Viele Merkwürdigkeiten rund um den NSU – Es bleiben Zweifel

Beate Tschäpe war zur Tatzeit nicht am Tatort - der Verfassungsschutz dagegen schon. Foto: Imago

München – Am 11. Juli will das Oberlandesgericht München das Urteil im NSU-Prozess sprechen. Doch ist die Geschichte so simpel, wie manche Medien berichten? Neun tote Zeugen, 40 involvierte Verfassungsschützer, merkwürdige Berichte türkischer Ermittler und viele andere Zweifel. Unser Autor erzählt eine etwas andere Geschichte. 

 Von Thomas Schlawig

„Lebenslange Freiheitsstrafe, Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung.“ Das ist die Forderung der Bundesanwaltschaft im NSU-Prozess für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, die seit sieben Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Ein kurzer Blick zurück: Von 2000 bis 2006 wurden Morde an acht Türken und einem Griechen begangen, ein Jahr später wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen. 2011 brannte in Eisenach ein Wohnmobil, in dem die Feuerwehr nach den Löscharbeiten zwei Leichen fand, die Schusswunden aufwiesen: Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Damit stand der NSU im Mittelpunkt. Doch was haben die Männer wirklich mit der Mordserie zu tun?

Anfangs sah es ganz danach aus, als wären die Morde in einem kriminellen Milieu von Drogenhandel, Schutzgelderpressung sowie Wettbetrügereien und verschobener Fußballspiele begangen worden. Heiße Spuren wurden diesbezüglich sowohl in der Türkei wie auch in Deutschland verfolgt.

Am 12.12.2009 verfasste Fikret Deniz auf Turkishpress einen Artikel unter dem Titel: „’Döner-Morde‘ wegen Wettschulden?“ In dem Bericht des türkischen Landeskriminalamtes an die ermittelnden deutschen Behörden hieß es, die acht Opfer der „Döner-Morde“ zählten zu Verteilern im Drogen-Milieu. Zudem sollen die Opfer Schutzgelder an die PKK in Europa und den Familienclan in Diyarbakir gezahlt haben. Die erfolgreichen Ermittlungen im Drogenmilieu in der Türkei und Festnahmen hätten die Drogenverteilung und die Einnahmen der Terrorganisation seit längerer Zeit massiv gestört. Der Clan habe in dieser Phase in Europa Fuß fassen wollen, einen neuen Drogenring aufgebaut und Schutzgelder erpresst. Daher gingen die ermittelnden türkischen Behörden davon aus, dass zwischen PKK und dem Clan ein Drogenkrieg ausbrach und die Drogenverteiler in dieser Auseinandersetzung getötet wurden. Die Ermittler gaben an, die Morde habe ein vom Familienclan beauftragtes fünfköpfiges Killerkommando begangen. Die Morde habe immer ein Täter dieses Teams mit drei verschiedenen Pistolen der Marke Ceska begangen. Dem Bericht zufolge wurden die Täter sowie der Familienclan namentlich aufgeschlüsselt und die Nürnberger Kripo davon unterrichtet.

Am selben Tag berichtet Spiegel.de: „Spur der Döner-Mörder führt zur Wettmafia“. Zitat: Die Polizei verfolgt eine heiße Spur: Die Ermittlungen wegen verschobener Fußballspiele haben einen Hinweis auf die sogenannten Döner-Morde ergeben – eine der mysteriösesten Tötungsserien Europas. Hatten die neun Erschossenen Schulden bei der Wettmafia?“

Warum diese heißen Spuren von den ermittelnden deutschen Behörden nicht weiterverfolgt wurden, ist nicht zu erklären.

Am 15.04.2006 veröffentlichte Spiegel.de den Text „Die Spur der Ceska“. Darin heißt es: „In einer beispiellosen Mordserie wurden neun eingewanderte Kleinunternehmer mit derselben Pistole getötet. Doch Landsleute und Familien schweigen – wohl aus Angst vor den Killern.“

Es gab sogar mögliche Hinweise auf den oder die Täter. Nach dem Mord an dem Gemüsehändler Habil K. am 29. August in München-Ramersdorf sagten Passanten, sie hätten einen ausländischen Mann mit Schnurrbart weglaufen und in ein dunkles Auto steigen sehen. Doch sahen Böhnhardt und Mundlos „ausländisch“ aus oder trugen sie einen Schnurrbart?

