen. Merkel aber meidet konsequent diese Anschauungsorte der Folgen falscher Politik.“ Ihr Motto sei „wegschauen, weghören, relativieren, die zivilisatorischen Rückschritte ignorieren“.

„Importierte Gewalt und Missachtung deutscher Gesetze“

Allerdings steige der Überdruss angesichts des leeren Geredes – „insbesondere erkennbar an importierter Gewalt und Missachtung deutscher Gesetze“. Die deutsche Politik werde weder „mit der Zuwanderung fertig noch mit der Zukunft“. Mitten in der Hochkonjunktur leiste sich die Bundesrepublik „sinnfreie Diskussionen, zum Beispiel über das bedingungslose Grundeinkommen – übrigens ein weiterer Lockruf an die arme Welt da draußen.“

Die große Koalition bezeichnet Tiedje als ein Bündnis aus einem „Schwerverletzten (CDU/CSU)“ und einem „Halbtoten (SPD)“. Es werde regiert um jeden Preis. Und Merkels Idee? „Es gibt keine, es gab nie eine.“ Zum Schluss zieht der Autor einen Vergleich mit Österreich: Merkels Glück sei, dass ihr „größter Antipode“ nicht ihr Nachfolger werden könne: „Aber er ist ein dauerhaftes Ärgernis, quasi das echte Alternativangebot. Sebastian Kurz heißt dieser Schattenmann.“ Dessen schiere Existenz „macht Merkel und deren politische Agenda seit einen halben Jahr permanent vergleichbar. Kurz ist ganz klar konservativ“. In der „alles beherrschenden Migrationspolitik hält er Merkels Wirken für verheerend. Bei allen Erörterungen über die Merkel-Nachfolge sitzt Kurz quasi als Phantom mit am Tisch.“

Tiedje: „Wäre Kurz Deutscher, wäre er Kanzler oder kurz davor. Leider ist er Österreicher.“ (WS)

Den gesamten NZZ-Artikel von Hans-Hermann Tiedje finden Sie hier.

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