Wer ist das Volk

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Ich kann es nicht mehr hören: „Das Volk“ müsse jetzt endlich auf die Straße gehen. Ich war mehrfach auf der Straße und habe darüber berichtet. Es war kläglich. Nach wenigen Monaten ist alles in sich zusammengebrochen. Die Gegenseite hat aus dem Stehgreif vier- bis fünfmal so viele Leute mobilisiert, die fünfmal so agil waren wie wir. Die meisten Hamburger haben niemals mitbekommen, dass da überhaupt was war. Und die M-Presse hat ausschließlich negativ über uns berichtet.

Von Jürgen Fritz

„Das Volk“ will genau das alles, wie es abläuft, zu über 80 Prozent. „Das Volk“ ist genau das Problem. Wir sind nicht „das Volk“, wir sind Außenseiter. „Das Volk“ will Harmonie, will absolute Toleranz, will großzügig sein, will Frieden mit allen, auch mit denen, die selbst alles andere als Frieden wollen. „Das Volk“ will einen etwas höheren Lebensstandard, ohne mehr arbeiten zu müssen, will mehr Komfort, will mehr Bequemlichkeit, will ein besseres TV-Programm, ein noch neueres Handy, will lecker essen und schönen Urlaub machen und das Gefühl haben, lieb und anständig zu sein.

Was „das Volk“ nicht will, ist geistige Anstrengung. Was „das Volk“ nicht will, ist, sich selbst zu hinterfragen und umdenken. Was „das Volk“ nicht will, ist Konfrontation, außer einer: mit den paar Leuten, die die Konfrontation mit denen, die Konfrontation lieben, nicht scheuen. „Das Volk“ ist das Problem, welches genau die Leute nach oben bringt, die jetzt oben sind. Die Frage muss also lauten: Wie kann das Volk verändert werden? Wenn das gelänge, ergäbe sich alles andere wie von selbst. Das Volk zu ändern, ist aber Knochenarbeit, weil der Mensch unfassbar träge ist, im Geistigen noch mehr als im Körperlichen.

Und die meisten sind nicht fähig, ihr Welt- und Menschenbild allein durch Reflexion zu ändern, sondern nur über Schmerz. Nur wenn es richtig weh tut, sind sie bereit, sich selbst zu hinterfragen und sich zu ändern. Viele aber nicht mal dann. Das sind die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Was wir schaffen müssen, wenn wir eine Chance haben wollen zu überleben, ist, einen Umdenkprozess einzuläuten. Dazu braucht es a) exzellente Vordenker und b) viele, die das mit ungeheurer Energie und Einsatz mittragen. Das ist, wie gesagt, Knochenarbeit. Anders geht es aber nicht. Es gibt keinen bequemen oder schnellen Weg. Es gibt keine Pille, die schlagartig alles wieder gut machen könnte. Wir müssen andere überzeugen. Nur so geht es.

Wandere aus, solange es noch geht!
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