Gewalttätiger Asylbewerber aus Fröndenberg belagert Autohaus Procar in Unna – Filialleiter: „Unfassbar, was hier los ist“

Foto: Rundblick Unna

Sein blindwütiges Demolieren eines Dienst-Volvos der Stadt Fröndenberg war am 31. Juli erst der Anfang. Jetzt versetzt ein Asylbewerber die Mitarbeiter von BMW Procar Unna in Angst und Schrecken. Filialleiter Markus Grüner sagte am heutigen Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion: „Es ist nicht nachvollziehbar, was hier möglich ist.“

Von Rundblick Unna

Seit Mittwoch voriger Woche wird das BMW-Autohaus an der Hansastraße von dem hochaggressiven Asylbewerber regelrecht belagert. Der bisherige Höhepunkt, besser Tiefpunkt war erreicht, als sich der junge Afrikaner am vergangenen Freitag – vor einer Woche – mit einem eisernen Sperrpfosten auf vier Mitarbeiter stürzte und den Poller anschließend wie einen Rammbock gegen die Scheibe des Büros schmetterte, in das sich die Vier geflüchtet hatten.

Das Sicherheitsglas hielt der rasenden Attacke stand. „Sonst hätte das tödlich enden können.“ Sagt Markus Grüner, scheinbar kühl und nüchtern, doch das Fass ist für den Filialleiter mit diesem Angriff auf Leib und Leben seiner Mitarbeiter übergelaufen. „Es ist für mich völlig unbegreiflich, dass so ein Mann frei herumlaufen kann.“

Die Zuspitzung des Szenarios schilderte uns der Leiter des alt eingesessenen BMW-Hauses am heutigen Freitagnachmittag mit bemerkenswerter Offenheit.

Das Fröndenberger Rathaus an der Bahnhofstraße. (Archivbild RBU)

So fing es fing damit an, dass der polizeibekannte 23-Jährige am Dienstagabend vergangener Woche (31. Juli) in Fröndenberg einen städtischen Dienstwagen demolierte, mit Tritten und einem großen Stein. Rundblick berichtete.

Der Aggressor wurde mitgenommen – vorläufig -, war unverzüglich wieder auf freiem Fuß.

Von der Attacke am Rathaus Fröndenberg kursiert ein Video im Netz. Es zeigt den kräftigen, grimmig dreinschauenden Mann, wie er dicke Steine schleppt wie ein Päckchen Butter. Dieses Video kennt auch der Procar-Filialleiter.

Freilich wissen Markus Grüner und seine Mitarbeiter noch nicht, welche hemmungslose Gewaltbereitschaft sie da vor sich haben, als am Mittwoch voriger Woche (1. August) – wenige Stunden, bevor sich syrische und afghanische Zuwanderer auf dem Rathausplatz eine erbitterte Prügelei liefern werden – ein junger Mann im Autohaus erscheint. Er möchte, ganz normal, ein Auto kaufen. „Er war an einem BMW jenseits der 50.000 Euro interessiert“, schildert Grüner.

Nach seinem Personalausweis gefragt, kann der Kunde allerdings nur einen Duldungsbescheid bis Mitte August vorweisen. Einen Ausweis besitzt er nicht. Also kann ihm das Autohaus kein Auto verkaufen.

Der junge Afrikaner ist in Fröndenberg als Asylbewerber gemeldet, er lebt dort in einer Gemeinschaftsunterkunft. Vom Flüchtlingspatenkreis hat er ein Kärtchen mit der Telefonnummer dabei. Der Procar-Mitarbeiter ruft in Fröndenberg an. Und erfährt, dass der junge Mann zu Gewalttätigkeit neigt: Aufpassen, rät man ihm, ruhig und freundlich bleiben. Besonnen reagiert der Mitarbeiter, alles verläuft heute entspannt, der junge Mann verlässt das Autohaus.

Am Tag darauf, Donnerstag, kreuzt er wieder bei Procar auf. Wieder möchte er ein Fahrzeug kaufen, wieder geht das nicht, aus den bekannten Gründen. Diesmal holt ihn der Flüchtlingspateschaftskreis aus Unna ab.

Freitag. Gegen 10 Uhr steht der junge Afrikaner erneut im BMW-Autohaus an der Hansastraße und will partout wieder diesen teuren 50.000-Euro-BMW kaufen. Bezahlen will er ihn mit Spielgeld, berichtet Markus Grüner.

Als man ihm höflich erklärt, dass das nicht gehe, wird er renitent. Zunächst beleidigt er den Mitarbeiter, attackiert ihn mit wüsten Schimpfworten. Er wird aufgefordert, das Autohaus nun zu verlassen. Das tut er – begibt sich zielgerichtet zu den Gebrauchtwagen und tritt mit voller Wut gegen eine Stoßstange, nicht nur einmal. Schadenshöhe: 2000 bis 3000 Euro.

Die Polizei kommt, nimmt den aggressiven jungen Herrn erst mal mit. Er bekommt eine Anzeige und Hausverbot. Bis 20 Uhr soll er in der Zelle sitzen, so ist die Auskunft, die Markus Grüner von den Beamten bekommt.

Er fährt zu seiner Filiale in Menden. Um 18.30 Uhr bekommt er einen Anruf aus Unna: „Er ist wieder da.“

Wieder kommt die Polizei, erteilt dem Afrikaner einen Platzverweis, notiert Hausfriedensbruch. Der 23-Jährige wartet an einem Baum nahe des Autohauses, bis die Beamten wieder weggefahren sind.