Merkwürdig, dass auch die Täterbeschreibung beim Mord Ismail Y. 2005 so gar nicht zu den beiden toten Rechtsextremisten passt: „Bauarbeiter hatten zur selben Zeit zwei Radfahrer beobachtet: Sie standen an einer Litfaßsäule, studierten einen Stadtplan. Dann stellten sie ihre Räder direkt vor Y.s Stand ab, gingen hinein, kamen rasch zurück und steckten eilig einen Gegenstand in den Rucksack. Die Augenzeugen erinnerten sich so gut an die beiden Radfahrer, dass es von den mutmaßlichen Tätern nun endlich ein Phantombild gab – sie sehen sich ähnlich wie Zwillingsbrüder.“

Nun gab es von den mutmaßlichen Tätern endlich ein Phantombild – und „sie sehen sich ähnlich wie Zwillingsbrüder“. Doch das einzige, was an den beides Uwes ähnlich bzw. gleich ist, sind die Vornamen. Der eine hat markante Segelohren, der andere nicht.

Der nächste Fall: Im „Demokratischen Kulturverein“ im Kasseler Norden, drei Häuser neben dem türkischen Internet-Café, in dem der 21-jährige Halit Y. durch zwei Schüsse aus einer Ceska getötet wurde, spielte sich folgende Szene ab. Zitat: „Ein älterer Türke blättert in einer Zeitung. Über die Schüsse von nebenan will er keinesfalls reden. Doch in einem ist sich der Gast sicher: ‚Eure Polizei wird den Fall nicht lösen.'“

Damit sollte der ältere Mann recht behalten – bis zum 4. November 2011, denn an jenem Tag starben Mundlos und Böhnhardt, Zschäpe zündete ihre Zwickauer Wohnung an und verschickte Bekennervideos. Was den ermittelnden Behörden in Deutschland über zehn Jahre nicht gelang, klappte nun quasi über Nacht. Bis dahin hatten die Ermittler „rechtsextreme Hintergründe“ der Verbrechen weitgehend ausgeschlossen und Täter im Umfeld der Opfer gesucht, was viele Angehörige „stigmatisierte“.

Dabei tappten die Ermittler noch am 21.02.2011 vollkommen im Dunkeln. Düstere Parallelwelt“ schrieb Spiegel.de: „Acht Türken und ein Grieche wurden mit derselben Tatwaffe erschossen. Es gibt Hinweise, dass eine Allianz türkischer Nationalisten, Gangster und Geheimdienstler dahinter stehen könnte.“ Wie schnell sich das Blatt doch wenden kann. Will man zwei tote Rechtsradikale alles unterschieben? Wehren können sie jedenfalls sich nicht mehr.

Noch kurz bevor man die beiden als mutmaßliche Täter enttarnen konnte, verfolgte die Nürnberger Soko „Bosporus“ eine gänzlich andere Spur: „Ein Informant aus der mafiösen Organisation türkischer Nationalisten, die für die Taten verantwortlich sein sollen, war nach SPIEGEL-Informationen nun bereit, die Ermittler zur Tatwaffe, einer Ceska Typ 83, zu führen. Die Pistole befindet sich angeblich in einer Villa in der Schweiz in der Nähe des Bodensees“, schreibt Spiegel-Online: „Für seine Hilfe bei der Aufklärung der Döner-Morde wollte der Mann Geld und das Entgegenkommen der Justiz. Der Informant war wegen eines gefälschten Führerscheins und einiger Vorstrafen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Da sich die Staatsanwaltschaft weigerte, die Haft zur Bewährung auszusetzen und nur die geforderte Summe von 40.000 Euro zahlen wollte, brach der Mann den Kontakt zur Soko ab.“

Warum endete aber die Mordserie an den Ausländern am 6. April 2006 – nach dem Mord an dem Internetcafé-Betreiber Halit Y., 21, in Kassel, obwohl Mundlos und Böhnhardt bis zu ihrem Tod noch mehr als fünf Jahre auf freiem Fuß waren? Dafür hatten die Ermittler seinerzeit eine Erklärung: „Und weil alle Spuren abgearbeitet sind und alle Wege ins Drogen-, Glücksspiel- und Schutzgeldmilieu im Nichts endeten, klammern sich die Nürnberger Ermittler an die These vom mordenden Psychopathen: Irgendwer hasst offenbar türkische Döner-Verkäufer und Gemüsehändler so sehr, dass er sie vernichten will. Er reist – vielleicht als Handelsvertreter – durch Deutschland, im Gepäck die Ceska, und lauert auf das nächste Opfer. Eine mögliche Erklärung, sicher, aber ist sie auch plausibel?“

Anders als die Nürnberger Ermittler waren viele Fahnder der Sonderkommission überzeugt, dass die Spur der Morde in Wirklichkeit in eine düstere Parallelwelt führt, in der eine mächtige Allianz zwischen rechtsnationalen Türken, dem türkischen Geheimdienst und Gangstern den Ton angibt. Und sie glaubten, dass sie bei ihren Ermittlungen diesem Täterkreis so nahe gekommen sind, dass die Mordserie dadurch gestoppt wurde.

