„Nicht publizierfähig“: Sarrazin und sein Verlag streiten vor Gericht über Islam-Buch

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Sarrazin klagt gegen seinen Verlag. Foto: Metropolico.org/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

München – Im Streit um das vom Verlag nicht veröffentlichte Islam-Buch Thilo Sarrazins verschärft sich die Lage weiter. Vor Gericht verlangt der Autor hohen Schadenersatz, den Random House nicht zahlen will.

Sarrazin, der mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ einen Allzeit-Sachbuch-Bestseller landete, sieht seinen Ruf verletzt. Mit seinen beiden Anwälten kam der 73-Jährige zum Prozess im Münchner Landgericht. Es ist das unrühmliche Ende einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Seine jüngsten vier Bücher hat der frühere SPD-Politiker bei der zu Random House gehörenden Deutschen Verlags-Anstalt veröffentlicht.

Das fünfte ist fertig – doch der Verlag weigert sich trotz Vertrages und gezahlter Vorschüsse, das Werk zu veröffentlichen (JouWatch berichtete). Titel: „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Dies könnte der zuwanderungskritischen Opposition weiteren Auftrieb geben, mutmaßte „Bild“ über die Gründe. So pointiert politisch argumentiert der Verlag allerdings nicht vor Gericht.

Der Verlag nennt Sarrazins Manuskript vielmehr allgemein „nicht publizierfähig“. Das Buch habe sich „als sehr arbeitsintensiv erwiesen, die Lektoren hatten vieles überprüfen müssen“, sagte Random-House-Anwalt Rainer Dresen der „Welt“. Auch mit der inhaltlichen Gewichtung sei man unzufrieden gewesen. Daher habe man Sarrazin gebeten, das letzte Kapitel zu überarbeiten. Er sollte darin aufzeigen, wie Integration doch noch gelingen könne.

Der frühere Bundesbanker hält dagegen: „Ich habe inhaltlich das geliefert, was der Verlag bestellt hat“, sagte er dem Richter Peter Lemmers. Und der Autor betont: „Ich habe nur eines, auf das ich als Autor bauen kann. Und das ist mein Ruf.“ Seine Reputation habe der Verlag durch das vertragswidrige Verhalten empfindlich beschädigt.

Streitpunkt ist auch der Erscheinungstermin: Obwohl Sarrazin das Manuskript bereits im Februar abgegeben hatte, blieb unklar, wann das Buch in den Handel kommen würde. Dies sei nicht falsch, räumt Verlagsanwalt Dresen ein: „In dieser Hinsicht war das Verhalten des Verlags suboptimal.“ Die Rede soll lediglich von „voraussichtlich im Herbst 2018“ gewesen sein.

Mit dem Finanzbuch-Verlag hat der Bestseller-Autor inzwischen einen neuen Herausgeber – und das scheint die Schwäche seiner Klage zu sein: „Sie haben doch alles, was Sie wollten“, sagte der Richter zu Sarrazin: „Sie haben einen neuen Verlag, das Buch erscheint zu dem von Ihnen gewünschten Termin.“ Damit könne es man doch gut sein lassen. Er schlug eine gütliche Einigung vor.

Doch Sarrazins Forderung macht das für den Verlag unmöglich. Er möchte die noch ausstehenden 50.000 Euro Vorschuss – 100.000 hatte der Verlag bereits gezahlt. Zudem soll Random House die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen. Laut „Bild“ fordern Sarrazins Anwälte insgesamt 800.000 Euro. Sie berechnen den Reputations-Schaden demnach auf mindestens 300.000 Euro. Dazu kämen noch mindestens 500.000 Euro entgangener Gewinn. Random House lehnt das ab. Der Streit geht in die nächste Runde. (WS)

 

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