PMDS-Syndrom: Alle diese armen Frauen

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In der Quotzenklapse (Foto: Screenshot "Women know your limits"/Harry Enfield/ BBC/ Youtube)

Viele Generationen lang lebten europäische Männer mit europäischen Frauen zusammen, ohne daß ihnen jemals klargeworden wäre, worum es sich bei Frauen eigentlich handelt. Tausende von Jahren in völliger Ignoranz sind das gewesen. Diesen Eindruck muß man bekommen, wenn man die Vielzahl an Publikationen sichtet, die es seit etwa einem halben Jahrhundert zum Thema Frau gibt und dabei bedenkt, daß immer noch neue dazukommen.  Im „Tagesspiegel“ gab es wieder eine, nach deren Lektüre man unweigerlich zu dem Schluß kommt, daß „Frau“ vier Buchstaben sind, die verwendet werden, um das lange Wort „Östrogendesaster“ nicht ständig aussprechen zu müssen. Die Frau – ein einziges, unglückliches Zusammentreffen von hormonellem Überfluß bei gleichzeitigem Hormonmangel. Arme unzurechnungsfähige Opfer ihrer eigenen Biologie. Die Medienkritik.

Von Max Erdinger

„Wenn der Zyklus Achterbahn fährt“, ist der Artikel im Tagesspiegel überschrieben. Wer schon einmal Achterbahn gefahren ist, der kennt dieses Gefühl des hilflosen Ausgeliefertseins. Wenn jedoch der Zyklus Achterbahn fährt, dann nimmt er gleich die ganze Frau mit, ob sie Achterbahn fahren will oder nicht. Frau zu sein, bedeutet, willenlos der Macht der Hormone ausgeliefert zu sein und schwer darunter zu leiden. Das ganze Leid selbst hat wieder eine eigene Bezeichung bekommen: Prämenstruelles Syndrom (PMS). Als ob das nicht schon traurig genug wäre, gibt es jetzt auch noch das PMDS.  Das „D“ in PMDS steht für „dysphorisch“. Die Dysphorie wiederum ist das Gegenteil der Euphorie, mithin also eine völlig freudlose Angelegenheit.

Der „Tagesspiegel“: Während sich das PMS jedoch auf körperliche Symptome beschränkt, kommen bei der PMDS psychische Leiden wie Reizbarkeit, Aggressivität, Ängste oder emotionale Labilität hinzu. „Die kleinste Kleinigkeit, wie eine traurige Filmszene, kann die Frauen total aus der Bahn werfen und zum Weinen bringen“, sagt Stephanie Krüger, Chefärztin des Zentrums für Seelische Frauengesundheit am Vivantes Humboldt Klinikum. Mitunter kann sich zur Dünnhäutigkeit auch ein gewisser Kontrollverlust gesellen. Die Stimmung kann dann schnell eskalieren – bis hin zu Handgreiflichkeiten. Das kann so weit gehen, dass einige unserer Patientinnen dadurch schon in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sind“, berichtet die Psychiaterin.

Wir sehen also, ohne daß es der Tagesspiegel extra noch zu erwähnen bräuchte, wie hormonell gebeutelte Frauen bar jeglicher Schuldfähigkeit zu einer Gefahr werden können – und fragen uns, wo das im allgemeinen Gleichberechtigungs – , Frauenförder -, Gleichstellungs – und Quotengedöns seinen Niederschlag findet. Lediglich aus diversen Gerichtsurteilen ist bekannt, wie sehr sich deutsche Gerichte bisweilen der schuldmindernden  Umstände bewußt sind, die nicht nur das prämenstruelle Syndrom (PMS) erzeugt, sondern auch das postmenstruelle (ebenfalls PMS), das menstruelle (MS) – und neuerdings eben auch das Dysphorische Prämenstruelle Syndrom (PMDS). Gespannt warten wir, ob es bald Erkenntnisse zum dysphorischen Element des menstruellen und des postmenstruellen Syndroms geben wird – und ob man daraufhin nicht ganz darauf verzichten will, Frauen vor Gericht zu stellen.

(Gerade eben kommt über den Newsticker, daß Beate Zschäpe im NSU-Prozess wegen zehnfachen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden ist – und es beschleicht uns ein Verdacht, worin genau das Versagen ihrer Verteidiger zu sehen sein könnte.)

( … ) nicht selten werden die Beschwerden auch von Ärzten nicht erkannt und als weibliche Stimmungsschwankungen abgetan. „Selbst in Fachkreisen sind die Diagnosen PMS und PMDS mitunter Fremdworte“, sagt Krüger. Viele betroffene Frauen finden deshalb jahrelang keine Hilfe.

Damit ist endlich die Mär von der Stimmungsschwankung aufgeflogen. Stimmungsschwankungen bei Frauen sind gar keine Stimmungsschwankungen, sondern menstruelle Syndrome jedweder vorherigen -, aktuellen – und nachherigen Art. Ich schlage die Zusammenfassung des Ganzen unter dem Kürzel PPAMDS vor (Präpostaktuelldysphorisches Menstruationssyndrom).

