Nach dem Gauland-Vergleich: Wie ähnlich sind sich Merkel-Deutschland und die DDR?

Von A.R. Göhring und B. Hoe

© Jouwatch

Alexander Gauland hat die 68er-Republik unter Merkel mit der DDR verglichen. Dafür hagelte es Kritik. Hat er Recht oder ist er ein Hetzer, der unzulässige Vergleiche zieht? In einer Rede geht er ins Detail. Wir analysieren.

Ein gelernter DDR-Bürger sagte mir schon 2016, er fühle sich gerade wie in der DDR 1986: „Man darf nicht alles sagen, aber man merkt, es knallt gleich.“ Der ehemalige Bürgerrechtler, der 1989 mithalf, das SED-Regime wegzudemonstrieren, ist kein Dorfnazi oder Verschwörungstheoretiker, sondern Facharzt.

So jemand, ein traditioneller, von Kohl begeisterter CDU-Wähler, fühlt sich natürlich angesprochen, wenn Alexander Gauland auf dem Kyffhäuser sagt, er fühle sich derzeit immer an die letzen Monate der Ostzone erinnert. Vergleiche drängten sich auf – und vergleichen hieße ja nicht gleichsetzen. Wieder verkomme ein Staat, weil die Führung verbohrt einer zerstörerischen Ideologie folge. Wieder würden die Bürger im Namen eines angeblichen Fortschritts bevormundet, in Gut und Böse unterteilt und der Früchte ihrer Arbeit beraubt.

Und weiter: „Wie damals besteht das Regime aus einer kleinen Gruppe von Parteifunktionären, einer Art Politbüro, und wieder steht ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Blockparteifunktionären, Journalisten, TV-Moderatoren, Kirchenleuten, Künstlern, Professoren, Kabarettisten, und anderen Engagierten hinter der Staatsführung und bekämpft die einzige Opposition. Wieder streuen die Herrschenden über die gelenkten Medien kindische Durchhalteparolen. Aus Honeckers ‚Vorwärts immer, rückwärts nimmer!‘ ist Merkels ‚Wir schaffen das!‘ geworden… ‚Die Partei, die Partei, die hat immer recht‘ kehrt wieder in Merkels Behauptung, ihre Politik sei ‚alternativlos‘.

Wie damals gehen heute unbotmäßige Bürger auf die Straße, um ihre Rechte einzufordern. Wieder werden diese Bürger von Schlägern verfolgt, von den Medien diffamiert, in ihren Betrieben denunziert. Wieder ist Sachsen, und Thüringen, das Herz des Widerstandes.

Wieder sind es die freiheitsliebenden Polen und Ungarn, die sich als erste gegen die Befehle aus dem Brüsseler Kreml auflehnen. Die einzige Oppositionspartei AfD ist sozusagen das aktuelle Neue Forum. Und wie damals gilt heute jeder, der sich gegen die Politik des Regimes ausspricht, als Faschist, Rassist, Ewiggestriger und was dergleichen Kosenamen mehr sind. […]

Die Schweizer Zeitungen sind das neue Westfernsehen, Karl Eduard heißt heute mal Marietta, mal Claus. Die Rolle des abspenstigen Großen Bruders hat Donald Trump übernommen; Glasnost kommt inzwischen über den Atlantik. Auch die Wut, mit dem das Juste Milieu auf den Widerstand reagiert, erinnert mich an 1989.“

Gauland geht noch weiter und macht einen Katastrophenkanzler-Vergleich: „Deutschland ist derzeit mit den Russen verfeindet. Mit den Amerikanern wegen Trump. Mit den Briten wegen des Brexit. Die Beziehungen zu den Ungarn, Tschechien, Italien und sogar Österreich sind miserabel. Liebe Freunde, der letzte deutsche Regierungschef, der eine solche Feindkonstellation gegen sich aufgebracht hat…“

Man muss nicht allem zustimmen, aber manche der von Gauland angesprochenen Punkte sind schon frappierend. Einen wichtigen hat er gar nicht ausdrücklich genannt: Die DDR war von einer linksextremen Partei beherrscht worden. Das heutige 68er-Deutschland wird immerhin von einer ultralinken Interessensgruppe dominiert, dem linken Bildungsbürgertum mit seinen neosozialistischen Ideen. Manche gelernte DDR-Bürger sagen deshalb schon, wenn wir das ’89 gewusst hätten, wie linksextrem die West-Intellektuellen sind, hätten wir das mit der Einheit anders gehandhabt. Die Pointe: Es war gerade der „vaterlandslose Geselle“ Günther Grass, der stets eine Konföderation der beiden deutschen Staaten im Sinn hatte.

Die frappierend ähnliche Situation 1989 und 2018, trotz der Unterschiede zwischen altsozialistisch-atheistischer Diktatur und neosozialistisch-religiöser Postdemokratie, zeigt, dass die totalitären Strukturen der DDR oder des Hitlerreiches gar nicht so sehr das Ergebnis politischer Tricks waren, sondern tief in uns verankert sind. Auch eine AfD-Regierung könnte nach zwölf Jahren Amtszeit ohne fähige Opposition und mit massenmedialer Unterstützung dekadent werden und totalitäre Gelüste entwickeln.

Das ist jedoch unwahrscheinlich, da die AfD ein viel zu heterogenes Wählerpotential hat. Da kontrollieren sich rechte Bildungsbürger, kapitalistische Besitzbürger und patriotische Geringverdiener gegenseitig. Bei den Grünen* zum Beispiel, dem parlamentarischen Arm des linksakademischen Bürgertums, sieht das schon anders aus. Das linke Bildungsbürgertum trägt zum Wohlstand und zur Infrastruktur des Landes fast nichts bei und müsste sich mit wenigen Jobs in den schöngeistigen und nutzlosen Sozial-Fachbereichen zufrieden geben. Da sind die Verlockungen natürlich groß, konzertiert mit erfundenen Problemen wie „Sexismus“, „Klimakatastrophe“ und „Flucht vor Krieg und IS-Terror“ Steuergelder und Jobs zu erpressen.

Ein übermächtiges linkes Bildungsbürgertum kann sich eine funktionierende Demokratie der Zukunft deswegen nicht mehr erlauben.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...