Die Hitze macht dem SPIEGEL zu schaffen

Nils Kröger

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Und wenn der "Spiegel" kommt, dann laufen wir! (Foto: Collage)

An besonders heißen Tagen sollte jede Anstrengung vermieden werden. Beim SPIEGEL hingegen, scheint dieser medizinische Ratschlag noch nicht angekommen zu sein. Denn viele Kolumnen sind mit gesundem Menschenverstand nicht erklärbar. Nachdem eine „Nachwuchskraft“ bereits seine Sicht der Dinge verbreitete, möchte auch ein „Rationalist“ die heile links-grüne Welt verteidigen.

Von Nils Kröger

Der Mann beginnt, seinem Beruf folgend, mit psychologischen Geschwafel bzw. einer Fragestellung und macht aus seiner Antipathie gegen die AfD keinen Hehl. Er berichtet über ein Konzept, dass gewisse Themen gewissen Parteien zugeordnet werden (z.B. Migration = AfD).

 (…) Parteien profitieren davon, wenn „ihre“ Themen häufig auf der Agenda stehen, also in der medialen und heute natürlich auch der sozial-medialen Debatte häufig vorkommen. Für Radikale und Extremisten, die früher schwerer Gehör fanden, sind die sozialen Medien deshalb ein Gewinn. Hier können Zwerge unbedarfte Beobachter davon überzeugen, sie seien Riesen. (…)

 Bereits hier schwingt unterschwellig das Misstrauen gegenüber diesen Kommunikationsformen mit. Denn diese beschneiden vor allem eines, die Deutungshoheit der „Alteingesessenen“. Mittlerweile kann also ziemlich jede Behauptung (fast) ohne Probleme geprüft werden (schwere Zeiten für SPIEGEL & Co.). Deshalb belegen eben diese „Qualitätsmedien“ die Gegenöffentlichkeit mit Attributen wie Radikale, Extremisten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinde und was weiß der Teufel noch. Seltsamerweise haben eben diese „Zwerge“ mit ihren Warnungen Recht behalten. Das dürfte auch den „unbedarften“ (Dieses Wort ist im Grunde eine Unverschämtheit.) Beobachtern aufgefallen sein. Nun erfolgt wieder eine Menge Palaver über eine ausländische Studie (Themen von gewissen Parteien in den Medien und ihre Auswirkungen).

 (…) Das ist der strategische Hintergrund der ständigen rechtsradikalen Provokationen der AfD: Wer Tabus bricht, über den wird berichtet. Das Strategiepapier, in dem man diesen konkreten Plan schon Anfang 2017 nachlesen konnte, stammt übrigens von einem Mann, der gerade erst juristisch zur Richtigstellung einer absurden Wahlkampflüge verdonnert worden ist.

 So sieht anscheinend die Welt in Hamburg aus. Die AfD ist im Bundestag die einzige Partei, die wirkliche Oppositionsarbeit betreibt und nicht huldvoll der Kanzlerin applaudiert. Das Ansprechen von gesellschaftlichen Verwerfungen sind in den Augen des Autors also Tabus und rechtsradikale Provokationen (natürlich ohne Beispiele oder Verlinkungen)? War es eigentlich auch eine Provokation, dass die AfD als einzige Partei gegen die Diätenerhöhung stimmte? Beim besagten Strategiepapier setzt der Autor eine Verlinkung auf einen Artikel vom ARD-Faktenfinder Patrick Gensing (1a Recherchearbeit). Apropos „absurde Wahlkampflüge“; da hat der Autor nicht ganz unrecht. Behauptungen müssen belegt sein. Das Bundesumweltministerium unterstützte finanziell ein Projekt der Hillary-Clinton-Stiftung in Afrika und nicht deren Wahlkampf. Vielmehr hätte die Frage aufgeworfen werden müssen, wieso das Bundesumweltministerium mit deutschem Steuergeld über den Umweg einer Stiftung dessen Projekt in Afrika unterstützt? Wäre dafür nicht eigentlich das Bundesentwicklungsministerium zuständig bzw. das Geld in Deutschland nicht besser angelegt? Aber vermutlich sehe ich nicht das große Ganze. Jetzt kommt der Autor aber endlich aus der Kurve und stellt die alles entscheidende Frage.