Allerdings fehlen auch dafür Beweise, weil alle Ermittlungen irgendwann an einer Mauer des Schweigens endeten. Die Beamten berichteten von einer herrschenden Angst. Einer Angst vor dem „tiefen Staat“, einem Netzwerk aus Ultranationalisten, Militärs, Politikern und Justiz.

Dann kam aber plötzlich alles ganz anders. Deswegen müssen diese Fragen gestattet sein:

Eine Spurensuche: „’Nichts, überhaupt gar nichts. Man hat‘, sagt die Nürnberger Kriminalhauptkommissarin Elke Schönwald, ’noch nicht einmal das Schwarze unter dem Fingernagel‘. Keine gute Nachricht nach zehn Jahren Ermittlungsarbeit. Es gab neun Tote, sieben Sonderkommissionen, 3500 Spuren, 11 000 überprüfte Personen, Millionen Datensätze von Handys und Kreditkarten. Und nicht den Hauch eines Ergebnisses.’“

Das war der Stand bis zum Februar 2011. Zehn Jahre Ermittlungsarbeit und „noch nicht einmal das Schwarze unter dem Fingernagel“. Aber acht Monate später sind alle Mordfälle mit einem Schlag geklärt. Inklusive dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn und dem Mordversuch an ihrem Kollegen, diverser Sprengstoff-und Bombenanschläge etc. Doch der ehemalige Präsident des Landesverfassungsschutzes Thüringen, Dr. Roewer, zweifelt. In diesem Video bringt er einiges Licht ins Dunkel. Einige Eckpunkte daraus:

