Südafrika: Enteignungen ohne Entschädigung beginnen

Marilla Slominski

Foto:Von Harry Beugelink/shutterstock
Foto:Von Harry Beugelink/shutterstock

Südafrikas Regierung hat begonnen, Land von weißen Farmern zu beschlagnahmen. Dabei soll es sich um zwei Wildfarmen in der nördlichen Provinz Limpopo handeln. Verhandlungen über den Verkauf des Landes seien zuvor gescheitert. 

Die in Johannesburg ansässige Zeitung City Press berichtete, dass Akkerland Boerdery 200 Millionen Rand (rund 12 Millionen Euro) für das Land wollte, aber die Regierung ihnen nur ein Zehntel davon bei 20 Millionen Rand angeboten hätte, so The Express.

In einem Brief, der Anfang dieses Jahres an die Eigentümer geschickt wurde, hieß es: „Es wird bekannt gegeben, dass am 5. April 2018 um 10.00 Uhr eine Geländebegehung durchgeführt wird, um die Vermögenswerte zu prüfen und die Schlüssel des Betriebes an den Staat zu übergeben.“

Der Eigentümer Akkerland Boerdery habe daraufhin sofort eine einstweilige Verfügung erlassen, um die Zwangsräumung zu verhindern, bis ein Gericht darüber entschieden hat, aber das Ministerium für ländliche Entwicklung und Landangelegenheiten habe den Antrag abgelehnt.

Annelie Crosby, Sprecherin des Agrarindustrieverbandes AgriSA, sagte gegenüber City Press: „Was den Akkerland-Fall einzigartig macht, ist, dass er anscheinend nicht die Möglichkeit hatte, die Forderung vor Gericht anzufechten, wie es das Gesetz verlangt.“

ANC-Sprecher ZiZi Kodwa weigerte sich, Einzelheiten über die betroffenen Farmen zu verraten und fügte hinzu, dass die vorgeschlagenen Beschlagnahmungen „mit der Bekämpfung der Ungerechtigkeiten der Vergangenheit verbunden“ seien.

„Mit der Zeit werden sowohl die Märkte als auch die Anleger bemerken, dass das, was wir tun, politische Sicherheit schafft und die Voraussetzungen für zukünftige Investitionen schafft“, so ZiZi Koda gegenüber City Press.

Seit der Wahl von Cyril Ramaphosa zum Präsidenten Anfang des Jahres, der seinen African National Congress (ANC) zur Landenteignung verpflichtet hat, eskalieren die Spannungen zwischen der weißen Bauerngemeinschaft Südafrikas und der Regierung.

Letzte Woche löste der Vorsitzende des ANC, Gwede Mantashe, Panik unter den weißen Farmern aus, als er ihnen verkündete: „Niemand von Ihnen sollte mehr als 25.000 Morgen Land besitzen. Wenn Sie mehr besitzen, sollte es Ihnen ohne Entschädigung genommen werden.“

Immer mehr Farmer versuchen nun, ihre Farmen zu verkaufen, doch sie finden keine Interessenten.

„Die Stimmung ist sehr ernst. Die Farmer sind verwirrt über das Fehlen einer offensichtlichen Strategie der Regierung und viele sind in Panik geraten. So viele Farmen stehen zum Verkauf, mehr als wir jemals hatten, aber niemand kauft“, so der Vorsitzende Omri van Zyl von Agri SA, einer Interessenvertretung für südafrikanische Farmer.

Für weitere Unruhe sorgt die Nachricht von AgriSA, sie sei im Besitz einer Liste von 195 Farmen, die enteignet werden sollen. Die Regierung bestreite die Existenz eines solchen Dokumentes, so n24.com

Anfang des Monats war bekannt geworden, dass der ANC plant, in den nächsten Wochen 139 Farmen ohne Entschädigung enteignen zu wollen.

In dem Gebiet von Limpopo, das im Nordosten Südafrikas liegt und an Botswana und Simbabwe grenzt, sollen 9 Farmen betroffen sein.

„Ich habe mit vier Farmern gesprochen, die auf der Liste stehen, doch sie wollen noch nicht an die Öffentlichkeit gehen. Die Farmer sind besorgt und ängstlich. Einer von ihnen wollte eigentlich expandieren, doch dass sei nun nicht mehr möglich. Er musste seine Pläne auf Eis legen. Niemand weiss, was die Zukunft bringt“, so einer Vorsitzender der Freedom Front Plus Partei Marcelle Maritz.

„Ich kann den Farmer nur raten, dass sie Vorsichtsmaßnahmen für den Notfall treffen und die Telefonnummern ihrer Nachbarn bereithalten. Jede Familie sollte wissen, was sie in einer solchen Ausnahmesituation tun muss“, so Maritz.

 

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