Springer-Chef Döpfner mit Mainstream-Kritik: „Die Menschen wollen das einfach nicht mehr lesen“

Springer Chef Mathias Döpfner. Foto: Screenshot YouTube

Heftige Kritik am Mainstream-Journalismus hat ausgerechnet Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner geäußert. Im Interview mit dem Branchendienst „Meedia“ geißelt er die „unheilige Nähe von Journalisten zur Politik“ und den „Leitartikel als Politikberatung“. Döpfner: „Das geht so nicht mehr gut. Die Menschen wollen das einfach nicht mehr lesen.“

Die Äußerungen Döpfners haben auch deswegen Gewicht, weil er der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ist. Der 55-Jährige sieht offenbar eine Sinnkrise: „ Wir als Journalisten und Arbeitgeber von Journalisten müssen neu denken. Wenn wir das nicht selbst hinbekommen, werden es andere tun.“ Tun wir schon, lieber Herr Döpfner.

„Wähler als nützliche Idioten, die ab und an mal ein paar Kreuze machen dürfen“

Döpfners Analyse müsste in den Redaktionsstuben richtig weh tun. Denn er konstatiert: „Die Bürger haben ein Gespür dafür, wenn Politiker Politik für sich selbst machen. Wähler fühlen sich als nützliche Idioten, die ab und an mal ein paar Kreuze machen dürfen.“ Ob in Amerika, Osteuropa, Großbritannien oder auch im eigenen Land: „Die Leute haben darauf keine Lust mehr und suchen nach einem anderen Typus. Wenn es gut geht, sind es Leute, die ohne extremistisches, nationalistisches oder populistisches Gedankengut auskommen. Wenn es schlecht geht, wackelt die Demokratie.“

Die Fundamental-Kritik an der Politik dehnt er aus auf die Medien: „Auch Journalisten sind von den gleichen Generationserscheinungen geprägt.“ Damit ist er wieder bei der Verflechtung von Politikern und Journalisten: „Grundsätzlich gilt: Abhängigkeiten und zu große Nähe darf es bei Journalisten nicht geben.“

Lob für „Bild“ wegen des Wandels in der Flüchtlings-Berichterstattung

Auf die Wende der „Bild“-Zeitung in der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise angesprochen, sagte Döpfner, er finde „es gut, dass Bild in jüngster Zeit noch kantiger, mutiger, entschiedener geworden ist. Wir merken übrigens in der Marktforschung wie auch in quantitativer Hinsicht, dass das auch die Leser honorieren.“

Daraufhin stellt der „Meedia“-Interviewer die völlig berechtigte Frage, ob die „monatelange Refugees Welcome-Kampagne unter diesen Gesichtspunkten aus heutiger Sicht falsch“ war. Döpfner weicht aus: Der heutige Chefredakteur Julian Reichelt habe damals, wie seine Vorgänger Tanit Koch und Kai Diekmann, die Meinung vertreten, „dass es in einer solchen Situation nur eine Haltung geben kann: Die unbürokratische und schnelle Aufnahme von vom Krieg verfolgten Menschen. Jede Alternative wäre schrecklich gewesen. Stellen Sie sich vor, jemand hätte getitelt ‚Das Boot ist voll‘.“

Aber warum nun plötzlich dieser Wandel? Döpfner schiebt nun die Verantwortung auf die Politik: „Dass die Sache allerdings so schlecht gemanagt worden ist, wurde und wird völlig zurecht kritisiert. Auch das war die journalistische Pflicht von Bild.“ Es gehe darum, zur richtigen Zeit die richtige Haltung zu haben und die richtigen Worte zu wählen: „Julian Reichelt hat das perfekt gemacht.“

„Hinterher ist man immer schlauer“

Nun ist die Berichterstattung teilweise nicht mehr weit von AfD-Positionen entfernt – nur, dass die Partei das Problem viel früher erkannt hat als das Boulevard-Blatt. Döpfner sagt zu diesem journalistischen Opportunismus, „dass man das Feld nicht den Rechtspopulisten überlassen darf“. Aber er kritisiert auch sein Flaggschiff: „Bild hätte noch mehr kritische Fragen noch eher stellen müssen.“ Hinterher sei man immer schlauer. „Grundsätzlich kann ich nur sagen, dass die Geste der Weltoffenheit einfach richtig war.“ (WS)

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