Wie „Correctiv“ mit haltlosen Vorwürfen versucht, eine kritische Jouwatch-Recherche zu entkräften

Die "Jouwatch"-Geschichte vom 19. Juli ist so brisant, dass "Correctiv" sie als Desinformation einstuft. Collage: Jouwatch

Wie seriös arbeitet „Correctiv“, das im Auftrag von Facebook „Fake News“ aufdecken soll? Im Fall von Jouwatch stehen politische Animositäten offenbar über der Verpflichtung zur Wahrheit. Unseren Artikel „GEZ-Urteil: Verfassungsrichter und Urheber des Rundfunkbeitrags sind Brüder“ hat „Correctiv“ in seinem Faktencheck kritisiert – obwohl er dazu keinen Anlass bietet.

Der Vorwurf: Jouwatch habe unerwähnt gelassen, dass Ferdinand Kirchhof nicht der einzige Verfassungsrichter gewesen sei, der über den auf Bruder Paul Kirchhof zurückgehenden Rundfunkbeitrag geurteilt habe. Dabei hatte Jouwatch dies ausdrücklich geschrieben: „Ob das Gesetz darüber verfassungskonform ist, musste nun gestern der Erste Senat unter Führung von Ferdinand Kirchhof entscheiden.“

Wie „Correctiv“ bei uns anfragte

Trotz dieser eindeutigen Formulierung fragte uns „Correctiv“-Mitarbeiterin Cristina Helberg per E-Mail im Rahmen ihres Faktenchecks: „Warum erwähnen Sie in Ihrem Artikel nicht, dass das Urteil vom Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts gefällt wurde, der sich aus acht Richtern zusammensetzt?“ Zunächst dachten wir, wir hätten nicht richtig gelesen oder die „Correctiv“-Dame könne nicht richtig lesen. Also haben wir das sehr geduldig noch einmal erklärt:

„Der Autor erwähnt ausdrücklich, dass ‚der Erste Senat unter Führung von Ferdinand Kirchhof‘ das Urteil gefällt habe. Daraus ergibt sich zwingend, dass es mehr als einen Richter gegeben hat. Außerdem gehört es zur Allgemeinbildung (zumindest der Jouwatch-Leser), dass ein BVG-Senat aus mehreren Richtern besteht. Wir erwähnen auch nicht jedes Mal die exakte Zahl der Abgeordneten, wenn wir vom ‚Bundestag‘ sprechen. Auch bei der ‚Bundesregierung‘ lassen wir die Anzahl der Minister und Staatssekretäre weg. In dem Beitrag ging es um das Verwandtschaftsverhältnis des Vorsitzenden Richters mit dem Verfasser des Gutachtens. Daher werden Sie sicher verstehen, dass sich unser Autor nach der Nennung des mehrköpfigen Senats unter Führung von Ferdinand Kirchhof auf diese Person konzentriert hat.“

Eigentlich hätte der Irrtum, dem Frau Helberg aufgesessen war, damit erledigt sein können. Jeder kann sich mal irren. Ist man ideologisch verblendet, macht man dann daraus Fake News. Die Kontrolleurin hält in ihrem „Correctiv“-Beitrag an diesem Vorwurf fest: „Ferdinand Kirchhof hat nicht alleine über die Klagen gegen den Rundfunkbeitrag entschieden. Entschieden hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgericht (sic!). Und der besteht aus insgesamt acht Richtern und Richterinnen.“

Konstruierter Vorwurf

Daraus konzentriert „Correctiv“ den Vorwurf, Jouwatch lasse „relevante Informationen weg“. Das ist auch deshalb interessant, weil auch kaum ein Leitmedium die genaue Anzahl der Richter, sondern stets nur den Ersten Senat erwähnte. Jouwatch hatte die Verwandtschaft der Kirchhofs im Zusammenhang mit dem Urteil „übles Geschmäckle“ genannt. Das Handelsblatt, das unsere Geschichte vier Tage später nachdrehte, nannte es einen „fahlen Beigeschmack“. Auch dass der Erste Senat aus acht Richtern besteht, erwähnt das „Handelsblatt“ nicht. Reaktion von „Correctiv“ gegen die Wirtschaftszeitung: Null. Wenn das von George Soros mitfinanzierte und zum Kontrollorgan erhobene Portal uns eine Unterlassung vorwirft, wäre das ebenfalls eine – allerdings von „Correctiv“. Warum steht nur Jouwatch mit diesem haltlosen Vorwurf am Pranger? Und nicht das „Handelsblatt“? Offenbar möchte sich „Correctiv“ bei diesen Kollegen nicht lächerlich machen.

Wenn „Correctiv“ eine Nachricht als Fake News einstuft, reduziert Facebook die Reichweite. Es scheint das einzige Ziel zu sein, mit Jouwatch einem wichtigen Medium der Gegenöffentlichkeit zu schaden.

