Migration: Der süddeutsche Begriffsklitterer

Max Erdinger

Max Erdinger Foto: JouWatch

Dass es sich bei der „Süddeutschen Zeitung“ um ein durch und durch parteiliches, globalistisch durchideologisiertes Propagandablatt handelt, haben außer Jouwatch auch schon andere festgestellt. „Alpen-Prawda“ ist kein Begriff, den wir geprägt hätten – und „Süddeutscher Beobachter“ stammt meines Wissens von Henryk M. Broder. Den Beweis für die Berechtigung dieser Synonyme liefert das Blatt wieder einmal selbst. Johannes Hillje hat dort zum Thema Migration „einen rausgehauen„, dass es einem die Fußnägel aufrollt. Die Medienkritik.

Von Max Erdinger

Eine Masche, die sich nicht nur bei der Süddeutschen Zeitung etabliert hat, ist es, den Gastautor erst am Schluss eines Artikels vorzustellen. Dahinter steckt wahrscheinlich ein realistisches Kalkül. Hätte ich gleich am Anfang gelesen, um wen es sich bei dem Gastautoren Johannes Hillje handelt, dann hätte ich nicht mehr weitergelesen. Wer ist Johannes Hillje?

Der Leser erfährt es erst ganz am Ende: „Johannes Hillje arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater in Berlin und Brüssel. Er ist Policy Fellow bei der Denkfabrik „Das Progressive Zentrum“. 2014 leitete er den Europawahlkampf der Europäischen Grünen Partei. Im vergangenen Jahr hat er das Buch „Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen“ veröffentlicht.“

Dass der Mann irgendetwas in dieser Richtung sein muss, ist ein Verdacht, der einen zugegebenermaßen schon nach der Lektüre der ersten Zeilen seines Gastbeitrags zur nationalen Selbstüberschätzung in der globalen Migrationskrise überkommt. Aber bis zum Ende bleibt es eben nur ein Verdacht. Hillje schreibt: „Migration ist eine globale Herausforderung, keine lokale Stadtteilverschönerung.“ Ach? „Stadtteilverschönerung“ wäre tatsächlich das Letzte gewesen, woran der Populist denkt, wenn er „Migration“ liest, ohne dass Hillje noch extra hätte darauf hinweisen müssen.

Und schon geht es weiter: „Wo Sprache ist, da ist quasi immer auch Subtext. Vor allem dort, wo Sprache politisch wird.“ – Jede Wette, dass Hillje mit vollem Namen „Johannes Quasi Immerauch Hillje“ heißt. „Quasi immer auch“: Es gibt Leute, die wenigstens soviel Anstand haben, den Mund zu halten, wenn sie nichts zu sagen haben.

Zur Analyse dieser Subtexte hat sich in der Forschung in den vergangenen Jahren das Konzept des Framings etabliert. Framing meint einen Assoziations- und damit Deutungsrahmen für Begriffe: Wer zum Beispiel „Zitrone“ hört, denkt vermutlich an „sauer“ oder „gelb“.“

Es ist noch viel besser, Hillje: Bei jedem Begriff, den man hört, denkt man sich das, was er meint und wofür er gedacht ist. Das ist der Sinn von Sprache überhaupt: Verständigung. Dass sich diese Erkenntnis in den vergangenen Jahren erst in der Forschung etabliert haben soll, ließe nichts Gutes für meine zukünftige „Assoziation- und damit Deutung“ des Begriffs „Forscher“ erahnen, wenn mir nicht von vornherein klar wäre, wer solches Gaga-Geschwurbel vom Stapel gelassen hat.

Das lässt sich politisch instrumentalisieren.

Ist es die Möglichkeit? Politisch instrumentalisieren lässt sich die Sprache? Wer hätte das gedacht angesichts der Etablierung solcher Begriffe wie „Propagandaministerium“, „Willkommenskultur“, „Herrenmensch“ und „Rasenschande“. Rasenschande war doch das Wort, das ich im Zusammenhang mit der Fußball-WM und der Mannschaft gehört habe, oder? – Ja, das war ein kleiner Test, Hillje. Mir ist vorher klar gewesen, daß einer deines Schlages gar nicht an „grün“, „Ball“, „Tor“ und „Südkorea“ denkt, wenn er das Wort liest, sondern dass er es  – quasi immer auch – für einen Druckfehler hält, weil er ein fehlendes „s“ im Rasen vermutet.