  • Nach der Meinung Roewers habe Terrorismus den Staat im Visier und würde somit an diesen eine Botschaft senden. Das ist bis zur Entdeckung des „NSU“ jedoch nie geschehen. Im Gegenteil, Böhnhardt und Mundlos haben alles daran gesetzt, um über Jahre im Geheimen zu agieren, nicht entdeckt zu werden. Das mache keinen Sinn.
  • Roewer sagt: „Es ist wahrscheinlich, dass ein kleiner Kreis der Opfer und ihrer Angehörigen wusste, worum es ging. Ein kleiner Kreis. Es war nicht die Bevölkerung, es war nicht die deutsche Politik, es waren nicht die Sicherheitsbehörden […].“
  • Weiterhin sagt er: „Es kann durchaus sein, dass wir es hier mit politischen Gruppierungen zu tun haben, die ethnisch bedingt sind, also Kurden gegen Türken […].“  (siehe „Spiegel“ vom 21.02.2011)
  • Verwandte haben ausgesagt: „[…] der Tote ist so und so mit mir verbandelt oder verwandt, und die ganze Familie hat sowieso nicht mit ihm gesprochen, er war auf der schiefen Bahn. Das ist in drei Fällen deutlich nachweisbar. Es spricht somit gegen die Rechtsextremisten-Story. Die Polizeiermittlungen bestätigen das.
  • An den Tatorten gab es keine (DNA)-Spuren, die auf die Uwes hindeuteten. Es gab jede Menge Spuren von anderen Leuten, die man versucht hat zuzuordnen, und zum Teil sind sie auch zugeordnet worden. Diese Ergebnisse waren unerfreulich. Insofern, als es Schwerkriminelle waren und es ebenfalls gegen jede Rechtsextremismus-Theorie sprach. Die Fahndung nach diesen Leuten hat ergeben, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die sich in Richtung Türkei abgesetzt haben.
  • Roewers Eindruck ist, dass die Türkei die Ermittlungen nicht euphorisch unterstützt hat, um es milde zu formulieren.
  • […] Ermittlungen haben dazu geführt, dass alle, bis auf einen, steuerlich auffällig geworden waren, also keine Steuern gezahlt haben, obwohl sie offensichtlich von irgendetwas normal lebten. Sie hatten alle Steuerstrafverfahren am Mann. Auch die Verwandten hatten Schwierigkeiten zu erklären, wovon die betreffenden Personen ihren Lebensunterhalt bestritten haben.
  • In zwei Akten ist mir (Roewer) aufgefallen, dass die Angehörigen, der Polizei gesagt haben […] das musste so kommen.
  • Bekennervideos gab es in mehreren Versionen. Ein Teil der Videos ist vor dem Tod und ein Teil nach dem Tod der beiden Jenenser entstanden. Kein Tat-Täter-Bezug in den Videos. Das Ambiente und die Aufmachung der Videos lassen eher auf die politische Gegenseite schließen. Passt nicht ins rechtsextremistische Lager. Genmaterial auf den Videos passt laut BKA zu bekannten Leuten aus der Antifa-Szene. Auftauchen von modifizierten Bekennervideos nach dem Tod von Uwe B. und Uwe M. Urheber dieser Version kann auch Frau Zschäpe nicht gewesen sein. Videoersteller unbekannt.
  • Die Tatwaffe „Ceska“, wurde als Auftragsarbeit in überschaubarer Zahl für das MfS in Ost-Berlin hergestellt. Verbleib (aller) Waffen unbekannt.
  • Die vermutliche Tatwaffe ist im Brandschutt in Zwickau gefunden worden. BKA kann nicht sagen, ob es die Tatwaffe ist. Beschädigungen durch Brand. Keine Spuren auf der Waffe.
  • Bei den Taten sind mehrere Schusswaffen im Einsatz gewesen.
  • Der Polizistenmord (Heilbronn) sei zu Waffenbeschaffungszwecken erfolgt. Zwei Kriminelle hatten ein Waffenarsenal von zehn bis zwölf Schusswaffen und brauchten zwei Heckler und Koch der Polizei? Alles spricht gegen diese Taterzählung. Zeugen sagten aus, die Polizistenmörder sind südländisch aussehende Typen gewesen. Jedenfalls nicht diese beiden (Böhnhardt und Mundlos).
  • Die Selbstmordversion ist widerlegt. Bei der Obduktion wurden weder bei Mundlos noch bei Böhnhardt Rußpartikel in der Lunge festgestellt. Zudem war die Pumpgun nach zwei Schüssen wieder geladen. Es muss ein Dritter vor Ort gewesen sein und beide ermordet haben.
  • In einem „Tatort“ 2001 und einer Folge der „Küstenwache“ 2004 wurden Akten gezeigt, in denen die Fahndungsfotos von B. und M. zu sehen waren. Im „Tatort“ ging es um Vergewaltigung und in der „Küstenwache“ um die Mitgliedschaft in der Radikalislamischen Gruppierung (RIG). Die Ermittler sind dem nachgegangen und es wurde erklärt, „dafür wäre ein Praktikant verantwortlich gewesen“.
  • Im Zuge der Ermittlungen sind alle Behördenchefs (LKA, BKA, VS) ausgetauscht worden.
  • Ein großer Teil der Ermittlungsakten sind an die Öffentlichkeit gelangt.

Worauf in dem Gespräch mit dem ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Thüringens überhaupt nicht eingegangen wird, ist das mysteriöse Zeugensterben.

  • Januar 2009, Arthur C.: Der erste der fünf Toten. Er soll Suizid begangen haben. Der Name des 18-Jährigen taucht in den Ermittlungsakten eines NSU-Mordes auf. Im Januar 2009 verbrannte er in seinem Auto auf einem Waldparkplatz bei Heilbronn.
  • September 2013, Florian H.: Ein Mann verbrennt in seinem Auto. Es ist der 21-jährige Florian H., ein Aussteiger aus der rechten Szene. An seinem Todestag sollte er eigentlich bei der Polizei aussagen, die Staatsanwaltschaft geht dennoch von Selbstmord aus.
  • April 2014, Thomas Richter alias Corelli: Der Tod von Thomas Richter – auch er ist mysteriös. Er hatte jahrelang als V-Mann für den Verfassungsschutz gearbeitet. Nach seiner Enttarnung landete er in einem Zeugenschutzprogramm, lebte in einem Haus in Paderborn. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes fanden ihn dort tot auf. Der 39-Jährige soll an einer unentdeckten Diabetes-Erkrankung gestorben sein. Die Geschichte um den Tod des V-Mannes wird gerade immer bizarrer. Die Staatsanwaltschaft will den Fall neu untersuchen.
  • März 2015, Melissa M.: Nur einen Monat nach ihrer Aussage im NSU-Ausschuss stirbt die 20-Jährige. Sie ist die Ex-Freundin von Sascha W., der dann im Februar 2016 ebenfalls verstirbt (siehe unten). Auch Melissa M.s Tod ist rätselhaft: Sie stürzte mit dem Motorrad, prellte sich dabei aber nur das Knie. Laut Obduktionsbericht starb sie wenig später an einer Lungenembolie, die durch eine Thrombose entstanden sein soll.
  • Februar 2016, Sascha W.: Laut den Ermittlungsbehörden soll er Selbstmord begangen haben. Er war der Verlobte von Melissa M., die im Vorjahr verstorben war. Zu den Details von W.s Tot schweigt die Staatsanwaltschaft, die Ergebnisse seiner Obduktion sind noch nicht bekannt.

