Keine patriotische Trauer um ermordete Polin?

Klaus Lelek

Foto: Durch IgorGolovniov/Shutterstock
Foto: Durch IgorGolovniov/Shutterstock

„Räche den Polengast,

den du umarmet hast,

sprachlos, voll Schmerz;

zieh mit ihm Hand in Hand“

(Hambach-Lied 1832)

Was ist los in Neustadt nach dem Mord an Nicola? Sind alle Patrioten im Urlaub oder Heuchler, die den Geist von Hambach verraten?

Von Klaus Lelek

Als 1832 die Patrioten hinauf zum Schloss zogen, flatterte auf den Türmen der Burgruine in Hambach, dem Stadtteil von Neustadt neben der Deutschen Fahne weit hin sichtbar auch die polnische und eine große Abordnung polnischer Patrioten wurde von der deutschen Bevölkerung mit frenetischen Jubel empfangen. Liest man die Chroniken und Gedichte so kommt man zu dem Schluss, dass in Hambach ein deutsch-polnisches Fest gefeiert wurde. Wer das nicht glaubt oder glauben will, dem gebe ich gerne kostenlos Nachhilfe. Da heißt es im „Patriotenlied“ von Siebenpfeifer, einem der führenden Köpfe des Vormärz und Hauptveranstalter des Hambacher Festes:

„Hinauf, Patrioten! Zum Schloss, zum Schloss!…

… Wir sahen die Polen, die zogen aus,

Als des Schicksals Würfel gefallen;

Sie ließen die Heimat, das Vaterhaus,

In der Barbaren Räuberkrallen:

Vor des Zaren finsterem Angesicht

Beugt der Freiheit liebende Pole sich nicht

Auch die abgeschlachtete Polin Nicola hat sich nicht der Barbarei gebeugt und musste ihren Freiheitswillen mit dem Leben bezahlen.

In einem anderen Hambacher Lied, im „Deutschen Mailied“ von Harro Harring wird diese deutsch-polnische Solidarität ebenfalls beschworen. Dabei erinnern diese Verse sogar an das grausame Schicksal der jungen Mutter und auch an den tapferen Mann – ein Held! – der vergeblich versuchte ihr zu helfen und dabei sein Leben riskierte. Wer dankt es ihm?

Denk an den Polengruß, / denk an den Bundeskuss,

Den du gefühlt!

Denk an das Tränenwort – / Stumm Gefühl hier und dort.

Zieht doch der Schmerz dich fort,

der dich durchwühlt.

 

Räche den Polengast, / Den du umarmet hast,

Sprachlos, voll Schmerz;

Zieh mit ihm Hand in Hand – / Löse dein Freundschaftspfand

Und dort im Polenland

Drück Ihn ans Herz!

 

Fluch dem, der heut noch lebt / und nicht zu rächen strebt

Die Völkerschmach!

Der schau als deutscher Mann / nimmer den Deutschen an,

Der bleibt ein Untertan

Zum jüngsten Tag!

 

Ihr aber, deutsche Leut! / Männlich zum Kampf bereit

In Völkernot; / Die ihr den Polen grüßt,

In ihm den Bruder (Schwester) küsst,

Fühlt, aller Lösung ist / Sie oder Tod!

Fazit: 1832 waren deutsche Patrioten sogar bereit für ihre polnischen Brüder und Schwestern in die Schlacht zu ziehen. (So wie der mutige unbewaffnete Helfer der jungen Mutter!!!!) Heute können sich deutsche Patrioten gerade mal dazu aufraffen, nach dem Abschlachten einer jungen polnischen Mutter ein paar Zeilen in die Kommentarspalten zu hauen. Lediglich vier Aktivistinnen – eine gilt innerhalb der Gegenöffentlichkeit als „umstritten“ – konnten sich zu einer Mahnwache am Marktplatz in Neustadt aufraffen. Bedrängt und bedroht von Sympathisanten des Mörders. Wurden eigentlich am Tatort in der Karolinenstraße Kerzen angezündet?  Anders als in Wiesbaden Erbenheim, wo kurz nach Susannas Tod Menschen aus der Siedlung spontan einen Trauerzug veranstalteten und in der Nähe des Tatortes eine Gedächtnisstätte schufen.  Auf der Seite der AfD-Ortsgruppe Neustadt findet sich kein Hinweis. Sind wohl alle im Urlaub. Auf der ständig aktualisierten Face-Book-Seite des Landesverbandes wurde der Fall kurz angerissen, aber ohne Aufruf zu Mahnwachen oder Demos.

