Neuverfilmung: „Das Boot“ wird politisch korrekt

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Und wenn der "Spiegel" kommt, dann laufen wir! (Foto: Collage)

Eigentlich sollte man um den SPIEGEL einen großen Bogen machen. Und nach der Lektüre des Artikels „Re-Boot“ ärgere ich mich, dass ich es nicht getan habe. In diesem Fall ging es ausnahmsweise nicht um Trump, Putin oder die AfD, sondern ums Fernsehen. Mittlerweile sind, vermutlich aufgrund mangelnder Phantasie, Neufassungen berühmter Filme keine Seltenheit. Auf der Suche nach geldbringenden Marken sind die Produzenten im Filmlexikon beim Buchstaben D angelangt und erblickten „Das Boot“ und „Das Parfum“. In Deutschland bestens bekannt, schon etwas angestaubt und somit der „Modernisierung“ ausgeliefert.

 Von Nils Kröger

„Deutsche Serienmacher werden mutiger, die Produktionen größer und teurer. Mit Neufassungen von „Das Boot“ und „Das Parfum“ stehen die nächsten Blockbuster bereit. Halten sie, was sie versprechen?“, fragt der Spiegel.

Hat denn eine Neufassung etwas mit Mut zu tun bzw. kommt dort etwas Vernünftiges heraus? In der Regel nein… Jeder braucht nur in die jüngste filmische Vergangenheit zu schauen und weiß, es geht fast immer in die Hose. Nehmen wir zum Beispiel Star Wars-Die letzten Jedi. Das einst wunderbare Weltraummärchen ist komplett zu einem politisch korrekten SJW-Witz geworden (Held neuerdings eine Frau die ohne Training alles kann, der „neue“ Luke Skywalker wollte seinen Neffen ermorden usw.). Das passt einfach nicht. Zu diesem Thema sei auf das hervorragende Video „Hollywood“ verwiesen, in dem eine treffende Analyse dazu stattfindet. Nun aber wieder zum Artikel. Primär behandle ich „Das Boot“ weil, meiner Meinung nach, der größte Schaden dort zu erwarten ist (ganz ohne Feindberührung). Aus dem Bericht ergeben sich einige Anhaltspunkte, dass „Das Boot“ nicht „Das Boot“ bleibt.

„Das Boot“ von Wolfgang Petersen ist einer der Schätze der deutschen Kulturgeschichte. Vor 37 Jahren kam der Film in die Kinos, 1985 die fünfteilige Serie ins Fernsehen, beides kann man heute auch als junger Mensch so großartig finden wie eine andere Generation Jahrzehnte zuvor. Wenn man so einen Klassiker neu verfilmt, kann man eigentlich nur verlieren.

Damit ist alles gesagt. Der Film zeigte die ganze Härte und das Grauen des Krieges für Soldaten, ohne dabei pathetisch bzw. heroisch zu wirken (anders als amerikanische Filme) und war zurecht für den Oscar nominiert. Weshalb soll also dieser Klassiker nun „entstaubt“ werden?

Die Strategie beider Serien ist logisch: Mit einem berühmten Werk wie „Das Boot“ hat man es beim Publikum leichter als mit einem unbekannten Stoff. Viele Menschen werden neugierig sein, was aus den Klassikern geworden ist. Gleichzeitig erspart man sich den direkten Vergleich und kann nach Herzenslust dort nachbessern, wo man das Original als Produzent mit Dollarzeichen in den Augen für nicht mehr ganz zeitgemäß hält.

Mutige Produzenten glauben an ihr Produkt und werben dafür. Dann verkauft sich das von ganz allein. Da braucht es keinen Markennamen, der, wie sich noch herausstellen wird, nur als Sprungbrett dient. Aber lieber nehmen sich die Filmemacher die Politik als Vorbild und wählen den Weg des geringsten Widerstandes. Weiterhin lassen die Hinweise „nachbessern“ und „nicht mehr ganz zeitgemäß“ einen bereits jetzt schon gruseln, und es kommt natürlich wie es kommen musste:

Deswegen gibt es in der neuen Version von „Das Boot“ auch Frauen, Widerstandskämpferinnen sogar, damit auch die Zuschauerin von heute abgeholt wird. Für die wurde sogar ein separater Erzählstrang erdacht, der gar nicht an Bord spielt, sondern im französischen Hafen La Rochelle. Das löst auch dass vermeintliche Problem, dass man sonst über acht Folgen auf engstem Raum mit einem Haufen mehr oder weniger überzeugter Nazis eingesperrt wäre.

Wer ist denn die Zuschauerin von heute? Oma Erna in irgendeinem Provinzdorf oder Ciara-Moon im grün-linken Rotweingürtel oder einem anderen hippen Szeneviertel? Die Antwort kennen wir alle. Prinzipiell gibt es mit der Zeit zwischen 1933 bis 1945 für „moderne“ deutsche Produzenten ein Problem. Es kann kein „Black Washing“, wie ihn die BBC betreibt, oder sonstiger anachronistisch politisch korrekter Quatsch erfolgen. Dies würde (vermutlich) selbst der Bionade-Bourgeoisie auffallen und den gesamten „Krampf gegen Rechts“ konterkarieren. Da anscheinend trotzdem diese Schiene irgendwie bedient werden soll, fügen die Filmemacher einen Erzählstrang für die „Zuschauerin von heute“ ein. Aber auch hier ergibt sich ein Problem. Denn ich kenne keine einzige Frau, die sich für diese Zeit besonders interessiert. Es sei denn, die Frauen haben damit beruflich zu tun (Historikerin oder Geschichtslehrerin etc.). Es bleibt also quotentechnisch an den Männern hängen.

Interessant ist aber auch „die Begründung“ im letzten Satz und typischer SPIEGEL-Terminus. Da werden pauschal sämtliche Besatzungsmitglieder als Nazis diffamiert. Im Original gab es nur einen Nazi (!) an Bord. Aus heutiger Sicht geht das natürlich überhaupt nicht. Denn mittlerweile sollen die auch schon wieder im Reichstag sitzen. Davor muss die „Zuschauerin von heute“ selbstverständlich geschützt werden. Nicht, dass die wenigen weiblichen Zuschauer noch Sympathien für die bösen weißen Männer in ihrem Überlebens- bzw. Todeskampf entwickeln. Dies muss selbst der SPIEGEL zugeben.

Dass gerade Letzteres das Original so faszinierend und packend gemacht hat, scheint damit vergessen. Zwar soll wieder die Feindfahrt eines deutschen U-Boots im Mittelpunkt stehen, doch bei der Vorstellung in München war auffällig viel von der parallel laufenden Widerstandsgeschichte die Rede.

Tja, wenn selbst der SPIEGEL-Autor dies erkennt, soll das schon etwas heißen. Die Marke dient offensichtlich nur als Aufhänger, und das hat wenig mit Mut zu tun. Zum Ende noch ein paar kleine aufschlussreiche Informationen. Einer der Produzenten ist die Bavaria Fiction GmbH (produziert etwa „Die Rosenheim-Cops“, „Polizeiruf 110“ oder „SOKO Stuttgart“ etc.) und die gehört zur Hälfte der ZDF Enterprises GmbH (100%ige privatwirtschaftliche Tochtergesellschaft des ZDF). Weiterhin ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Bavaria Fiction GmbH der ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut. Noch Fragen?

Da bleib ich doch lieber beim Original.

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