Blutrichter Robespierre: Der erste „Grüne“ erfand den Tugendterror

Hans S. Mundi

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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit…? Für Europa und den noch weiter gefassten geopolitischen Westen war die französische Revolution ein Fanal. Will man die Etappen der Menschheitsgeschichte im Rahmen der Evolutionstheorie erklären, dann wurde in dieser Epoche von 1789 bis 1799 der Aufstieg der Völker auf eine höhere Ebene geprobt – und in Teilen auch als Muster für weitere Aufstände vollzogen. Derart revolutionäre Prozesse aber kippen oft auch um, im Namen angeblich höchster humaner oder allgemein fortschrittlicher Ziele färben sich plötzlich Straßen und Gefängnisse blutrot, wird geköpft, gemeuchelt und gemordet. Zentrales Argument bei unterschiedlichsten politischen oder religiösen Vorzeichen ist die GLEICHHEIT. Weder Gleichheit noch Massenmord im Namen derselben will man gerne hinterfragen, da lohnt der Blick in die üblichen Lexika oder Schulbücher, das Blut wird von den Chronisten lieber entfernt, damit die Seiten weiß bleiben.

Von Hans S. Mundi

Die Abschaffung des feudal-absolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution – das betrifft insbesondere die Menschenrechte – waren mitursächlich für tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in ganz Europa und haben das moderne Demokratieverständnis entscheidend beeinflusst. Als zweite unter den Atlantischen Revolutionen erhielt sie ihrerseits orientierende Impulse aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskampf. Die heutige Französische Republik als liberal-demokratischer Verfassungsstaat westlicher Prägung stützt ihr Selbstverständnis unmittelbar auf die Errungenschaften der Französischen Revolution.“

Die Abschaffung des grauenvoll unmenschlichen Feudalismus durch eine kleine Kaste absolutistisch agierender Despoten war im Sinne einer positiv vermuteten Evolutionstheorie eine durchaus wichtige Etappe. Doch bei allen revolutionären Umstürzen gilt die alte Volksweisheit: Man soll das Kind nie mit dem Bade ausschütten! Und: Glaube keinen Propheten der Revolution, die Versprecher radikaler Gleichheit sind stets eigennützigste „Gleichste unter Gleichen“, also Nutznießer beim Zertrümmern alter Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Nimmt man den ruhmlosen und teils barbarischen „Realsozialismus“ sowohl der sowjetischen als auch der maoistisch-asiatischen Prägung als Wurmfortsatz der französischen Revolutionsfehler, dann wird klar, wohin einen die GLEICHHEIT auf den Kriegsflaggen am Ende meistens führt.

Die revolutionäre Umgestaltung und die Entwicklung der französischen Gesellschaft zur Nation war ein Prozess, bei dem drei Phasen unterscheidbar sind:

  • Die erste Phase (1789–1791) stand im Zeichen des Kampfes für bürgerliche Freiheitsrechte und für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie.
  • Die zweite Phase (1792–1794) führte angesichts der inneren wie äußeren gegenrevolutionären Bedrohung zur Errichtung einer Republik mit radikaldemokratischen Zügen und zur Ausbildung einer Revolutionsregierung, die mit Mitteln des Terrors und der Guillotine alle „Feinde der Revolution“ verfolgte.
  • In der dritten Phase, der Direktorialzeit von 1795 bis 1799, behauptete eine von besitzbürgerlichen Interessen bestimmte politische Führung die Macht nur mühsam gegen Volksinitiativen für soziale Gleichheit einerseits und gegen monarchistische Restaurationsbestrebungen andererseits. – Ausschlaggebender Ordnungs- und Machtfaktor wurde in dieser Lage zunehmend das in den Revolutionskriegen entstandene Bürgerheer, dem Napoleon Bonaparte seinen Aufstieg und den Rückhalt bei der Verwirklichung seiner sich über Frankreich hinaus erstreckenden politischen Ambitionen verdankte.“

