Verliebt in Logikfehler: Wie die Presse einen Rücktritt instrumentalisiert

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Der Kölner Stadtanzeiger titelt, der Vorsitzende des Kreiskatholikenrates, Michael Heckmann, habe aus Protest seinen Austritt aus der CDU erklärt.

Als bergischer Katholik denkt man spontan: Ich habe noch nie von dem Mann gehört, aber richtig so!

Von Tanja Nazarra

Endlich trägt ein Funktionär wie unser Heckmann dem kontinuierlichen Verrat christlicher Werte Rechnung und zeigt sich unversöhnlich mit der von der CDU mitgetragenen Auflösung des Stellenwerts der Familie durch Genderideologie, Frühsexualisierung und Homo-Ehe.

Als Kommunalpolitiker und katholischem Funktionsträger wird ihm auch die zunehmende Islamisierung Deutschlands und die Erosion der inneren Sicherheit nicht verborgen geblieben sein. Sein Austritt aus der CDU wird wohl sein medienwirksamer Protest gegen die Beteiligung seiner Partei an all diesen Entwicklungen sein.

Weit gefehlt. Zum Entsetzen des klar denkenden Lesers gibt Heckmann an, aufgrund der

„von der CSU geschürte Hetze gegen Flüchtlinge“

aus der CDU ausgetreten zu sein.

Als Begründung wankelmütiges Verhalten und mangelnde Durchsetzungsfähigkeit von Seehofer zu liefern, hätte ich noch verstehen können, aber zaghafte und placeboartige Versuche der Grenzsicherung mit Hetze gleichsetzen?

Überdies macht der Austritt aus einer Partei wegen Kritik an einer anderen grundsätzlich herzlich wenig Sinn. Heckmannscher Logik folgend, könnte er ebenso aus Protest an der EKD-Führung aus der katholischen Kirche austreten oder sein BILD-Abo kündigen, weil ihm der letzte SPIEGEL-Titel nicht gefällt.

Diese so konstruierte wie logikfreie Austrittsbegründung begeistert jedoch regelrecht unsere Lokalpresse und ist dem Kölner Stadtanzeiger eine breit angelegte Diskussion und Befragung aller möglichen politischen und katholischen (Ex-)Funktionäre wert. Schließlich ist der Ex-Bürgermeister von Wermelskirchen und Ex-Vizevorsitzende des Overather Stadtverbandes Heckmann nicht irgendwer im Ex-Who-is-Who des Bergischen.

Der Leser spürt sogleich, die Lokaljournaille stört der Heckmannsche Logikfehler nicht nur nicht, sie verspüren eine gewisse Lust an konstruierter Zivilcourage. Der Heckmann da unten gegen die bajuwarischen Hetzer Seehofer und Söder da oben.

Der Heckmann stört sich zur Freude des Stadtanzeigers darüberhinaus auch noch an Merkel-Kritik in der Bundestagsfraktion – wie mutig, wie selbstlos für einen Funktionär dergleichen anzusprechen!

Nannte man bedingungsloses Nacheifern einer Führungsfigur nicht mal Kadavergehorsam und war das systematische Wegbeissen von Kritikern nicht mal ein Indiz für Kaderstrukturen und Totalitarismus?

Nicht beim Kölner Stadtanzeiger. Der Leiter der Lokalredaktion von Bergischer Rundschau und Stadtanzeiger, Guido Wagner, fabuliert am Beispiel des couragierten Heckmanns eine Haltung herbei, die allenfalls in den Redaktionsstuben herrscht: Die Ablehnung jedweder Grenzsicherung.

Ein Vorschlag zur Güte für den umtriebigen Heckmann und seine Jubeljournaille: Mit seinem scheinbar grenzenlosen Hang zur Komik und seinem Faible für arabisch-afrikanische Grenzüberschreitungen bietet sich für ihn eine weitere verantwortungsvolle Funktion an, in der er seine Kernkompetenzen Sinn stiftend einbringen kann: Der Verein Clowns ohne Grenzen sucht Charaktere, die internationales Publikum grenzüberschreitend zum Lachen bringen können.

Und der Kölner Stadtanzeiger hätte die Gelegenheit einem weiteren Helden des Humanismus‘ eine halbe Seite der unkritischen Bewunderung zu widmen.

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