Hier endet zunächst die Chronologie der Todesfälle laut WDR, aber sie geht weiter.

  • Die Umstände des Todes der NSU-Zeugin Corinna B. werden auch nach fast zwei Wochen nicht mitgeteilt. Das Justizministerium von Baden-Württemberg und der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages schweigen (Weitere NSU-Zeugin tot: Sie kannte Mundlos und Zschäpe). Corinna B. starb am 2. Februar 2017 im Alter von 46. Drei Tage zuvor, am 30. Januar, hatte der NSU-Ausschuss in Stuttgart beschlossen, sie als Zeugin zu hören.
  • Zu den Toten gehört auch Lieselotte W., die 80-jährig im Juni 2016 verstarb. Sie war eine der wichtigsten Augenzeugen nach dem Mord an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter und dem Mordversuch an dem Beamten Martin Arnold am 25. April 2007. Unmittelbar nach dem Anschlag sah sie am Tatort Theresienwiese in Heilbronn einen Mann heraneilen, dessen linke Körperseite stark blutverschmiert war und der in ein wartendes Auto stürmte. Frau W. hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen der Täter oder Mittäter gesehen. Nach ihren Angaben erstellte die Polizei zwei Phantombilder von dem Mann, die aber nie offiziell veröffentlicht wurden. Erst 2013 druckten verschiedene Zeitungen sie ab.

Die nach Angaben der Verstorbenen erstellten Phantombilder.

Keines der Bilder hat eine auch nur entfernte Ähnlichkeit mit Böhnhardt oder Mundlos. Während die Ermittler der Zeugin damals absolute Glaubhaftigkeit attestierten, änderte sich das nach 2011 mit der Festlegung der Täterschaft auf den NSU. Nun zogen führende Leute ihre Beobachtungen in Zweifel. Andere frühere Ermittler halten jedoch an ihrer positiven Einschätzung der Augenzeugin bis heute fest.

Von zwei weiteren Zeugen ist ebenfalls bekannt, dass sie tot sind:

  • Einer, Manfred K., fuhr am Tag des Polizistenmordes an derselben Stelle vorbei wie Frau W., nur etwa zehn Minuten früher. Er sah einen Streifenwagen zum späteren Tatort Theresienwiese einbiegen. Kiesewetter und Arnold seien das nicht gewesen. Am Steuer habe ein einzelner Beamter in Uniform ohne Beifahrer gesessen. Er wurde nie ermittelt. Der 2013 im Alter von 56 an Krebs verstorbene Zeuge war einer von fünf Zeugen, die in den 40 Minuten vor dem Anschlag jeweils einen Streifenwagen der Polizei an oder auf der Theresienwiese bemerkt hatten. Dieser Streifenwagen ist nicht identifiziert.
  • Im April 2015 verstarb außerdem Muzaffer T., der zum Zeitpunkt der Nagelbombe von Köln im Juni 2004 zusammen mit seinem Bruder Talat T. am Tatort Keupstraße war. Muzaffer wurde Zeuge und Opfer des Anschlages zugleich. Er wurde am Arm verletzt, konnte das Krankenhaus aber bald wieder verlassen. Das Besondere: Talat T. war türkischer Offizier im Range eines Oberstleutnant. Die Gründe für die Anwesenheit der beiden Brüder in der Keupstraße wurden nie ganz klar. Muzaffer T. lebte in Berlin, sein Bruder Talat in der Türkei. Im Januar 2015 waren beide als Zeuge im Prozess in München geladen. Muzaffer bekam Kreislaufprobleme und wurde von der Vernehmung verschont. Er starb an Krebs und wurde 72 Jahre alt.