Ein klein wenig Geschichtsunterricht und Erinnerung an diese Zeit ist unabdingbar, um für jeden Leser deutlich klarzustellen, was uns derzeit gerade mal wieder droht: Die offen ausbrechende Barbarei im Namen des Guten und Humanen und – Achtung! – im Namen der GLEICHHEIT! Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass aus dem berechtigten Ausbruch der Massen aus den feudalen Gefängnissen der Mächtigen aus Klerus und Adel in kürzester Zeit eine blutrote, scharfrichterliche Barbarei französischer „Gutmenschen“ wurde – und am Ende stand der Imperator Napoleon und überzog Europa mit Krieg. Alles irgendwie im Namen des nicht nur Guten, alles stets auf der Suche nach dem Besseren, also höchster Tugend, alles nahe am Fanatismus. Richtig gelesen, lieber Leser! Das weiss kaum jemand, dass das Umkippen eines berechtigten Sich-auflehnens des Volkes gegen die Feudalherrschaft im weiteren Verlauf der erste große „Feldversuch“ im Namen eines Hypermoralismus mitsamt politisch korrektem Wächterrat war.

In seiner gesamten politischen Tätigkeit bemühte sich Robespierre, die aufklärerischen Ideale Rousseaus zu verwirklichen, so wie er sie verstand. Gemäß Jean-Jacques Rousseau erzeugen alle Mitglieder einer Gemeinschaft in freiwilliger Übereinkunft einen Gemeinwillen, die volonté générale. Der Gemeinwille orientiert sich am Gemeinwohl und hat dabei immer Recht. Er gilt absolut, auch wenn Einzelne ihn ablehnen. Er ist nicht einfach der Wille der Mehrheit, sondern derjenigen, die tugendhaft und im Besitz der Wahrheit sind. Jeder, der den Gemeinwillen angreift, stellt sich außerhalb der aufgeklärten Gemeinschaft. Für Robespierre bedeutete dies, dass die Gegner der Republik nur die Wahl zwischen einer Änderung ihrer Überzeugungen und dem Tod haben durften. Je grausamer die Regierung gegenüber den Verrätern auftrete, desto wohltätiger sei sie gegenüber den braven Bürgern, ließ Robespierre 1793 verlauten. Die Terrorherrschaft war demzufolge ein notwendiges Übel, um das Volk für den von Rousseau empfohlenen Gesellschaftsvertrag bereit zu machen. Ohne Tugend, meinte Robespierre, sei Terror verhängnisvoll, ohne Terror die Tugend machtlos.“ 

Man reibt sich dreimal die Augen, seltsam aktuell kommt der „Blutrichter“ Robespierre daher, definitiv erleben wir in dieser fernen Zeit einen wesentlichen und historischen Urheber des geistig-moralischen Terrorismus. Archipel Gulag und Massenerschießungen in der Sowjetunion, die Massenmorde im Namen der gleichmacherischen chinesischen „Kulturrevolution“ sowie Stasi und Bautzen, selbst beim Adolf Hitler sind diese elementaren Rechtfertigungen für Mord, Folter und Unterdrückung zu hören und zu lesen gewesen. GLEICHHEIT der Arbeiter und Bauern, GLEICHHEIT aller reinrassigen Deutschen, GLEICHHEIT aller antiimperialistischen, revolutionären Kräfte. Dieses Wort bedeutet das große Missverständnis in den politischen Kämpfen und bei allen Versuchen der Menschheit, auf nächsthöhere, gerechtere, bessere Stufen des Lebens zu gelangen. Angebliche (anzustrebende) GLEICHHEIT ist die Basis von Tugend und Terror – zwecks radikaler Machtausübung durch erneut UNGLEICHE.

„‘Terror ist nichts anderes als sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; folglich ist er ein Ausfluß der Tugend.‘ – 5. Februar 1794 vor dem Konvent – (Original franz.: ‚La terreur n’est autre chose que la justice prompte, sévère, inflexible; elle est donc une émanation de la vertu.‘) ‚Tugend, ohne sie ist der Terror verderblich; Terror, ohne ihn ist die Tugend machtlos.‘ – 5. Februar 1794 vor dem Konvent“

Die Menschheit läuft wie eine Horde Hamster im Rad, dreht sich, aber kommt moralisch-evolutionär nicht voran. Würde man grundsätzlich einer einfachen soziobiologischen Erkenntnis folgen, gelänge vielleicht endlich der Ausbruch aus den ewigen Hinwendungen zu staatlicher Übermacht, politischer Polizei im Dienste der Wortführer der totalen GLEICHHEIT sowie dem Umkippen in Diktat, Vormundschaft und unsere heutige medial gehypte Belehrungs-Demokratie. Wenn die Mächtigen erziehen wollen und Untertanen zu ihren „Schülern“ erklären, denen sie streng den Weg weisen wollen, dann lohnt der Sturz dieser bigotten Autoritäten, egal ob sie nun Grün, SED-light, Rosarot oder Merkelblümerant daherkommen.