Bei einem Begriff wie „Flüchtlingsstrom“ sieht man vor dem geistigen Auge beispielsweise vermutlich große Menschenmassen heranrauschen. Eine Naturgewalt und darin ein Bedrohungsszenario. Was die vermeintliche Lösung nahelegt: Abschottung.

Falsch, Quasi-Johannes: Einen Begriff wie „Flüchtlingsstrom“ las man oft genug unter den Bildern eines Flüchtlingsstroms. Da gab es nichts vor einem „geistigen Auge“ zusammenzusetzen, sondern da reichte es, einfach nur das dazugehörige Bild anzuschauen. Dann konnte man nämlich mit dem bloßen Auge – und nicht mit dem geistigen – erkennen, was ein Flüchtlingsstrom tatsächlich ist. Aber auch ohne Bild hätte sich wohl kaum jemand einen Flüchtling vor seinem geistigen Auge vorgestellt, der strampelnd auf dem Hometrainer sitzt, einen Dynamo antreibt und Flüchtlingsstrom produziert. Wer also „Flüchtlingsstrom“ so versteht, wie er auf dem Bild zu sehen ist, dem erscheint nicht die „vermeintliche Lösung“ naheliegend, sondern die einzige: Abschottung zuerst – und das Herausfiltern echter Asylanten als nächstes.

In einer losen Serie analysiert die SZ das Framing politisch oder gesellschaftlich relevanter Begriffe. Heute: Masterplan.

Lasst eure Analysen am besten von Anna Lühse machen. Die labert wenigstens keinen Quatsch und kennt sich aus, wie das Framing von „Anna Lühse“ nahelegt.

Wer den Begriff benutzt: ( … )

Es ist für die Bedeutung eines Begriffs unerheblich, wer ihn benutzt. Bullshit ist quasi immer auch Blödsinn.

Bundesinnenminister Horst Seehofer ist der Schöpfer des sogenannten „Masterplan Migration“. Am 11. März 2018 hatte er, als eine seiner ersten Handlungen im neuen Amt, einen „Masterplan für schnellere Asylverfahren und konsequentere Abschiebungen“ angekündigt. Lange blieb es bei der Ankündigung. Erst Ende Juni legte Seehofer dem CSU-Vorstand dann ein 22-seitiges Papier vor (nicht als Innenminister, sondern als Parteivorsitzender). Das Dokument enthält 63 Maßnahmen für die vier Handlungsfelder „Herkunftsländer“, „Transitländer“, „Europäischen Union“ und „Inland“.“

Das Masterproblem mit Leuten deiner Couleur, Johannes Immerauch, ist, dass ihr die Irrelevanz partout nicht in eure Krachschädel hineinbekommen wollt, welche die Frage nach der Benennung von etwas hinsichtlich dessen hat, was es realiter ist. Ein Neger wird nicht dadurch pink oder neongrün, dass man ihn einen „Menschen mit Hintergrund“ nennt. Ihr könnt einen Ungeborenenmord so lange „Schwangerschaftsunterbrechung“ nennen, bis ihr schwarz wie die Neger seid, ohne daß er dadurch zu etwas anderem als einem Ungeborenenmord würde. Bereits Franz Josef Strauß hatte das glasklar erkannt und benannt, als er im Bundestagswahlkampf 1980 feststellte, dass es der politische Gegner geschafft habe, Begriffe mit anderen Inhalten zu füllen und sie hernach als Wurfgeschosse gegen die bestehende Ordnung zu verwenden. Seine Schlussfolgerung deshalb: Der Kampf um die Sprache ist wesentlich für die geistige Selbstbehauptung. „Populisten“ oder „Rechtspopulisten“ sind diejenigen, die diesen Kampf gegen euch selbsternannte Gehirnwäscher aufgenommen haben und ihn auch gewinnen werden. Und dann gnade euch der Gott, an den keiner von euch eingebildeten Klugscheißern mehr glaubt.

Exemplarisch für die völlige geistige Verwüstung, die in Köpfen wie deinen herrscht, ist, dass deinereiner es offensichtlich für geboten hält, darauf hinzuweisen, Seehofer habe seinen 22-seitigen Masterplan nicht als Innenminister, sondern als Parteivorsitzender vorgelegt. Glaube mir: Das spielt hinsichtlich dessen, was in diesem Masterplan notiert worden ist, nicht die geringste Rolle. Ob du als Faschingsclown oder als Kommunikationsberater scheißen gehst, ändert am Gestank gar nichts.

