Bei Flüchtlingen undenkbar: Stadt stellt Mutter mit achtjährigem Kind in Hitzewelle das Wasser ab

Wasser - ein Menschenrecht, das nicht für jeden gilt. Foto: Shutterstock

Wegen nicht bezahlter Rechnungen haben die Stadtwerke in Zweibrücken jetzt einer Mutter mit achtjährigem Kind das Wasser abgestellt. Eine Sanktion, die Asylbewerber nicht fürchten müssen – bekommen sie ihr Wasser doch gratis.

Mitten in der Hitzewelle müssen eine alleinerziehende Frau und ihr Kind in Rheinland-Pfalz ohne jeden Tropfen Wasser auskommen. Das berichtet jetzt der „Pfälzische Merkur“. Die Zeitung wurde von einem Leser über die unhaltbare Situation informiert. Trotz aller Appelle bleiben die Stadtwerke hart: Für die Frau gibt es kein Wasser mehr.

Es geht um 183,20 Euro, die die Frau nicht beglichen hat. Mit Sperrgebühren und Fahrtkosten beträgt die letzte ungezahlte Stadtwerke-Rechnung jetzt 260 Euro. Offenbar kann sich die Verbraucherin das nicht leisten: Kein Wasser mehr für das Kind, keine WC-Spülung keine Dusche. Dabei ist laut einer UN-Resolution von 2010 ist Trinkwasser „ein Menschenrecht, das unverzichtbar für den vollen Genuss des Lebens und aller Menschenrechte ist“.

Aber wenn man nicht illegal in ein Land eingewandert ist, steht einem das Menschenrecht nur zu, wenn man pünktlich zahlt. Formal sind die Stadtwerke im Recht. Schließlich hat die Frau ihre Rechnungen nicht bezahlt. Die Bitte des Merkur-Lesers, gerade bei den heißen Temperaturen eine Ausnahme zu machen, ist abgelehnt worden. Die Stadt fühlt sich auch nicht zuständig. Bürgermeister Gauf (CDU) ließ über einen Sprecher ausrichten: „Das ist nicht unsere Angelegenheit.“

Ohne ins Detail zu gehen, bestätigte der Stadtwerke-Geschäftsführer, dass es in Zweibrücken eine seit dem 23. Juli andauernde Wasser-Absperrung gebe. Jährlich gebe es etwa acht bis zehn solcher Fälle, Stromabschaltungen seien wesentlich häufiger. Wer seine Rechnung nicht bezahle, erhalte zunächst eine Mahnung mit 14-tägigem Zahlungsziel und Sperr-Androhung. 28 Tage später erfolge dann eine weitere Zahlungsaufforderung mit Sperr-Drohung in acht Tagen. Und drei Tage vor dem endgültigen Sperrtermin werfe man noch eine Karte in den Briefkasten.

Die Stadtwerke könnten nicht für Absperrungen verantwortlich gemacht werden: „Die betroffenen Personen müssen sich auch um die Sache kümmern.“ Außerdem gebe es „Urteile, dass man das Wasser noch viel früher sperren kann, innerhalb von 14 Tagen“.  Außerdem sei es „zumutbar“, sich Wasser beim Discounter zu holen“.

Sicherlich müssen sich auch die Stadtwerke vor Rechnungsprellern schützen, aber würde bei einem Flüchtling keine Gnade vor Recht walten lassen, wäre das vermutlich ein riesiger Skandal. Da aber die Allgemeinheit für Wasser, Gas und Strom der Migranten aufkommt, wird sich diese Frage nicht stellen. Insofern sagt das Beispiel auch eine Menge darüber, wie unterschiedlich das Land mit Einheimischen und Zugewanderten umgeht. (WS)

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