Protest wirkt: „Speed-Dating“ mit „Flüchtlingen“ in Lenggries abgesagt

Die Kuppler rund um „Koordinatorin“ Annette Ehrhardt haben angesichts der großen Proteste wohl kalte Füße bekommen.

Von Michael Stürzenberger (P.I.NEWS)

Als ich am Mittwoch Spätnachmittag mit drei Mistreitern aus München in Lenggries ankam, teilte mir die Organisatorin der „Kandel ist überall“-Protestdemo, Linda Amon, mit, dass das für den Abend geplante „Speed-Dating“ in Lenggries wohl abgesagt wurde.

Die große Empörung, die sich über die sozialen Medien und die Nachrichtenblogs im Internet aufgebaut hatte, u.a. berichtete auch PI-NEWS ausführlich, und der angekündigte Protest vor Ort hatten offensichtlich Wirkung gezeigt.

Ich sah mich daraufhin zusammen mit dem Kamerateam von Compact TV in dem beschaulichen oberbayerischen Städtchen um, ob diese skandalöse Kuppelveranstaltung tatsächlich komplett abgesagt oder nicht doch still und heimlich an einen anderen Ort verlegt wurde.

Der Jugendtreff im Pfarrzentrum, in dem eigentlich ab 20 Uhr junge einheimische Mädchen den „Flüchtlingen“ zugeführt werden sollten, blieb jedenfalls geschlossen:

Aber schnell machten sich Gerüchte breit, dass die nahe gelegene Zirkusschule nun als neuer Veranstaltungsort ausgewählt wurde. Sie befindet sich wie das Pfarrzentrum in unmittelbarer Nähe zum „Flüchtlings“-Heim, das bezeichnenderweise von mehreren Sicherheitsleuten bewacht wird. Dort begann ich meine Livestream-Reportage:

Der Journalist Oliver Flesch führte anschließend über seinen Youtube-Kanal ein Live-Interview mit mir:

Im Bericht des Münchner Merkur behauptet der Bürgermeister von Lenggries allen Ernstes, das zu dem Speed-Dating, bei dem sich die „Flüchtlinge“ über gemeinsame Interessen und Musikgeschmack unterhalten sollten und von dem die Koordinatorin Ehrhardt meinte, Ziel sei jetzt erstmal nicht eine Partnerschaft fürs Leben, aber man werde sehen, wie sich das entwickelt, nur „junge Männer“ hätten kommen sollen:

Bürgermeister Werner Weindl hat die Kundgebung mitverfolgt. Besonders traurig findet er, dass sich keiner der Redner mal bei der Gemeinde über den genauen Sachverhalt informiert hat. „Das ist eigentlich der ureigenste Grundsatz des Zusammenlebens, dass man mal miteinander redet.“ Hätte jemand nachgefragt, „hätten wir ihm gesagt, dass zu der Veranstaltung ausschließlich junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren kommen, keine jungen Frauen.“ Etwas anderes sei nicht geplant gewesen. Ziel sei es gewesen, soziale Kontakte zu fördern. Da die Demonstranten ursprünglich vom Rathausplatz zum Pfarrheim ziehen wollten, „haben wir die Veranstaltung aber vorsorglich abgesagt“, so Weindl. Man habe jede Form der Eskalation vermeiden wollen.

Für eine Büttenrede mit „Wolle mern reinlasse“ hätte dieser Gag des Bürgermeisters seine Berechtigung. Aber die Bürger lassen sich nach den Erfahrungen aus Kandel nicht mehr so leicht hinters Licht führen. Vor dem Gebäude der Gäste-Information gegenüber des Rathauses versammelte sich der Widerstand in der kurzfristig auf die Beine gestellten Demo, an der gut 40 Demonstranten teilnahmen:

Spontan schlossen sich auch ein knappes Dutzend trachtengewandete Bürger aus Lenggries an, die auf dem Weg zum Volksfest waren und der gleichen Meinung waren:

Gegenüber vor dem Rathaus hörten auch einige interessierte Bürger zu. Dort standen auch zwei linksorientierte Journalisten aus München:

Ob und wann die Kuppelei im „Jugendtreff“ des Pfarrhauses nachgeholt wird, bleibt offen.

