Bangladesch: Fotograf wird wegen Kuss-Foto gefeuert

Marilla Slominski

screenshot Twitter
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Es ist ein wunderschönes und noch alltägliches Bild, dass der junge Fotograf ablichtet und es geht viral. Ein junges Pärchen sitzt in Bangladesch auf den Stufen vor der Dhaka Universität und küßt sich liebevoll während eines Monsun-Regenschauers. In einer islamisch dominierten Gesellschaft ein No-Go. Die Strafe folgt auf dem Fuß.

Am vergangenen Montag postete der junge Journalist Jibon Ahmed, das Foto, das innerhalb von nur einer Stunde 5000 Mal in den sozialen Netzwerken geteilt wurde. Zuvor hatte sein Arbeitgeber sich geweigert, das Bild zu veröffentlichen – es würde „negative Reaktionen“ hervorrufen, so die Befürchtung, berichtet The Independent.

(screenshot Facebook)
Der 30-jährige Jibon Ahmed (screenshot Facebook)

Das Bild der beiden Verliebten habe ihn mit Freude erfüllt. Es sei ein Zeichen der Liebe, so der 30-Jährige über die stimmungsvolle Momentaufnahme, die sofort auf Facebook und Twitter eine heftige Kontroverse hervorrief. Die einen liebten das Bild, andere sahen darin ein politisches Statement.

Und auch die übliche muslimische Empörungswelle mit den einhergehenden Drohszenarien und körperlichen Attacken ließ nicht lange auf sich warten. „Obszönität“ warf die selbsternannte muslimische Netzwerk–Scharia-Moralpolizei ihm vor. Der Tag, an dem Paare in „aller Öffentlichkeit Liebe“ machen würden, sei nicht weit, fürchten Korangläubige.

screenshot Facebook
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Am Mittwoch wurde Jibon von seinem Arbeitgeber, dem Online News Portal ‚purbapashchimbd‘ entlassen. Die letzte Entscheidung sei noch nicht gefallen, teilte das Portal mit. Schon im Februar 2015 war Jibon freigestellt worden. Damals war der Autor und Blogger Abhijit Roy auf offener Straße vor den Augen seiner Frau in Dhaka von einem Korangläubigen mit einer Machete zu Tode gehackt worden. Seiner Frau wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Ihr wurden u.a. die Finger der linken Hand abgetrennt. Jibon hatte damals die Schreie durch das Fenster seiner Wohnung gehört und war einer derjenigen, die den 42-jährigen Avijit Roy und seine schwerverletzte Frau ins Krankenhaus gebracht hatten, was ihm auch damals die Kündigung eingebracht haben soll.

Jibon Ahmed will sich nicht einschüchtern lassen: „Von einer verdrehten Moral darf ein Künstler sich nicht seine Arbeit diktieren lassen“, so der Fotojournalist.

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