Mindestens neun tote NSU-Zeugen – manche sind alters- oder krankheitsbedingt gestorben, und an den vielen anderen Tatorten dürfte es inzwischen noch mehr verstorbene Beteiligte geben. Der NSU-Komplex kommt in die Jahre. Da er jedoch nicht aufgeklärt ist, spielen die vielen Zeugen und das, was sie wahrgenommen haben, nach wie vor eine Rolle.

Ernste Zweifel an den Todesumständen bleiben vor allem bei den jungen Zeugen, die auf „unnatürliche“ Weise ums Leben kamen, wie Arthur C. (18, verbrannt), Florian H. (21, verbrannt), Thomas Richter (39, plötzlicher Zuckerschock), Melisa M. (20, Lungenembolie) und Sascha W. (31, erhängt). Den Tod von Corinna B. kann man bisher davon nicht ausnehmen.

Aus Chronistenpflicht seit ergänzt: Auch ein Ermittlungsgutachter zum Kiesewetter-Mord ist nicht mehr am Leben. Am 29. Juli 2016 verstarb 73-jährig „nach schwerer Krankheit“, wie es hieß, der Rechtsmediziner Heinz-Dieter Wehner, der unter anderem die Kopfschüsse auf die beiden Beamten Kiesewetter und Arnold rekonstruierte und zu dem Ergebnis kam, zwei Rechtshänder müssen den Anschlag verübt haben. Uwe Böhnhardt war Linkshänder.

Wehner hatte außerdem die Blutspritzer von Kiesewetter auf einer Hose, die in der Wohnung des Trios in Zwickau gefunden wurde, untersucht. Er bezweifelte, dass der Träger dieser Hose die Dienstwaffe von Kiesewetter entwendet hat, weil die Hose dann noch mehr Blutflecken haben müsste, was nicht der Fall ist. Ein Indiz, dass die Zwei-Täter-Theorie in Frage stellt.

Wehner war sowohl im Prozess in München als Sachverständiger geladen als auch mehrfach im Untersuchungsausschuss von Baden-Württemberg. Zuletzt im Oktober 2015. Dabei hatte er zur Überraschung unter anderem erklärt, dass das Polizeiauto, in dem die beiden Opfer niedergeschossen wurden, für seine Untersuchungen nicht mehr existierte.“

Das alles ist hier noch einmal zusammengefasst. Aber besonders merkwürdig sind diese beiden Tatsachen:

  • Polizeidirektor Michael Menzel (Kripo Gotha) beschlagnahmt die Speicherkarte aus einem Fotoapparat der Feuerwehr, „weil [so Menzel] klar ist, das sind die ersten Bilder vom Tatort und die gehören zur Polizeilichen bzw. zur Staatsanwaltlichen Akte“ (befragt in der letzten (!) Sitzung des Thüringer Untersuchungsausschusses am 31.03.2014 ). Seitdem ist die Speicherkarte verschwunden.
  • […] lässt Menzel das Wohnmobil (mit den noch nicht ärztlich untersuchten Leichen) einfach auf einem Abschleppwagen abtransportieren. Das Fahrzeug wird in einer unbewachten, nicht gegen Manipulationen gesicherten Halle des Transportunternehmens in Eisenach abgestellt.

In dieser Gemengelage aus Tatsachen, Beweisen, Vermutungen wurde der „NSU-Prozess“ über fünf Jahre geführt. Die ersten Spuren mit Hinweis auf „eine Allianz türkischer Nationalisten, Gangster und Geheimdienstler“ wurde überhaupt nicht mehr verfolgt. Aus Rücksicht auf die damals „guten Beziehungen“ zur Türkei? Dabei sprechen zahlreiche Ermittlungsergebnisse der Polizei gegen die „Rechtsextremisten-Theorie“.

Ebenso kommen Zweifel angesichts der nachweislich bis zu 40 (!) Verfassungsschützer auf, die in die „NSU-Story“ involviert sind. Welche Rolle spielte der Verfassungsschützer Andreas Temme, der nachweislich am Tatort in Kassel zugegen war? Warum wurde dieser Mann gedeckt? Warum hat der Verfassungsschutz seine eigenen Ermittlungsakten bzgl. dieses Mordes in Kassel bis zum Jahr 2134 gesperrt? Was hat man zu verbergen?

Wandere aus, solange es noch geht!
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15 Kommentare

  1. Schon vom ersten Tag an, an dem ich hörte das dies von dem so genannten „NSU“ begannen sein sollte, hatte ich meine Zweifel daran.

