Medien-Meute hetzt gegen abweichende „Zeit“-Redakteurin: „Erschießen“

Die Medienkritik: ZEIT (Foto: Collage)

Die Mainstream-Presse ist in Aufruhr. Eine „Zeit“-Kollegin hat es gewagt, in der Flüchtlingspolitik abzuweichen. Jetzt gibt es sogar eine Morddrohung. Anlass ist ein Beitrag von Mariam Lau in einem Pro & Kontra der Wochenzeitung zur „Seenot-Rettung“. Die versammelten Kollegen sind bei Twitter auf dem Baum, wollen sie mit „heißem Kaffee übergießen“ oder auf „offener Straße erschießen“. „Zeit“-Vizechefredakteur Bernd Ulrich kann inzwischen verstehen, dass bei dieser linken Diskussionskultur die Leute nach rechts abwandern.

Von Wilhelm Schulz

Was für Journalisten selbstverständlich sein sollte, aber schon ewig nicht mehr praktiziert wird, ist das Abwägen verschiedener Standpunkte. Die „Zeit“ hat diese – in Zeiten einseitiger Konsensberichterstattung – völlig altmodisch gewordene Grundregel mit einem Pro & Kontra zur „Seenotrettung“ wiederbelebt. Doch was dann geschah, zeigt, wo die deutsche Presse inzwischen angekommen ist.

Für den Kontra-Beitrag argumentierte die frühere „taz“- und „Welt“-Redakteurin Lau, die privaten Retter seien längst Teil des Geschäftsmodells der Schlepper geworden. Damit würden die NGOs das Problem nur verschärfen. Dann wurde sie grundsätzlich: „Wer mit dem Verweis auf Menschenrechte jede Sicherung der Grenzen zu verhindern versucht, wird am Ende denen in die Hände spielen, die gar kein Asylrecht mehr wollen.”

Ein völlig normaler Standpunkt – möchte man meinen. Wird er laut Umfragen doch von mehr als 60 Prozent der Deutschen geteilt. In der journalistischen Mainstreamblase ist das jedoch eine unerhörte Provokation, die mit dem Ausschluss aus der Sekte der Gutmeinenden bestraft wird.

Kollegen anderer Medien verloren nun jede Selbstbeherrschung. Mariam Lau hatte den Initiationsritus verletzt. Es entwickelte sich ein Shitstorm vom Feinsten, der letztlich in der Frage gipfelte, ob man die Redakteurin auf „offener Straße erschießen“ solle. Auch wenn dieser Tweet vom „Titanic“-Chefredakteur kam, ist darin keinerlei Satire zu erkennen. Denn was soll daran satirisch sein, wenn Tim Wolff twittert: „‘Zeit‘-Mitarbeiter auf offener Straße erschießen?“ Bei der Abstimmung zu dieser Frage stimmten 46 Prozent seiner Follower zu. „Deutsche-Welle“-Chefin Iris Pohl war erschrocken und sprach vom „Aufruf zum Mord“.

Doch das war nur der Höhepunkt in den Hass-Tiraden einer völlig wild gewordenen Medien-Meute. Georg Restle, Chef der ARD-Manipulations-Sendung „Monitor“ gab den Ton vor: „Wer die Seenotrettung unterbinden will, nimmt den Tod von Flüchtlingen billigend in Kauf.“ Im Klartext lautet der Vorwurf an „Zeit“-Kollegin Lau: Mindestens unterlassene Hilfeleistung, wenn nicht sogar Beihilfe zum Mord.

Zunächst versuchte der stellvertretende „Zeit“-Chefredakteur die Hatz auf seine Kollegin mit einem klassischen Kniefall einzufangen. In einem Statement bedauerte er, „dass sich einige Leser in ihrem ethischen Empfinden verletzt gefühlt haben, und dass der Eindruck entstehen konnte, die ‚Zeit‘ oder auch Mariam Lau würden einer Seenotrettung generell eine Absage erteilen.” Dies sei nicht der Fall. Der Artikel diskutiere lediglich die Legitimität privater Seenotrettung im Mittelmeer.

Doch selbst das reichte dem hysterischen Mainstream-Kollegium nicht. Frau Lau war endgültig in Ungnade gefallen. Es wurden erste Ideen geboren, wie man sie körperlich fertig machen und richtig an die Wäsche gehen könnte: „Wer bei der ‚Zeit‘ arbeitet und nach diesen Sätzen von Mariam Lau (…) ihr nicht täglich brühend heißen Kaffee ins Gesicht kippt, ist für mich moralisch gestorben“, zwitscherte Wolff. Kurz darauf fragte er, ob man sie „erschießen“ solle.

Für Bernd Ulrich brach eine Welt zusammen: „Ich habe heute am eigenen Leib mitbekommen, wie es ist, wenn die flüchtlingsfreundliche Gemeinde ins Gefecht zieht.“ Da er nur in seiner Blase verkehrt, sprach er von einem „Zivilisationsbruch“. Würde er am wahren Leben teilnehmen, wüsste er, dass die Mainstreampresse die Zivilisation eines kontroversen Diskutierens lange schon durch verbale Hinrichtung gebrochen hat.

Doch offensichtlich ist die Affäre für den führenden „Zeit“-Mann ein gewisses Erweckungserlebnis: „Ich kann besser erspüren, warum Leute aus Trotz weiter nach rechts gehen. Ich bin kein fragiles Gemüt, bei mir wird das nicht passieren. Aber man sollte schon mal überlegen, ob Humanismus mit nichthumanem Sprechen erreicht werden kann.“ Tja, wenn sein Klassenstandpunkt nicht so gefestigt wäre, dann wäre Ulrich jetzt einer von denen, die seine Branche wie Freiwild durch den Blätterwald hetzt.

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