Alle wollen weniger – Portugal will mehr Migranten

Marilla Slominski

Foto:Durch franz12/shutterstock
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Im Gegensatz zu allen anderen europäischen Staaten, die mehr oder weniger verzweifelt versuchen, den ungebrochenen Zuzug illegaler Einwanderer zu reduzieren, stellt sich Portugal gegen den Trend. Der sozialistische Premierminister António Luís Santos da Costa, will mehr statt weniger sogenannte „Flüchtlinge“ in Portugal sehen. 

von Marilla Slominski

„Wir brauchen mehr Immigranten und wir werden keine fremdenfeindliche Rhetorik dulden“, verkündete der Generalsekretär der Sozialistischen Partei António Costa unter Applaus auf einer Parteikonferenz im Mai. Den Worten folgten sogleich Taten – Portugal war eines der ersten Länder, das freiwillig einige afrikanische Passagiere der Lifeline aufnahm, nachdem Italien den selbsternannten „Rettern“ das Anlegen in seinen Häfen untersagt hatte.

Auch in Portugal sinkt die Einwohnerzahl und so hat es sich Costa auf die Fahnen geschrieben, die Lücke mit Menschen aus jeder Ecke des Erdballs aufzufüllen. Kein Wunder – sein Vater Orlando da Costa lebte bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr in Goa, das damals noch zu Portugiesisch-Indien gehörte, war Schriftsteller, militantes Mitglied der kommunistischen Partei, wurde mehrfach verhaftet und vererbte seinem Sohn quasi die Liebe zum Kommunismus.

Und während die europäischen Führungskräfte sich auf ihrem Gipfeltreffen letzte Woche heftig über den Umgang mit der Einwanderungswelle stritten, leitete die portugiesische sozialistische Regierung weitere Schritte ein, um das kleine Land attraktiver für Neubürger aus aller Welt zu machen. Am Freitag zeigte das IOM mit seiner Wahl des ehemaligen sozialistischen portugiesischen Ministers António Vitorino zum Vorsitzenden, dass seine Hoffnungen beim Thema Zuwanderung nun auf Portugal liegen.

screenshot Twitter
António Costa will in Zukunft auch so schöne Selfies mit „Flüchtlingen“ wie Angela (screenshot Twitter)

Zuwanderung gilt als das zentrales Thema für Antonio Costa, mit dem er im kommenden Jahr die Parlamentswahlen gewinnen will, in die der Ex-Bürgermeister von Lissabon als Spitzenreiter geht, wie france24 berichtet. Wenn es nach dem portugiesischen Sozialisten António Costa geht, wird Portugal, ein Land mit nur etwas mehr als 10 Millionen Einwohnern,  ab jetzt jedes Jahr 75.000 fremde Menschen willkommen heißen, um die Bevölkerungszahlen stabil zu halten.

Am Donnerstag verabschiedete die Regierung neue Regulierungsmaßnahmen um die Erteilung von Studenten-Visa und die Gründung von Start-up Unternehmen zu erleichtern. Ebenso soll der Aufenthaltsstatus der rund  30.000 Ausländern, die legal in Portugal leben, geändert werden, so dass sie eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Nach der Finanzkrise 2011 haben mehr als 300.000 Portugiesen ihre Heimat verlassen, viele von ihnen mit Universitätsabschlüssen. Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden das erste mal seit sechs Jahren wieder eine ausgleichende Bilanz zwischen Zu- und Abwanderung. 2017 erteilten die portugiesischen Behörden  61,400 neue Aufenthaltsgenehmigungen – ein Anstieg um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das kleine Land befindet sich zwar dank Tourismus-Boom und ausländischer Immobilieninvestitionen wieder im wirtschaftlichen Aufschwung, doch Geschäftsführer warnen. Dieser Trend könne sich angesichts des Mangels an Fachkräften schnell wieder umkehren.

Portugal hat im Rahmen des EU-Umsiedlungsprogrammes von 2015 bis 2018 insgesamt 1.552 sogenannte Flüchtlinge aufgenommen. Doch nur die Hälfte von ihnen blieb im Land, die andere zog weiter in EU-Länder mit besserer wirtschaftlicher Versorgung.

 

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