Interessante Vita des Piratenschiffes „Aquarius“

Foto: Screenshot/Youtube

„Das Schiff wurde unter der Baunummer 13453 auf der Fr. Lürssen Werft gebaut. Die Kiellegung fand am 9. Juni und der Stapellauf am 19. November 1976 statt. Die Fertigstellung des Schiffes erfolgte am 9. Dezember 1977.“

 Von Thomas Schlawig

 Zunächst fuhr das Schiff unter dem Namen Meerkatze II für die „Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung“ und ersetzte das ehemalige Forschungsschiff Anton Dohrn, das diesen Namen  seit der Außerdienststellung der ersten Meerkatze getragen hatte.

Das Schiff vom Germanischen Lloyd klassifizierte Schiff verfügte über Eisklasse E2 und wurde schwerpunktmäßig in der mittleren Nordsee und im Nordatlantik eingesetzt. Durch seine Bauform ist das Schiff selbst bei schwerem Wetter außerordentlich seetüchtig. Es wurde zu Beginn des Jahres 2009 außer Dienst gestellt und im April dieses Jahres durch einen gleichnamigen Neubau ersetzt.

Das Schiff wurde nach der Außerdienststellung  von der Reederei RS Research Shipping (heute: Jasmund Shipping) in Bremen ersteigert, am 2. April 2009 übergeben und anschließend umgebaut. Unter dem Namen Aquarius kam es unter der Flagge Gibraltars als privates  Vermessungsschiff wieder in Fahrt. Unter anderem war es unterwegs zu Öllagerstätten, bei der Verlegung von Meereskabeln oder im Windenergiegeschäft. Zuletzt war es im Heimathafen des Lietzower Reeders Christoph Hempel in Mukran auf der Insel Rügen stationiert. Der letzte Einsatz als Vermessungsschiff führte die Aquarius im Spätherbst 2015 vor die sibirische Küste

Seit Februar 2016 chartert die Organisation SOS Méditerranée das Schiff und setzt es als „Piratenschiff“ im Mittelmeer ein, um „Flüchtlinge“, die ohne Einreisepapiere über die Mittelmeerroute in die EU gelangen wollen, aus „Seenot“ zu retten.

Die in Catania auf Sizilien stationierte Aquarius kreuzte bei ihren Einsätzen unter anderem in den Gewässern um Lampedusa und in der Nähe der libyschen Küste. Dabei nahm sie im Jahresverlauf 2016 bereits mehr als 10.000 „Flüchtlinge“ aus „Seenot“ auf und brachte sie nach Italien. Die Piratenmannschaft besteht aus 23 „Mitarbeitern“ der das Schiff betreibenden Hilfsorganisationen: dreizehn „Helfer“ von SOS Méditerranée und zehn „Mitarbeiter“ von Ärzte ohne Grenzen.

Die Betreiber der Aquarius gehörten zu den privaten Organisationen, die im Sommer 2017 den vom damaligen italienischen Innenminister Marco Minniti vorgelegten Verhaltenskodex der italienischen Regierung unterzeichneten, der „Rettungsfahrten“  in Eigenregie ausschließt. Seitdem müssen „Rettungsaktionen“ vom zentralen Einsatzkommando der italienischen Küstenwache koordiniert werden.

Im Jahr 2018 waren neben der Aquarius nur noch die deutsche Sea-Watch 3, die unter „niederländischer Flagge“ fahrenden Schiffe Lifeline und Seefuchs und einige kleinere Boote in der „Seenotrettung“ von „Flüchtlingen“ auf dem Mittelmeer aktiv.

Seit Anfang Juni 2018 hat die Zahl der „Flüchtlinge“, die sich von der libyschen Küste in nicht seetauglichen Schlepperbooten auf den Weg nach Europa machen – entgegen offizieller Meldungen – stark zugenommen. Grund dafür ist die Jahreszeit, sowie der angeblich wieder aufgeflammte Bürgerkrieg in Libyen. Allein in der Zeit vom 8. bis 10. Juni 2018 wurden von verschiedenen Schiffen, darunter die Aquarius, über 1200 „Flüchtlinge“ „gerettet“.

Da in Italien inzwischen Wahlen stattgefunden hatten und eine Regierung gewählt wurde, die Verantwortung über ihr Land übernimmt, wurden durch den italienischen Innenminister Matteo Salvini die italienischen Häfen für „Piratenschiffe“ gesperrt.

Auf der Aquarius befanden sich 629 „Flüchtlinge“, die im Zuge einer neunstündigen „Rettungsfahrt“ am Abend des 9. Juni von diversen Booten an Bord genommen worden waren und aus 31 großteils schwarzafrikanischen Ländern stammten.

Da neben der italienischen Regierung auch die Regierung Maltas dem Schiff untersagte, deren Häfen anzulaufen, bot der kurz zuvor gewählte Regierungschef Spaniens, der Sozialist Pedro Sánchez an, sein Land werde die „Flüchtlinge“ aufnehmen. Die Aquarius befand sich zu dieser Zeit 1300 Kilometer von der spanischen Küste entfernt.

Für die Reise waren schwere Wetter mit über vier Meter hohen Wellen und Gewittern angekündigt. Nach dem Verlassen der Straße von Sizilien geriet das Schiff in der Nacht in bis zu 30 Knoten starke Winde, viele Leute an Bord waren seekrank und sehr erschöpft.

Nochmal zu Erinnerung: „Durch seine Bauform ist das Schiff selbst bei schwerem Wetter außerordentlich seetüchtig“.

Inwieweit sich die 629 „Flüchtlinge“ bereits in Deutschland befinden, darüber ist leider nichts bekannt, aber es ist anzunehmen, denn es ist bekanntlich das einzige Ziel, welches die „Geretteten“ haben.

Hier eine Liste von weiteren Piratenschiffen, welche  im Mittelmeer ihr Unwesen treiben und unter aller Herren Länder Flagge fahren um illegale „Flüchtlinge“ nach Europa zu bringen.

„Flüchtiger Mann, schuldiger Mann“ Alter Rechtsgrundsatz

 

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