Viele machen sich auch noch selbst Vorwürfe

So sind sie, die armen Frauen. Nie schieben sie einem anderen die Schuld in die Schuhe. Es ist ein Gerücht, daß jemals eine Frau geflucht und gerufen hätte, der Tankdeckel, den sie nicht aufbekommt, sei bestimmt „wieder von einem Mann erfunden“ worden. Es ist auch noch nie vorgekommen, daß für einen angebrannten Kuchen im Herd eine Freundin verantwortlich gewesen wäre, welche die Kuchenbäckerin allzu lang ans Telefon gefesselt hat. Immer geben sie sich selbst die Schuld, obwohl ihre präpostaktuelle Dysphorie gar nichts mit ihnen selbst zu tun hat. Ich gehe jetzt raus auf die Straße und suche mir eine Frau im gebärfähigen Alter, die traurig aus der Wäsche schaut, um ihr Blumen zu schenken und tröstend über den Kopf zu streicheln. Frauen sind arme Wesen, die so sein müssen, wie sie sind, ohne daß sie dabei sie selbst wären. Als Mann kann man sich gar nicht vorstellen, wie ungerecht das alles ist. Ich will aber gerne einräumen, daß ich das nur geschrieben habe, weil ich scharf auf die „Goldene Mumu“ bin, die international bekannteste feministische Auszeichnung.

Immer wieder werden die Hormone für eine schlechte Stimmung bei Frauen verantwortlich gemacht.

Vor allem im Tagesspiegel, wenn ich das an dieser Stelle anmerken darf.

Nicht selten sind es Männer, die da über Frauen lästern – und meistens liegen sie damit falsch. Bei einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung sind allerdings wirklich die weiblichen Geschlechtshormone die Übeltäter.

Ach? Und den hier vorliegenden Artikel hat keine Frau geschrieben? Man muß also nicht davon ausgehen, daß hier irgendein Dysphoriesyndrom federführend gewesen ist? Dann könnte er ja so gut wie richtig sein!

Während vor dem Eisprung, also in den ersten beiden Wochen des Zyklus, der Hormonhaushalt im Gleichgewicht ist, kommt es nach dem Eisprung (um den 13. Tag) zu einer relativen Östrogendominanz“, erklärt Krüger. Das heißt, während das Östrogen ganz normal vom Körper ausgeschüttet wird, bleibt der Blutspiegel des Hormons Progesteron am Boden – obwohl er nach dem Eisprung eigentlich steigen müsste. Progesteron ist, vereinfacht gesagt, bei der Regulation des weiblichen Zyklus der Gegenspieler zum Östrogen. Die Östrogendominanz entsteht also nicht durch einen Überschuss an Östrogen, sondern beruht auf einem Mangel von Progesteron. Die Folgen sind gravierend: „Die psychischen Symptome wie Reizbarkeit, Aggressivität und emotionale Labilität werden durch fehlenden Anstieg des Progesterons hervorgerufen“, sagt Krüger.

Allmächt, das Progesteron, es fehlt. Wir müssen „die Menschen“ im Lande vor den Folgen des fehlenden Progesterons in manchen Frauen schützen. Das ist das wichtigste, jetzt, wo endlich herausgekommen ist, was junge Politikerinnen so verwirrt daherreden läßt. Auch die Frauenforschung (sprich: Die Erforschung der Frauen) muß weiter intensiviert werden, um herauszufinden, ob Progesteronmangel in jungen Jahren bleibende Schäden im weiblichen Kopf über die Wechseljahre hinaus hinterläßt. Womöglich kann Angela Merkel gar nichts für sich selbst und wir tun ihr jeden Tag ganz schrecklich Unrecht. Vielleicht ist Angela Merkel nur das, wofür sie sich hält, obwohl sie in Wahrheit ein lebender Folgeschaden der präpostaktuellen Dysphorie ist! Politikerinnen im Alter zwischen 18 und 55 brauchen eine Progesteronplakette vom TÜV! Im Namen der Sicherheit!

Im Namen der geschlechterdemokratischen Teilhabe an der sozial gerechten Unzurechungsfähigkeit sollten außerdem alle Vergewaltiger und notorischen Raufbrüder daraufhin überprüft werden, ob ein Mangel an Testosteronhemmern im Blut nachzuweisen ist. Geschlechtergerecht soll es schließlich zugehen im Lande, oder nicht?

Seitdem ich die Ursache kenne, nehme ich mir ein paar gereizte Worte von ihr nicht mehr so zu Herzen“, sagt Hannes. „Jetzt weiß ich, dass das eben auch ein Teil der Frau ist, in die ich mich verliebt habe.

Na, da ist doch kein großer Erkenntnisgewinn nötig gewesen, lieber Hannes. Deinen Alfa Romeo liebst du schließlich auch, obwohl er die ganze Zeit an präpostaktueller Funktionsdysphorie laboriert. Es gibt sogar ein Modell, das extra deswegen „Giulia“ heißt. Damit es menschelt zwischen Mensch und Maschine und die Liebe dazu führt, gelöste Steckverbindungen wieder zusammenzuführen. Auf daß der Strom wieder fließt. Hättest du das Reparaturhandbuch für deinen Alfa Romeo gelesen, hättest du auch ohne den Tagesspiegel Verständnis für deine Frau gehabt.

So, und nun auf, ihr Mädels! Ab zum Progesteron-TÜV, Plakette besorgen!

 

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