Die Rechtspopulisten wieder: AfD-Wähler haben Probleme mit küssenden Männern

Sozilalistischer Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, Gemälde von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel, East Side Gallery (1991)- By Nelarsen, CC BY 3.0, Link
Sozilalistischer Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, Gemälde von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel, East Side Gallery (1991)- By Nelarsen, CC BY 3.0, Link

„Schwule Küsse sind unter den Deutschen noch immer viel weniger akzeptiert als lesbische Küsse. Besonders AfD-Fans möchten nicht, dass Schwule öffentlich knutschen.“, schreibt „queer„, das Fachblatt für Anzüglichkeiten der ausführlichen Art. Eine „linke“ Rechtfertigung der rechtspopulistischen Haltung.

Von Max Erdinger

Darum geht es: „Viele Deutsche finden es nach wie vor störend, wenn sich ein homosexuelles Paar in der Öffentlichkeit küsst. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Civey. Empörung lösen dabei besonders küssende Männer aus: Während nur 24 Prozent der Bundesbürger zugeben, mit Frauenküssen Probleme zu haben, sind es bei Männerküssen 43 Prozent.

Eine besonders große Abneigung gegen Männerküsse gibt es bei Fans der rechtspopulistischen AfD: In dieser Gruppe geben 61 Prozent an, dass sie sich von Männerküssen gestört fühlen. An zweiter Stelle folgen Unionsanhänger (48 Prozent), dicht gefolgt von Wählern der FDP (46 Prozent). Weniger Probleme mit Männerküssen haben Bürger, die die SPD wählen (31 Prozent), sowie Anhänger von Linken (26 Prozent) und Grünen (18 Prozent).

Diese Meldung eignet sich gut für eine Fingerübung in „linker Sprache“. Viele Menschen in der bunten Vielfaltsgesellschaft leiden an ihrer fehlenden Teilhabe an der sozialen Knutschgerechtigkeit. Der öffentliche Raum ist aber für alle Menschen da, auch für die lieblich Diskriminierten. Bilder von Menschen, die in der Öffentlichkeit miteinander knutschen, wirken traumatisierend auf sie. Dabei spielt es keine Rolle, welchen sozial konstruierten Geschlechts die rücksichtslos vor sich hinknutschenden Menschen sind. Die unberührten Menschen fühlen sich in ihrer Einsamkeit menschlich verhöhnt und erleben den öffentlichen Raum als einen Ort der inneren Unsicherheit. Sie fühlen sich fremd und erleben das öffentliche Geknutsche als einen Akt von Fremdenfeindlichkeit. Der Fremdenfeindlichkeit gilt aber der Kampf der anständigen Menschen. Daß das Private politisch geworden ist – und die Fußgängerzone ein Schlafzimmer – ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, bei der die unberührten Menschen nicht mitgenommen worden sind.

Auch gilt es, menschliche Rücksicht gegenüber unseren moslemischen Mitmenschen zu nehmen. Sie empfinden allahhand knutschende Menschen in der Öffentlichkeit als gottlose Unanständigkeit. Gerade unsere islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger fühlen sich unwohl beim Anblick hemmungslos knutschender Menschen in der Öffentlichkeit, was kontraproduktiv im Sinne ihres Integrationswillens wirkt. Es müssen noch nicht einmal schwule Menschen sein, die sich in der Öffentlichkeit küssen, um einige islamische Menschen an desintegrative Sprengstoffe denken zu lassen, wofür sie sich natürlich selbst die Schuld geben, was wiederum eine gesellschaftliche Tragödie darstellt. Anständige Menschen kämpfen aber gegen gesellschaftliche Tragödien.

Rechtspopulisten und AfD-Wähler, die sich gegen küssende Menschen des sozialmännlich konstruierten Geschlechts in der Öffentlichkeit aussprechen, dokumentieren deshalb ihre Bereitschaft, ihren Teil zur gelingenden Integration der Muslime in Deutschland zu leisten und beweisen damit hohe interkulturelle Sensibilität. Dafür sollten wir sie keinesfalls kritisieren oder gar an den Pranger stellen. In vielen islamischen Ländern, aus denen unsere islamischen Mitmenschen geflohen sind, werden konstruierte Sozialgeschlechtsschwule noch nicht einmal pärchenweise und knutschend von hohen Gebäuden geworfen, sondern einzeln und nacheinander, so verpönt ist dort die Knutscherei in der Öffentlichkeit selbst auf Hochhausdächern. Das gilt es zu berücksichtigen, anstatt dem rücksichtslosen und egozentrischen Hedonismus knutschender Schwulgeilisten in der Öffentlichkeit Raum zu seiner desintegrativen Entfaltung zu geben.

Auch die optisch Herausgeforderten leiden schwer daran, ihr ungeküsstes Public-Appearance-Defizit immer wieder vor Augen gestellt zu bekommen, gerade dann, wenn sie es bereits erfolgreich vermieden haben, an einer Schaufensterscheibe entlang zu laufen. Wir haben Hermann gefragt. Hermann ist Rentner, 68 Jahre alt, stark adipös und hat Lungenkrebs. Daher auch sein Mundgeruch. Seit seiner Pubertät leidet er an Akne, weshalb er sich in der Öffentlichkeit noch nicht einmal mehr zu grinsen traut vor lauter Angst, daß sich eine Pore öffnen könnte und die Menschen sich angeekelt von ihm abwenden. Hermann sagt, daß er sich notfalls auch von einem Mann küssen lassen würde. Sogar öffentlich. Doch selbst sein treuer Hund wendet sich ab und kotzt auf den Boden, wenn sich Hermann zu ihm herunterbeugt. Für einen optisch Herausgeforderten wie Hermann sind küssende Schwule in der Öffentlichkeit ein Grund, nicht mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das ist schade und ein Skandal in der menschlichen Gesellschaft.

Rechtspopulisten und AfD-Wähler sind deshalb hochanständige Kämpfer für die Teilhabe der Menschen an der sozialen Knutschgerechtigkeit und sollten die gesellschaftliche Anerkennung erhalten, die wir Linken ihnen dafür schulden.

 

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