Dafür steht zu „Oberst“ ein Video vom Treffen in Hambach mit einer Rede von Uwe Junge. Parole „Hinauf zum Schloss“ – Datum 10. Juli. Wer solche großen Worte eines patriotischen Liedes in den Mund nimmt, der sollte auch die zweite Strophe nicht vergessen:

„Wir sahen die Polen, die zogen aus, als des Schicksals Würfel gefallen“. Oder man sollte kleinmütig und kleingeistig bekennen, dass die Schuhe der Patrioten von 1832 einfach zu groß sind. Die wären nach dem Mord an einer jungen polnischen Mutter und auch aus Solidarität mit dem todesmutigen Helfer zu tausenden durch Neustadt gezogen. Auch das sich eine überparteiliche Initiative nicht „kurzentschlossen“ zu einer Demo aufraffen kann, macht mich ratlos und traurig.

 

 

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23 Kommentare

  1. OT
    +++https://www.youtube.com/watch?time_continue=223&v=oecvYFq_wi0+++
    Solange es noch läuft
    Juncker sturzbesoffen auf dem NATO Gipfel

  2. Ggf. sind wirklich Alle im Urlaub. Man kann ja nun nicht erwarten, daß man den Urlaub abbricht für eine Mahnwache. Aber ist schon schade. Und die Sympathisanten des Mörders, die sollten sich was schämen.

    • Zu aller erst war die Polin doch die Sympathisantin ihres Mörders, oder was verstehe ich hier jetzt nicht? Ich verachte Frauen, die sich aus dummer Geilheit (das was sie gern den Männern unterstellen) an der Ausrottung des eigenen Volkes (oder auch der eigenen Rasse) beteiligen.
      Und ich wünsche ihnen den Tod, so wie sie uns den Tod gewünscht haben, als sie den Feind gestärkt haben.

    • Ich halte es für einen darwinistischen Ausleseprozess

      ABER die Mitschuld der Indoktrineure: „der edele Wilde“ bis „Fachkräfte/AMIGA“ haben für mich volle Mitschuld

    • Viele von uns stehen in Kandel und Mainz, aber vielen anderen ist es offenbar genug hier zu posten, statt den Arsch auf die Strasse zu bekommen – sorry, das muss mal gesagt werden ! Es kostet uns alle viel Energie angesichts solch Gleichgüligkeit der lieben Poster sein Leben mit Demos zu verbringen. Denkt ihr eigendlich, dass Veänderung bei Juwatch, Facebook oder Whatsapp stattfindet???

  3. Für alles ist die Afd auch nicht zuständig!
    Wenn man bei jeder ermordeten Frau und Kind heute eine Mahnwache veranstalten will ist man überfordert.

    Hört sich mein Kommentar Zynisch an? Nicht so Zynisch wie die Wirklichkeit!

  4. Ich denke nicht, dass die Nationalität irgend eine Rolle spielt, eher der Umstand, das sie mit dem Feind kollaboriert hat. In gewisser Weise war es eine „Beziehungstat“.
    Was mich viel mehr stört ist, das wir den ganzen Opfern bei Ehrendmord.de so wenig Stimme verleihen. Das sind die wahren Heldinnin die sich aus den patriarchalen Strukturen befreien wollten und das mit dem Maximalpreis bezahlen mussten. Diese Opfer haben unsere Solidarität am allerstärksten verdient!

    • diese EU, deren Exkutivorgane NICHT direkt-demokratisch legitimiert scheinen,
      kann nicht vergehen, sondern würde ohne UNSER Geld verhungern

      Eine eurasische EU der freien direktdemokratischen Bürger – mit striktem Lobbyisten-VERBOT – alle Organe als unbesoldetes Ehrenamt wäre eine gute Idee

      Allerdings wäre die NATO um alle nichteuropäischen Partner, die nur Gast-/ Beratungsrechte haben dürften zu „säubern“ und dürfte nur defensiv auf dem Boden der EU – als reine Verteidigungsorganisation – weiterarbeiten.

  5. Alles was recht ist, aber an diesem filmreifen Ende einer heißen Liebe ist weder Merkel, noch die EUdSSR oder Soros oder sonstwer schuld, sondern nur das Dummchen von der Weichsel, die meinte, sie müßte sich bei der Auswahl ihrer Galane keine Mühe geben, sondern könnte einfach blind in die bunte Wundertüte greifen.

