Broder gegen „Welt“-Chef: War der Kommentar zu Sami A. sein letzter?

Ist Henryk M. Broder jetzt zu weit gegangen? Der für seine politisch inkorrekten Kolumnen bekannte Autor distanzierte sich gestern von seiner eigenen Zeitung: „Ich teile nicht die Ansicht von Kollegen, das Urteil im Falle von Sami A. sei ‚ein Zeichen dafür, dass unser Rechtsstaat funktioniert‘.“ Genau das hatte ausgerechnet der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, Peter Huth, geschrieben.

Broder hält jetzt hinter der „Welt“-Bezahlschranke dagegen: „Auch in einem Rechtsstaat kann es zu Fehlurteilen kommen.“ Ein Urteil, richtig oder falsch, lasse keine Rückschlüsse auf den Rechtsstaat zu – „weder dass er funktioniert, noch dass er nicht funktioniert. Nicht einmal Richter halten sich für unfehlbar“.

Ein Seitenhieb auf seinen Chefredakteur, dem einige in der Redaktion vorwerfen, er halte sich für „unfehlbar“? Broder belehrt Huth: „Deswegen gibt es ein System von Instanzen, deswegen heben Richter die Urteile anderer Richter auf, deswegen wird das Recht den veränderten Lebensumständen angepasst und nicht umgekehrt.“

Anders als der Chefredakteur sieht Broder durch die Abschiebung des „Gefährders“ auch nicht das Vertrauen in den Rechtsstaat erschüttert: „Das Vertrauen in den Rechtsstaat wird nicht durch ein Urteil wie das des Gelsenkirchener Verwaltungsgerichts untergraben, sondern durch die Tatsache, dass es beinahe zwölf Jahre gedauert hat, bis der ‚mutmaßliche‘ Leibwächter von Osama Bin Laden endlich abgeschoben wurde.“

Und der Autor spannt den Bogen noch weiter: Das Vertrauen werde dadurch erschüttert, „dass eine achtköpfige irakische Familie, die seit dem Herbst 2015 in Deutschland von Sozialhilfe lebt, ungehindert in den Irak flüchten kann, um einem der Söhne eine Festnahme zu ersparen.“ Broder meint den Mörder von Susanna, einen „Flüchtling“, der in seine Heimat flüchtete, aus der er einst „flüchtete“.

Broder endet mit einer Abrechnung mit dem „Rechtsstaat“: „Wenn Schwarzfahrer und Schwarzseher Freiheitsstrafen antreten müssen, jugendliche Wiederholungstäter aber nach Feststellung ihrer Personalien freigelassen werden, dann soll sich niemand wundern, dass auch der bravste Untertan irgendwann das Vertrauen in den Rechtsstaat verliert.“

Ob das seine letzte Kolumne war? Besser für Springer wäre allerdings, dass das der letzte Kommentar von Peter Huth gewesen ist. Denn unter seine Führung wurde die Auflage der „Welt am Sonntag“ ruiniert. (WS)

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