Und dann, schildert Markus Grüner, wird es richtig übel. „Nach 20 Minuten beschloss er offenbar: Jetzt geht´s los.“

Foto: Rundblick Unna

Der Mann reißt einen schweren Sperrpfosten aus Metall heraus, die auf dem Ceresit-Grundstück gegenüber von Procar stehen, und stürmt dergestalt bewaffnet auf vier Mitarbeiter los, die gerade das Gebäude verlassen.

Die Mitarbeiter sehen die herannahende Gefahr, flüchten vor dem rasenden Angreifer durch den Seiteneingang, einer hält die Tür zu. Mehrmals schmettert der Asylbewerber mit brutaler Wucht den Pfosten wie einen Rammbock vor die Scheibe. Die hält der Attacke dank Sicherheitsglas stand. Für Markus Grüner besteht kein Zweifel daran, was hätte passieren können, falls die Scheibe zerbrochen wäre: „Er hätte sie töten können.“

Die Polizei kommt und nimmt den schon sattsam bekannten Kunden wieder mit.  „Mir war klar: Samstagmorgen um 8 Uhr ist er wieder raus“, sagt der Autohauschef völlig ohne Illusionen.

Er organisiert einen Wachdienst, für die nächsten Tage, sicherheitshalber. Tatsächlich steht „er“, der unbedingt diesen teuren BMW kaufen will, auch am Samstag wieder pünktlich bei Procar vor der Tür.

Diesmal nimmt ihn die Polizei nicht nur vorläufig mit. Der 23-Jährige, der  offenbar doch eine gewisse Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt, wird in die LWL-Klinik Dortmund-Aplerbeck eingewiesen.

Für längerfristige Zwangsunterbringung liegen die gesetzlichen Hürden jedoch hoch; siehe dazu auch unsere Berichterstattung über den psychisch auffälligen Gewalttäter, der im vergangenen Jahr monatelang in Königsborn für Angst und Schrecken sorgte. Dass der Wohnungslose in Unnas größtem Stadtteil wahllos Passanten attackierte, genügte nicht, um ihn längerfristig aus dem Verkehr zu ziehen. Er „musste“ tatsächlich erst im Juli mit einem Messer bewaffnet die Bäckerei an der Wilhelminenstraße überfallen, bevor ihm der Prozess gemacht und er dauerhaft eingewiesen wurde.

Damals schilderte uns Polizeisprecher Thomas Röwekamp die unzureichende Handhabe, die die Polizei in derartigen Fällen hat: Sie muss buchstäblich so lange warten, bis eine so schwere Straftat verübt wird, dass der Richter Haftgründe sieht.

Dieser Asylbewerber aus Afrika nun hält sich auch nur wenige Tage in der LWL-Klinik auf. Am Mittwoch, also vorgestern, bekommt Markus Grüner die Information: Er ist wieder entlassen. Das erfährt er nicht aus der Klinik, sondern aus anderen Quellen.

Er und seine Mitarbeiter sind „aufs Schlimmste vorbeitet“. Der Wachdienst ist instruiert.

Mittwoch kommt der bedrohliche Besucher nicht. Er kommt auch am Donnerstag nicht. Aber am Freitagmorgen, heute, war er wieder da, sagt Markus Grüner, „wollte wieder ein Auto kaufen.“ Wieder fährt die Polizei zur Hansastraße. Grüners letzte Information an diesem Freitag war: Ab 19 Uhr heute Abend wird der Afrikaner vermutlich wieder auf freiem Fuß sein.

Dass sich der Autohauschef  entschlossen hat, diese unhaltbare Situation nunmehr öffentlich zu machen, liegt, so sagt er,  schlicht daran, dass das Maß für ihn übervoll ist. „Ein Mensch, der mit einem schweren Poller auf die Mitarbeiter losgeht, sie körperlich bedroht, dass so jemand weiter frei herumlaufen kann – das ist für mich unbegreiflich.“

Grafik: Patenschaftskreis Fröndenberg

Ohne Papiere kann der Asylbewerber, dessen Identität ungeklärt ist, nicht abgeschoben werden. Aus dem Flüchtlingspatenkreis Fröndenberg ist über diesen Zustand ebenfalls Fassungslosigkeit zu hören. Dieser eine unberechenbare Gewalttäter, der seit Sommer 2015 in Fröndenberg lebt, mache den Ruf aller übrigen Flüchtlingen kaputt, die friedlich in Fröndenberg leben, die Sprache lernen und sich, von Paten betreut, ums Ankommen bemühen. 

Keinerlei gesetzliche Handhabe, den Gewalttäter loszuwerden, ungeachtet der vielzähligen Anzeigen, die mittlerweile gegen ihn vorliegen. Unter anderem die wegen des tätlichen Angriffs auf die vier Procar-Mitarbeiter, der in den Augen des Filialleiters versuchter Mord war.

Die Stadt Unna und Fröndenbergs Bürgermeister seien über die Situation im Bilde, sagt Grüner, doch seien ihnen ähnlich die Hände gebunden wie der Polizei. Und daher holte er sich von der Firmenleitung am heutigen Freitag das Okay, mit namentlicher Nennung des Autohauses an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es muss deutlich werden, was hier los ist.“

  • Die Pressestelle der Kreispolizeibehörde werden wir am Montag um eine Einschätzung der Situation bitten, ebenso die Ausländerbehörde des Kreises und die Stadtverwaltungen Unna und Fröndenberg.

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