Seitdem Seehofer seinen „Masterplan“ angekündigt hatte, verwenden einige Medien den Begriff auch ohne Anführungszeichen oder dem Zusatz „so genannter“. In dieser Verwendung wird die Sinnhaftigkeit des Begriffs nicht hinterfragt.

Zu Zeiten, als das einfache „fragen“ noch half, ist das „hinterfragen“ obsolet gewesen. Ob man die „grobe Marschrichtung“ als „Masterplan“ bezeichnet oder als „Generalplan“, ändert an der Sinnhaftigkeit des Niedergeschriebenen ebenfalls gar nichts. Faschingsclown und Kommunikationsberater hin oder her.  Was soll das überhaupt sein, so ein Kommunikationsberater? Einer, der Anderen erklärt, wie sie reden müssen, damit Dritte nicht erkennen können, was sie tatsächlich meinen? Wer, außer willentlichen Lügenbeuteln, braucht denn überhaupt Kommunikationsberater? Ich habe noch nie einen gebraucht. Ich sage einfach, was ich denke und überlasse es dem Adressaten, sich seinen Reim darauf zu machen. Sprachliche Präzision ist dabei – quasi immer auch – ohne Kommunikationsberater hilfreich. Wäre ich Kultusminister und du Deutschlehrer, dann wärst du längst gefeuert.

Was der Begriff suggeriert: (…)

Das muss man sich nicht geben, Quasi-Johannes, dass einer wie du, der von der Suggestion lebt und ständig welche definiert, einem erklärt, was Andere „suggerieren“ wollen. Weil schon deine Erklärung nichts anderes als Suggestion ist. Kommunikationsberater wären auch in Goebbels´Propagandaministerium in Lohn und Brot gekommen.

Masterplan“ entspringt eigentlich dem Bereich der Stadtplanung. Dort bezeichnet er eine umfassende Strategie, mit der ein städtebauliches Projekt realisiert werden soll – etwa der „Masterplan HafenCity“ der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Dieser Ursprung ist interessant in Bezug auf Seehofers „Masterplan Migration“: Auf lokaler Ebene steht der Terminus schließlich für ein hohes Maß an Handlungsmacht sowie Steuerungs- und Planungsmöglichkeit. Das ist auf der überschaubaren, lokalpolitischen Ebene wohl auch oft gegeben. Der Begriff vom „Master“ suggeriert damit, dass da jemand ist, eine Behörde oder ein Minister, der die angestrebten Ziele in Eigenregie lösen kann. „Masterplan“ steht also für Unabhängigkeit, Handlungsfähigkeit und Kontrolle.“

Und noch nicht mal als Kommunikationsberater taugst du einen Pfifferling, Johannes Immerauch. Das „Master“ in „Masterplan“ hat mit einem Meister oder einer omnipotenten Person überhaupt nichts zu tun. „Master“ steht für „Haupt“ wie in dem englischen Wort „Masterswitch“. Das wäre der Hauptschalter und nicht der Meisterschalter. Was du hier suggerieren willst, ist, dass du angeblich kein Ignorant seist. Glatter Fehlschlag.

„Masterplan“ wäre am ehesten zutreffend übersetzt mit „grobe Marschrichtung“ oder „Generalplan“. Hätte Seehofer aber „Generalplan“ genommen statt „Masterplan“, wäre deinereiner der erste gewesen, der behauptet hätte, Seehofer „suggeriere“ eine militärische Auflösung des Flüchtlingsstroms. Jedes Stück Masterseife, mit dem sich deinereiner den Mund auswaschen müsste, wäre die reine Verschwendung. Euereiner hat noch nicht mal die Absicht, je ein sauberes Maul zu bekommen.

Warum das in die Irre führt: (…)

„Masterplan“ führt keineswegs in die Irre. Irre führen die Süddeutsche Zeitung. So schaut’s aus. Wäre es anders, würden sie einen wie dich keine Gastbeiträge schreiben lassen.