„Glaubt man Dieter E. Zimmer, in den siebziger Jahren Feuilletonchef der  ZEIT, kamen die Warnungen schon vor 25 Jahren zu spät. Die Ausbreitung des Korrektheitsdenkens habe begonnen, lange bevor man das Wort Political Correctness zum ersten Mal gehört habe. Bei jedem Thema, sei es im Umgang mit dem Nationalsozialismus, bei der Frage, was männlich und was weiblich ist, oder in der Diskussion über die Ursachen für das Elend der ‚Dritten Welt‘, herrsche tugendterroristischer Anpassungsdruck, der jeden originellen Gedanken im Keim ersticke. Deutschland, lautet Zimmers Fazit, stehe unter der Knute selbst ernannter Tugendwächter. Die Hexenjagd sei längst eröffnet. Es habe bisher nur niemand auszusprechen gewagt.

Importiert wurde aus den USA also nicht die Idee der Korrektheit selbst, sondern ein Begriff, um sie zu kritisieren. Und dieser Kritikbegriff machte dann auch eine steile Karriere. Laut Pressedatenbank taucht er 1993 in den überregionalen Tageszeitungen und Wochen-Publikationen insgesamt 207-mal auf, 1994 sind es 410 Fundstellen, 1997 bereits 530, Tendenz steigend. Und fast durchgehend ist das Wortpaar negativ besetzt. Verwunderlich ist das kaum. Political Correctness – das klingt im mildesten Fall nach Spießertum, im weniger milden nach feiger Anpassung und im schlimmsten nach Tyrannei.“

Wieder darf man sich die Augen reiben, wenn ausgerechnet in einem Zentralorgan des gegenwärtigen PC-Tugendterrors, der ökolinksmerkelhörigen ZEIT, derartige Selbstreflektion über die akute Bedrohung unserer Freiheit durch politisch korrekte Wortklaubereien betrieben wird. Warum? Man hört dort durchaus die inneren Stimmen, alle „Gutmenschen“ wissen um den bösartigen Anteil ihrer überhöhten Pseudomoral, aber man lässt das lieber falsch weiter laufen – ist es doch noch heute, auch (noch) ohne Guillotine, ein probates Mittel, um politisch Andersdenkende zu marginalisieren, deren Existenzen zu zerstören, um Gewalt gegen den politischen Gegner zu legitimieren und um im besten GLEICHHEITS-Lichte darzustehen, während man barbarische ANTIDEMOKRATIE anschwellend betreibt. Der ökolinke Mainstream-Faschismus ist Realität. Man will es so. Denn es funktioniert. Die Grünen sind Robespierre, sie vor allem, mit ihrem Schaum vorm Maul im Deutschen Bundestag, in welchem sie die AfD als neue politische Kraft nicht ertragen können. Wie aber auch die anderen, bis hoch zur Kanzlerin. Sind wir nicht alle ein bisschen Robespierre….?

Die einfache Lösung lautet übrigens: Alle Menschen sind ungleich. Alle. SO, wie jeder Baum in der Natur, und jedes Blatt, einmalig sind, so ist jeder Mensch einmalig. Gleiche Chancen soweit diese möglich sind? Na klar! Gleiche Rechte für Frauen und Männer? Sowieso. Aber eine ideologisch definierte GLEICHHEIT niemals! Genau darum geht es beim Kampf um die nächste Hürde der Menschheit auf der Evolutionsleiter – dem Überwinden des GLEICHHEITSWAHNS und des ALLMACHTSTAATES, also die radikale Beschneidung politischer Macht zugunsten individueller Freiheit, individueller Entwicklung, freiem Leben ohne ideologischen Überbau in freiheitlicher ökonomischer Existenz, welche lediglich keinen Raum für Ausbeutung haben darf. Leider aber leben wir im 21. Jahrhundert, in wirrer und gefährlicher Zeit. Höhere Ebenen der zivilen und humanen Weiterentwicklung der Menschheit werden wohl nicht so schnell auf die Tagesordnung kommen. Also: Glaube, Liebe, Hoffnung.

 

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