Nach Auflagen-Absturz: „taz“ will gedruckte Ausgabe vom Markt nehmen

Zum Totlachen: die taz Collage: Jouwatch

Die „taz“ will vom Zeitungskiosk verschwinden und nur noch online erscheinen. „Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter“, hat Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch jetzt an die Mitglieder der „taz“-Genossenschaft geschrieben.

Wenn der Markt das linksalternative Blatt nicht schon vorher in die Knie zwingt, soll es offenbar in vier Jahren so weit sein. Denn Ruch ruft die Genossen unter dem Titel „Szenario 2022“ zu Ideen für den Übergang zur digitalen Erscheinungsweise auf. Er wolle keine Zeit verlieren, „um in Ruhe die notwendigen Veränderungen in allen Dimensionen erkunden zu können“.

Pikant: Nicht nur auf Papier, sondern auch online ist die Zeitung alles andere als erfolgreich. Die an Kiosken und im Abo verkaufte Auflage sank laut IVW im zweiten Quartal 2018 auf 42.802 Exemplare. Der Absturz geht an die finanzielle Substanz der ohnehin wirtschaftlich nie richtig gesunden Zeitung.

Aber auch online ist die „taz“ alles andere als populär. Beim Analyse-Tool des Alexa-Ranking für alle deutschen Webseiten in Deutschland liegt sie auf Platz 500. Zum Vergleich: Jouwatch belegt Platz 262 und ist damit fast doppelt so beliebt bei deutschen Lesern.

Laut Branchendienst turi2 will „taz“-Mitgründer Ruch nach 40 Jahren am Ruder „eine Transformation in Gang setzen“. Bereits vor Jahren habe er „das Ende der Tageszeitung“ prognostiziert. „Ohne Trauer analysiert er, dass die gedruckte Nachricht nun ausstirbt: ‚Die Zeitungen werden am frühen Morgen an die Kioske ausgeliefert, um am Abend zu 90% wieder als Altpapier dort eingesammelt zu werden.‘“ Ruch wolle Verlag und Leser jetzt darauf vorbereiten, dass Druck und Vertrieb einer Papier-„taz“ bald nicht mehr möglich sein könnten.  (WS)

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