Migration ist eine globale Herausforderung, keine lokale Stadtteilverschönerung.“

Das ist die nächste Sauerei, die irgendwelche Komunikationsberater ausgeheckt haben: „Problem“, stellten sie in ihrer ganzen Bauernschläue fest, ist ein Begriff, der „irgendwie problembehaftet“ ist, weil die Leute oft trübsinnig und fatalistisch werden, wenn sie feststellen, dass sie ein Problem haben. Sie ergeben sich entweder ihrem Schicksal oder neigen zu effizienten Problemlösungen. Die immer auch bauernschlauen Kommunikationsberater: Lasst uns deshalb an ihren Sportsgeist appellieren und das Problem als „Herausforderung“ bezeichnen. Dann nehmen sie es olympisch und finden bloß noch, dass es wichtig ist, dabei gewesen zu sein. Dir gebe ich „Herausforderung“! Übrigens: Die Kanzlerin redet ständig von „Herausforderungen“ statt von „Problemen“. Die allerdings tut das, weil sie von Problemen nicht herausgefordert, sondern überfordert ist. Immer auch Unterschied, Quasi-Johannes!

Laut Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen waren Ende 2017 etwa 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht.

Je höher die „Flüchtlingszahlen“, bei denen Asyltouristen und Armutsmigranten inkludiert sind, desto besser für die Zukunft des Flüchtlingshilfswerks. Von Flüchtlingshilfe leben nicht wenige Leute. Mit Flüchtlingshilfswerktätigen ist es wie mit Gleichstellungsbeauftragten und Antisemitismusforschern: Je aufgebauschter das Problem – ‚tschuljung, die Herausforderung – desto größer die eigene Wichtigkeit. Verhüte Gott, dass solche Leute jemals ihre Arbeit zu einem Ende bringen. Sie wären glatt arbeitslos. Einigen wir uns einfach darauf, dass viel zu viele Menschen weltweit aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen – und vergessen wir die Zahl 68,5 Millionen getrost. Ein Pfarrer lebt auch vom Predigen, was einen nicht zu unterschätzenden, inhaltlichen Einfluss auf seine Predigten hat.

Durch die Klimakrise werden in den kommenden Jahren noch deutlich mehr Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Globale Probleme lassen sich nur global lösen. So ist es beim Terrorismus, beim Klima oder eben bei der Migration. Für EU-Mitgliedsstaaten und die Länder des Schengenraums gilt das umso mehr, weil die nationalen Grenzen grundsätzlich offen sind und man sich eine gemeinsame EU-Außengrenze teilt. Deshalb gibt es eine europäische Flüchtlings- und Asylpolitik, auch wenn über deren konkrete Gestalt derzeit keine Einigkeit zwischen den EU-Ländern besteht.

Erstens gibt es keine Klimakrise, sondern einen nachgewiesenermaßen natürlichen Klimawandel. Zweitens gibt es keine „globalen Probleme“. Probleme treten immer örtlich auf. Australier und Japaner wissen das beispielsweise. Wieso überhaupt Probleme, auf einmal? Bis gerade eben waren es doch noch Herausforderungen? Wir in Deutschland hätten keines dieser angeblich „globalen Probleme“, wenn uns nicht grüne Kommunikationsberater ständig einreden wollten, dass wir sie haben. Woher das wiederum kommt, ist auch klar: Weil grüne Kommunikationsberater ein ähnliches Lied singen wie Adolf & the Nazis: Heute Problemdeutschland und morgen die ganze Problemwelt.

Aber gut: Probleme löst man am besten dort, wo sie auftreten, anstatt sie zuerst zu importieren und dann festzustellen, dass sie hier nicht lösbar sind. Im Übrigen sollte man nicht derartig abgehoben sein, zu unterstellen, man sei generell zuständig für die Lösung der Probleme der Anderen („Masterzuständigkeit“), weil ohne einen selbst keine Lösung möglich sei. Beteiligen könnte man sich an der Problemlösung – und zwar nach einer realistischen Bestandsaufnahme der eigenen Möglichkeiten. Bei jeder Bergrettung gilt, dass die Sicherheit des Retters Vorrang hat vor den Nöten des Verunglückten. Bei einem Unfall gilt: Erst die Unfallstelle absichern. Wenn nämlich der Retter verunglückt, sind alle miteinander rettungslos verloren. Das ist eine Gesetzmäßigkeit. Die wiederum muss einem Quasi Johannes Immerauch nicht besonders „menschlich“ vorkommen, um eine zu bleiben. Selbstschutz geht vor.

Das war’s schon, Quasijohannes. Mit deinem Gastbeitrag in der Alpen-Prawda kann man sich nicht mal den Hintern abwischen, ohne befürchten zu müssen, binnen 48 Stunden an einer schmerzhaften Arschlochvergiftung zu sterben.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.