  2. Es gibt m.W. keinen einzigen Beweis, dass die Zschäppe an den Morden involviert war.
    Man kann ihr vorwerfen, dass sie Brandstiftung begangen hat. Aber sonst nichts.
    Aber wie ich unsere Justiz einschätze, wir sie lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung erhalten.

  3. Wenn eine Akte 120 Jahre gesperrt wird, die die Angeklagte(n) entlasten könnte, dann ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der NSU zu 100% unschuldig ist!!!
    In den Akten sind garantiert Bewegungsprofile der Uwes und Beate, die beweisen, dass

    sie zur Tatzeit mindestens 500 Km von den Tatorten entfernt waren!

  4. Es fehlt die Sache mit dem „Wunderrucksack“☝

    Im Heckfenster des ausgebrannten Wohnmobils lag unter der geschmolzenen Plexiglasscheibe ein blitzsauberer Rucksack. Die Situation wurde von Reportern der Thüringer Zeitung fotografiert und mit einem Artikel, der die Verwunderung zum Ausdruck brachte, aus welchem absolut hitzbeständigem und schmutzabweisendem HightTecMaterial das Säckchen wäre.

    In diesem Rucksack fanden sich dann auch Banknoten und alles mögliche andere Beweismaterial, was man so für nötig erachtete….

    Okay…es war ein Nazì-Tornister….sicher wurde er aus Neuschwabenland importiert…damit wäre die Unverwüstlichkeit geklärt.

    Aber das war ja noch nicht Alles❗
    Im Inneren existierte ein Wurmloch, eine Einstein-Rosen-Brücke, ein Tunnel durch Zeit und Raum❗❗❗

    Nachdem nämlich der linksextreme Verein APABIZ das Bekennervideo fertiggestellt und verteilt hatte, gelangte ein Packen DVD’s auf diesem (oder einem anderen Weg?) in das in der Aservatenkammer eingelagerte Säckchen ☝☝☝
    Wahrscheinlich begleitet von Blitz und Donner…so, daß sich ein Beamter genötigt sah, noch einmal in die schon gewissenhaft durchsuchte Wundertüte zu schauen und den ultimativen Beweis für die Schuld der Uwes zu finden…
    😆😆😆

    Leute, das stand alles in Wort und Bild in regionalen Zeitungen❗
    Dazu die Sache mit der „Selbstlade-Pumpgun“ und die vielen anderen in dem Artikel aufgeführten Merkwürdigkeiten …😆😆😆
    (Ein Kumpel von mir hat eine Sicherheitsfirma und ist lizensierter Waffenhändler. Ich hab‘ selbst probiert, ob eine Pumpgun beim Runterfallen repetieren kann.
    Völlig unmöglich, absolut unmöglich…sagt mein Kumpel)

    FAZIT: DIE BRD IST EIN SCHURKENSTAAT ❗

    • Ein Tummelplatz für alle politischen Verbrecher und sonstiges Gesocks auf diesem Planeten.

      „FAZIT: DIE BRD IST EIN SCHURKENSTAAT“

      Definitiv und ich glaub sogar alles was wir die letzte Zeit lesen und Hören ist nur die Spitze des Eisbergs.

  5. Auch das hier:“

    Ein Iraker, der falsche Namen benutzt, sich konspirativ verhielt, war sogar
    an 2 Tatorten eingeloggt: Am Tatort des 6. Mordes in München 2005, und
    beim letzten Mord in Kassel. Dortmund (Mord 2 Tage vor Kassel) lag ebenfalls in Reichweite.

    Und er hatte „Freunde“ in Rostock. Dort geschah Mord Nr. 5 im Feb 2004.“

    Ist mehr als fragwürdig:

    https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/07/02/nsu-handy-an-1-tatort-eingeloggt-iraker-handy-an-2-zzgl-bonus/

    Der Iraker ist „zufällig“ ein Kurde aus dem Nordirak

  6. Da es kaum noch echte „Nazies“/Faschisten gab, musten welche erfunden werden! Das hat dann die „Stasi“ erledigt das nannte man dann NSU ! Nun waren das nicht die besten Stasi-Mitarbeiter Wie z.B. IM Erika /und Larfe, die Kahane von der Amadeu-Antonios Stiftung ! (Rechsschriftungskammer) und es läst sich nicht alles vertuschen! Jetzt ist die Kake am dampfen! weil man nicht alle Beteiligten beseitigen konnte! Dilettanten! Vehlgeschlagene Falese flag! 😉

  7. Ganz offensichtlich handelt es sich hier um einen politischen Prozess übelster Art. Diese dreckigen Verbrecher, die ihn inszenieren, werden eines Tages ihre Strafe abbekommen – niemand kann der Gerechtigkeit entrinnen! Sei es, dass dies durch einen Politwechsel eingeleitet wird, oder dass diese Drecksgestalten ihr nächstes Leben als Schwerbehinderter in einem Shithole-Land führen müssen, der von allen nur verachtet, angespuckt und geschlagen wird. Das gönne ich diesen miesen, dreckigen Typen!