Die Videos der Reden – Organisatorin und Anmelderin Linda Amon:

Rüdiger Imgart, Landtags-Direktkandidat der AfD in Weilheim:

Ich war eigentlich in Lenggries, um über den wichtigen Widerstand zu berichten. Aber als ein Redner durch eine Autopanne verhindert war, sprang ich auf spontane Einladung von Linda Amon ein:

Dr. Christina Baum, AfD-Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg:

Birgit Weissmann, Aktivistin:

Zum Abschluss die Bayern- und Nationalhymne:

Nach der Veranstaltung kam es zum Eklat: Der Inhaber der Gastwirtschaft „Altwirt“ verweigerte vier AfD-Mitgliedern, darunter einer gewählten Landtagsabgeordneten und einem Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten, die Bewirtung und schmiss sie raus. Dies veröffentlichte das ebenfalls betroffene AfD-Mitglied Heike Themel auf der Facebook-Seite „AfD deckt auf“:

Die Abendzeitung bewertet aus ihrer Sicht die über 2000 Kommentare auf der Facebookseite typisch einseitig linksorientiert:

Doch die Aktion ging nach hinten los. Anstatt sich über den „Gesinnungsfaschismus vom Feinsten“ zu echauffieren, feierten die User die Aktion des „Altwirts“: „Richtig so. Man kann sich zum Glück aussuchen wen man bewirten will“, heißt es etwa, oder: „Wunderbar! Ich werde das Gasthaus definitiv weiterempfehlen. Vielen Dank für den Tipp!“ „Das Gasthaus zum Altwirt ist mir ungemein sympathisch und wird sicherlich alsbald von mir besucht werden. Auch das Essen ist sicherlich fantastisch und schmeckt nach dieser Aktion NOCH besser!!“, schreibt ein Dritter.

Praktischer Nebeneffekt für den Wirt: Viele der Kommentatoren bewerteten den „Altwirt“ gleich noch mit fünf Punkten bei „Tripadvisor“, den Link dazu hatte die AfD-Seite netterweise unter den Post gestellt. Sie hoffte wohl, dass es hauptsächlich negative Bewertungen hagelt.

Die Süddeutsche Zeitung meldet:

Ein Link schließt den Facebook-Post ab. Er führt zur Seite des Altwirts auf dem Bewertungsportal Tripadvisor und soll wohl dazu ermuntern, schlechte Bewertungen über das Wirtshaus abzugeben. Erfolgreich ist das allerdings nicht, zuletzt wurde das Lokal dort vor zwei Wochen bewertet – und zwar gut.

Mehr passiert dagegen auf Facebook unter dem Beitrag von „AfD deckt auf und fragt nach“. Mehr als 400 Kommentare sind bereits zusammen gekommen, viele davon richten sich jedoch gegen die AfD und gratulieren den Wirtsleuten zu ihrer Entscheidung, die Rechtspopulisten nicht bedienen zu wollen.

Dieser Gastwirt Robert Werner hatte schon einmal AfD-Mitgliedern die Tür seiner Lokalität versperrt. Laut Bayerischem Rundfunk will er nun „juristisch“ gegen „Rufschädigung“ im Internet vorgehen:

In sozialen Medien werde seit Monaten Stimmung gegen ihn gemacht, sagt der Gastwirt. Im Oktober 2017 hatte er ebenfalls einer Gruppe von Rechtspopulisten die Tür gewiesen. Seitdem werde dazu aufgerufen, das Gasthaus bei Facebook oder Tripadvisor schlecht zu bewerten. „Das hat System“, sagt der Wirt.

Nach seinen Worten hat sich niemand bei ihm oder den Mitarbeitern über schlechtes Essen oder schlechten Service beschwert. Dagegen kursieren Hunderte solcher Posts und Negativbewertungen im Internet. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt der Wirt, „und bleibe bei meiner Linie.“ Werner will sich jetzt auch juristisch gegen die rufschädigenden Posts und Bewertungen zur Wehr setzen.

Jeder geneigte Leser kann sich an der Diskussion auf Facebook beteiligen und auch seine Bewertung der Methoden dieses Gastwirts vornehmen. PI-NEWS bleibt an den weiteren Entwicklungen in Lenggries dran.

(Kamera: Armon Malchiel; Fotos: Michael Stürzenberger)

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...