Gericht verurteilt syrischen Messerstecher zu Fußballtraining

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Kiel/Plön – Zwei syrische Messerstecher halten Schleswig-Holstein in Atem. Ein angeblich 18-jähriger Syrer steht seit gestern wegen Totschlags in Kiel vor Gericht. Und die Tat seines 21 Jahre alten Landsmanns hat ein Jugendschöffengericht in Plön mit einem Fußballtraining gesühnt. Außerdem erhielt der Mann für seine Messerattacke eine „Verwarnung“ wegen gefährlicher Körperverletzung, und er muss zu Beratungsgesprächen und Drogenkontrollen.

17 Mal hat der 18-Jährige in Kiel mit einem Edelstahlmesser am späten Abend des 17. Januar auf sein Opfer eingestochen. Trotz Notoperation verstarb der 41-jährige Mann, der ebenfalls aus Syrien stammt, am nächsten Morgen im Krankenhaus. Zwei Stunden lang hatte sich der Täter auf die Lauer gelegt und gewartet, bis sein Gegenüber das Haus verließ. Dann folgte er ihm und griff ihn an. Laut Staatsanwaltschaft trafen die meisten Stiche den Oberkörper, zwei weitere und ein Schnitt verletzten Kopf und Gesicht schwer. Der Syrer hörte erst auf zuzustechen, als ein Passant ihn anschrie. Hintergrund soll ein länger schwelender Streit der beiden Männer sein.

Verhandelt wird vor einer Jugendstrafkammer. Wird nach Jugendstrafrecht geurteilt, liegt die Höchststrafe bei zehn Jahren. Zum Prozessauftakt erklärte der Richter, es komme auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik in Betracht. Der Prozess wird am 20. Juli fortgesetzt.

Der zweite Fall sorgt vor allem wegen der richterlichen Milde für Aufsehen: „Messerstecher soll zum Fußballtraining“, titeln die Kieler Nachrichten. Der Flüchtling hatte seinem Opfer eine achteineinhalb Zentimeter lange blutende Schnittverletzung am Hals zugefügt. Dabei rief er laut Zeugen: „Ich schlachte dich ab!“ Doch die Wunde sei laut Urteil nicht allzu tief gewesen, die Tat daher „kein Kapitaldelikt“.

Der Täter und das ebenfalls aus Syrien stammende Opfer hatten sich um Drogen gestritten. Die Verletzung erfolgte laut Angeklagten „aus Versehen“ und sei, so die Richter, nicht lebensgefährlich gewesen. Daher erfordere dies keine Verhängung einer Jugendstrafe, urteilte jetzt das Plöner Gericht. Eine Niederlage für die Staatsanwaltschaft: Sie hatte ein Jahr und vier Monate Jugendstrafe auf Bewährung gefordert.

Die Kieler Nachrichten schreiben: „Für eine drogen- und gewaltfreie Zukunft des Flüchtlings setzt das Jugendgericht jetzt auf regelmäßige Urinkontrollen, therapeutische Gespräche, Berufsberatung und auf vier sportliche Trainingseinheiten. Bei Verweigerung drohen dem Angeklagten bis zu vier Wochen Beugearrest. Über einen längeren Zeitraum soll ihm ein Fußballtraining in Bad Malente den friedlichen Umgang mit Regeln, Ordnung und Konflikten vermitteln.“

Ein 27-jähriger Iraker wurde freigesprochen. Der Vorwurf, er habe das Opfer während der Tat festgehalten, erhärtete sich nicht. (WS)

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