  8. Diesen Schwachsinn kann kein normal denkender Mensch ernstnehmen. Allein schon die Behauptung, dass sich drei Leute über 10 Jahre unerkannt quer durch das Land morden, ohne JEMALS Spuren zu hinterlassen oder von Zeugen gesehen zu werden, ist absurd. Da wäre sogar James Bond blass vor Neid. Deutschland ist kein bißchen besser als jede andere Demokratiesimulation der Welt, wo unliebsame Gegner, Zeugen oder Andersdenkende ermordet werden. Wenn die wirklich so politisch gefährlich waren, warum gabs von dieser „Terrorzelle“ dann nie Bekennerschreiben mit politischen Forderungen, wie das eigentlich für „Terrorzellen“ üblich wäre, warum gibts jetzt keine weiteren Anschläge mit dem Versuch die Z. freizupressen? Die Toten waren weder politisch noch gesellschaftlich oder kulturell irgendwelche wichtigen Leute. Das waren einfach nur Kleingeschäftsleute, die ihren Schutzgeldzahlungen nicht nachgekommen sind.

    Das ganze NSU-Verfahren ist eine riesige Farce, mit der Multikultifans, Sozialromantiker und sonstige geistig Verwirrte bedient werden sollen. Seit mehr als 5 Jahren läuft der Prozess. Beweise? Null.

    Wer den Mist glaubt, der glaubt auch an die „Alternativlosigkeit“ des Euro und an „sichere Renten“. Den „NSU“ gibts nicht und gabs nie. Das ist ein rein staatliches Konstrukt, welches erfunden wurde um Morde zu entsorgen, die aus politischen Gründen nicht aufgeklärt werden dürfen und um jede rechte Opposition zu unterdrücken. Nachdem Solingen und Mölln für den Schuldkult nicht mehr taugten und seitdem mit „rechten Anschlägen“ ja nicht allzu viel los war, musste dringend etwas neues her, um die Untertanen für die nächsten 25 Jahre „auf Linie“ zu halten und das Märchen von der „rechten Gefahr“ aufrechterhalten zu können.

    Beate Z. lebt doch nur noch, weil man einen Sündenbock braucht. Ein „Gesicht“ des „NSU“. Sonst hätte sie längst einen „tragischen Unfall“ oder „Herzinfarkt“ gehabt oder hätte „Selbstmord“ begangen, wie so viele andere Zeugen, die schonmal „rein zufällig“ wenige Stunden vor ihrer Aussage im Auto verbrannten oder, eben noch kerngesund, ganz plötzlich tot umfielen.

    • Die Zschäpe ist nur deshalb am Leben, weil einer ihrer Stecher aus dem Innenministerium sie per Handy-Anruf kurz vor der Explosion warnte❗
      Daß sie ein Tächtelmächtel mit einem „Schlapphut“ hatte, ist ebenso bekannt, wie der ominöse Anruf aus dem Ministerium❗
      Wäre Zschäpe im Haus verbrannt, hätte man sich gar nicht um irgendwelche Beweise kümmern müssen, sondern nur die Propaganda-Welle lostreten❗
      Nötig wurde die NSU-Farce, weil die N P D zu dieser Zeit massiv im Aufwind war.
      In Sachsen-Anhalt konnte man sie mit der „Junker-Jörg“-Inszenierung gerade noch so stoppen. Aber interne Umfragen sagten massiv wachsenden Zuspruch voraus.❗

  9. Neben den ganzen Widersprüchen die offensichtlich ist ist noch viel offensichtlicher das weder die Staatsanwaltschaft, das Gericht, die Presse noch die sogenannten Opferanwälte hier eine Klärung verlangen.

    Ein Schmierentheater vom Feinsten und angebliche „Journalisten“ wie Aust schrieben auch noch „Dreh?-„Bücher dazu.

  10. Zufällig wurde auch ausgerechnet bei diesem Polizistenmord beim genetischen Fingerabdruck gepfuscht und die Polizei lief jahrelang einem Phantom hinterher.

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