 Sind also allein „die Medien“ schuld an der AfD? Sie tragen zweifellos dazu bei, mit Talkshoweinladungen (???), exzessiver (!!!) Berichterstattung über einzelne Straftaten und so weiter. Aber selbstverständlich spielen zum Beispiel auch äußere Ereignisse eine Rolle. Den Krieg in Syrien und die dadurch entstandene Fluchtbewegung hätten deutsche Medienhäuser schwerlich ignorieren können. Rassismus ist in Deutschland nichts Neues, siehe #MeTwo. Ereignisse wie die Silvesternacht von Köln wurden von rechten Propagandisten konzertiert ausgeschlachtet, insbesondere über die sozialen Medien. Und häufig machen auch gar nicht „die Medien“ Themen groß – sondern Politiker anderer Parteien. (…)

 Es muss wirklich sehr stickig in den Büroräumen sein. Denn an der frischen Luft kommt keiner auf so etwas. Die AfD schaffte es sage und schreibe EINMAL im ersten Halbjahr 2018 in so ein Format; als größte Oppositionspartei wohlgemerkt (denn zu gewissen Themen hat sie ja nichts Wesentliches beizutragen). Als Krönung verhängte Frank Plasberg auch noch die „Reichsacht“ über Alexander Gauland. Vermutlich lebe ich ja in einer Parallelwelt und erlebe die täglichen Berichte über Gewalttaten anders. Aber eine „exzessive“ Berichterstattung über „einzelne Straftaten“ (Durch wen denn?) findet im Grunde nur in den alternativen Medien statt. In den Qualitätsmedien lese ich, wenn überhaupt, immer nur von „Mann“ oder „Männern“, „Familienstreitigkeiten“, „Jugendliche“ die ihren Unmut auf „originelle Weise“ kundtun. Jetzt kommt der Autor mit dem besten Beispiel. Äußere Ereignisse wie Syrien hätten deutsche Medienhäuser schwerlich ignorieren können (wahrheitsgemäße Berichterstattung hätte schon gereicht) aber innere Ereignisse wie die besagte Silvesternacht können ein paar Tage warten? Das über die sozialen Medien dieser Alptraum erst richtig öffentlich wurde, gilt also als „Ausschlachtung durch rechte Propagandisten“. Dann zählt ja SPIEGEL TV wohl auch dazu, oder was?

Im Anschluss echauffiert sich der Autor über Horst Seehofer und dessen „Taktieren“ oder sein „europaerschütterndes Masterplan-Tamtam“ und das davon lediglich die AfD profitiert, die „ (…) ohne irgendetwas dafür getan zu haben, als regelmäßig unangenehm aufzufallen“. Tja, diese durchsichtigen Manöver waren einfach zu plump und wer z.B. im Bundestag immer unangenehm auffällt, wenn die AfD mit Fakten aufwartet, kann jeder in den Plenarsaaldebatten mitverfolgen. Der Kommentator führt nun noch einmal ein Experiment an. Dabei bezeichneten eingeweihte Personen die blauen Dias immer grün und „ (…) in mehr als acht Prozent der Fälle nannten nun auch nicht eingeweihte Versuchspersonen die blauen Dias „grün“.

 Wenn eine Minderheit sich nur konsistent verhält, nie von ihrer den beobachtbaren Fakten widersprechenden Position abweicht, wird sie ein paar andere überzeugen, sich genauso zu verhalten. Dieses Phänomen ist seither wieder und wieder belegt worden. (…)

 Nun muss ich wirklich schmunzeln. Der Autor beschreibt haargenau das Phänomen, welches bei SPIEGEL, Grünen, SPD & Co. zu beobachten ist. Kann sich niemand ausdenken. Aber der „Rationalist“ zieht mit dieser These über Trump (der ist für den SPIEGEL fast so wichtig wie ein gewisser Herr aus Österreich) und die AfD (für den SPIEGEL die deutsche Ausgabe von Trump) her. Er beendet seinen „Weckruf“ mit folgendem Absatz.

 (…) Medien, Parteien und Öffentlichkeit täten gut daran, den brüllenden rechtsnationalen Popanz endlich als den Zwerg zu behandeln, der er in Wahrheit ist. Dann wird er wieder auf sein tatsächliches Maß schrumpfen.

 Im Grunde bedeutet das, dass alle „Etablierten“ weitermachen sollen wie bisher. Dazu bleibt nur zu sagen, die Realität kümmert sich nicht um Ideologien bzw. Wunschvorstellungen. Der Geist ist endgültig aus der Flasche.

Wandere aus, solange es noch geht!
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