    Es besteht überhaupt kein Grund, auf die Straße zu gehen, mahnzuwachen oder Kerzchen aufzustellen; ich kenne zuviele polnische Unterleibskonvertierte, um mit solchen Hennen im Falle eines Falles Mitleid o.s.ä. zu empfinden.

    Ich gehe auch nie dazwischen, wenn irgendwo in der Öffentlichkeit ein oder mehrere Rohdiamant(en) seine hohle Nuß runterputz oder gleich vermöbelt; wer bin ich, daß ich das zarte Liebesglück einer Bahnhofsklatsche stören könnte.

    Die holde wie hirnlose Weiblichkeit bekommt, was sie bestellt hat.

    • in vielen faellen, in denen weisse frauen mit nicht-weissen maennern schnackseln wollen, mag ihr einwand zutreffen. ob es sich hier so verhaelt weiss ich nicht. aber an die adresse des kommentarschreibers gerichtet ist zu sagen. die verkommene generation deutscher von heute ist nicht einmal faehig, trauer fuer ihre ermordeten landsleute auszudruecken; wie sollten sie wohl zu bekundungen von beileid fuer auslaender in der lage sein. nur im falle von im mittelmeer ertrunkenen , fuer die sich der sprachgebrauch „fluechtlinge“ eingebuergert hat, erhebt sich ein jammern und wehklagen als handle es sich um einen nationalen trauerfall.

    • Ist schon erstaunlich, wie viele der Dauerbetroffenen „ertrunkene Invasoren“ gar nicht genug betrauern können und eher keine Worte für Ihre bereicherten Mitbürger oder ihre vergewaltigten oder getöteten Mitbürgerinnen haben.

      Korrektur – es ist nicht erstaunlich – ich habe diesen Berufsbetroffenen nie geglaubt

  6. Traurige wahrheit der deutsche Michel bleibt lieber zuhause und zieht sich die decke über den Kopf. aber das wird im nicht helfen

    • weil die Michelinnen sich und Teddybären werfen und relativ oft als Dank ein Messer geschenkt bekommen … warum sollte Michel sich das ansehen wollen oder bedauern ?

  7. Tja, die deutsche Polenbegeisterung des 19. Jahrhunderts. Oder wie es Bismarck formulierte: „Befriedigen können wir die Ansprüche, welche dieser neue Nachbar Polen auf unsere Kosten erheben würde, niemals. Sie würden außer Posen und Danzig sich demnächst auf Schlesien und Ostpreußen richten. und die Landkarten, in welchen die Träume der polnischen Insurrektion ihren Ausdruck finden, bezeichnen Pommern bis an die Oder als polnische Provinz.“
    Oder: „Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eignen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist.“

  8. Jeder der sich in diesem Stasi Shithole Staat dort hinstellt wird schikaniert verliert seinen Job usw…

    • Sorry, die die dort demonstrieren verlieren ihren Job nicht, sowas kommt extremst selten vor. Marco Kurz aus Kandel war unter Druck, aber nix ist passiert. Alles safe. Zudem wer kämpft kann verlieren, aber vom Start an mangelnde Beteiligung darauf zu schieben Angst zu haben seinen Job zu verleiren? Da bleibt mir nur zu sagen – wer nicht kämpft der hat schon verloren. Schade Herbert, dass Du Du Dich zu den Nichtkämpfern gesellst. Jeder ist in seinen Entscheidungen frei. – Noch, wenn wir nicht kämpfen verleiren wir das vielleicht auch noch eines Tages…..

    • Den Artikel über das Dachauer „Meinungsunfreiheitsurteil“ nich gelesen ?
      Richter bis OLG müssen direktdemokratisch auf Zeit gewählt werden.

      Jede Kaste, die der direkten Kontrolle und Wahl des Souveräns entzogen ist,
      ist im Wesen / und in jeder Folge undemokratisch.

      Die Besetzung der höchsten Gerichte sollten aus Vorschlägen der normalen Richterschaft auch direkt wählbar sein, allerdings vom Parlament bestätigt werden müssen (einem richtigen Parlament)

      Die Weisungsbefugnis der Innenmins in die StAs MUSS schnellstmöglich enden und starfbewehrt werden.

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