War Richter Kirchhof befangen?

Nächster Vorwurf gegen Jouwatch: Der Befangenheitsantrag gegen Richter Kirchhof wurde abgelehnt, und wir hätten das nicht erwähnt. Richtig ist, über diesen Antrag wurde vom selben Senat entschieden, dem Kirchhof vorsteht. Auch wenn sich Kirchhof nicht an der Abstimmung beteiligte: Hat nicht auch das ein „Geschmäckle“? Welche Richter wenden sich schon gegen ihren eigenen Vorsitzenden? Außerdem: Der Antrag wurde am 24. April behandelt, das Urteil stammt vom 18. Juli. Jouwatch hat sich auf das Urteil konzentriert, nicht auf eine Proforma-Entscheidung von vor einem Vierteljahr.

Interessant ist auch, dass in der Berichterstattung der sogenannten Leitmedien über das Urteil der Befangenheitsantrag ebenfalls keine Rolle spielte. Kritik von „Correctiv“ an dieser Unterlassung: Null. Der Reporterin hatten wir geschrieben: „Wir vermuten, dass sie das weggelassen haben, um nicht auf das diskussionswürdige Verwandtschaftsverhältnis eingehen zu müssen. Aber das können Sie im Rahmen Ihres Faktenchecks sicherlich durch gezielte Fragen an die Kollegen stichhaltiger herausfinden.“

Keine Recherche zur Unterlassung der Leitmedien

Natürlich hat Cristina Helberg hier nicht recherchiert – zumindest hat sie es in ihrem „Correctiv“-Beitrag nicht erwähnt. Hier wäre es ja auch darum gegangen, offenzulegen, warum die Mainstreammedien das Verwandtschaftsverhältnis der Kirchhof-Brüder nicht thematisieren. Ist die Ignoranz dieses Sachverhalts nicht die viel größere Unterlassung? Wäre es nicht die fundamentale Aufgabe der Presse als „Vierte Gewalt“ solche Verbindungen offenzulegen? Warum hat das keiner getan? Und warum greift „Correctiv“ jene Journalisten an, die ihre Kontrollfunktion noch wahrnehmen?

„Correctiv“ als moralischer Pressesprecher des BVG

Jouwatch hatte auch ähnliche Formulierungen im Gutachten von Paul Kirchhof und im Urteil von Ferdinand Kirchhof aufgegriffen. Auch das möchte „Correctiv“ bagatellisieren. Und was machen die selbsternannten Kontrolleure? Sie fragen nicht etwa einen unabhängigen Experten, wie sich so etwas erklären könnte. Nein, sie fragen das Bundesverfassungsgericht. Antwort: „Das Bundesverfassungsgericht verwendet für seine Urteile keine fremden Vorlagen; schon gar nicht schreibt es seine Urteile aus Gutachten ab.” Und dann ergänzt „Correctiv“ in indirekter Rede: „Einzelne Begriffe seien Teil des ‚Fachvokabulars‘ und würden „naturgemäß in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt”. Das reicht „Correctiv“ tatsächlich aus, um die Jouwatch-Recherche zu widerlegen. Wenn es noch einen Zweifel gegeben hätte, dass sich „Correctiv“ als moralischer Pressesprecher des Bundesverfassungsgerichts versteht, wäre er hiermit zerstreut.

„Correctiv“ hat es sich als Teil des „Facebook-Zensur-Betriebes“ offenbar zur Aufgabe gemacht, die Eliten vor unangenehmer Berichterstattung zu schützen. Es ist im Fall Jouwatch ein Korrektiv gegen vom Mainstream abweichende Veröffentlichungen.

Jouwatch muss doch etwas korrigieren

Die Wahrheit ist: Viele freie Medien sind heute ein Korrektiv gegen die Nachrichtenunterdrückung der Etablierten. „Correctiv“ ist ein Instrument, dies zu verhindern. Politisch korrekt heißt das in der Selbstdarstellung von „Corretiv“ so: „Das Team sucht auch in anderen sozialen Netzwerken nach Fake News und berichtet auch über die Hintergründe der Verbreitung von Desinformationen.“

Unsere E-Mail an Cristina Helberg hatten wir mit folgenden Worten geschlossen: „Falls es für Ihre Berichterstattung relevant sein sollte, teilen wir ihn gern mit, dass der Text inzwischen knapp 550.000 Mal gelesen wurde. Er hat es auf Platz 1 bei ‚10.000 Flies‘ geschafft. Wir sind sicher, dass Sie sich mit uns über diesen bescheidenen Erfolg freuen. Für Ihre wichtige Arbeit wünschen wir Ihnen weiterhin alles Gute.“

Den letzten Satz ziehen wir hiermit zurück. (WS)

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