Blätterwald tobt: Salvini soll Mussolini-Zitat verwendet haben – Es stammt von Caesar

Er hat es tatsächlich gesagt: „Viel Feind, viel Ehr!“ Italiens Innenminister Matteo Salvini reagierte damit auf die Morddrohung einer Zeitung. Das Zitat stammt aus der Antike, aber auch Benito Mussolini hat es verwendet – und nun toben der deutsche und der italienische Blätterwald. Es gibt Rücktrittsforderungen.

Das italienische „Tanti nemici, tanto onore“ („Viel Feind, viel Ehr“) verwendete Julius Caesar erstmals im „De bello Gallico“ über den Gallischen Krieg. 2160 Jahre später hat es nun der Lega-Politiker getwittert. Salvini ist natürlich nicht der erste Italiener, der es seitdem benutzt hat. Sein Pech: Auch Diktator Mussolini hat es benutzt. Und darüber regen sich nun die Medien und die politische Linke auf. „Salvini schockt mit Mussolini-Zitat“, titelt n-tv. Und die Welt schlagzeilt: „Italiens Innenminister Salvini empört mit Mussolini-Anspielung“.

Salvini reagierte auf Morddrohung einer Zeitung

Dass das Zitat ursprünglich von Caesar stammt und dass Salvini mit seinem Tweet auf einen Artikel der Tageszeitung „Affaritaliani“ reagierte, die ihn im Fadenkreuz eines Gewehrs zeigte, wird elegant verschwiegen. Ein solche Fotomontage kann als Mordaufruf verstanden werden. Doch die Empörung gilt nicht der linken Zeitung, sondern dem rechten Politiker und seiner Reaktion darauf.

Der Chef der italienischen Sozialdemokraten, Matteo Orfini, forderte, Salvini solle sich entschuldigen oder den Ministerposten räumen. „Wer auf die Verfassung geschworen hat, die aus dem Kampf gegen den Faschismus geboren ist, darf sich nicht erlauben, Mussolini zu würdigen“, erklärte er.

Das Geschichtswissen der italienischen Linken und der deutschen Mainstreammedien reicht soweit zurück, dass Salivinis Tweet „ausgerechnet mit Mussolinis Geburtstag am 29. Juli zusammen“ fiel („Welt“). Dass die Drohung kurz zuvor ausgesprochen wurde und damit ein aktueller und kein historischer Anlass gegeben war, erfährt der Leser der Leitmedien ebenfalls nicht. Von Julius Caesar und dem Gallien-Krieg scheinen deutsche Journalisten dagegen noch nichts gehört haben. In seinem anschließenden Bericht darüber, schrieb er: „Tanti nemici, tanto onore“. (WS)

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