Saudi-Arabien – Was die deutschen Medien verschweigen: Nach dem Führerschein der Knast!

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Hatoon al-Fassi (screenshot Facebook)

„Frauen dürfen in Saudi-Arabien bald den Führerschein machen und Auto fahren“, jubelte vor zwei Tagen die deutsche Mainstream-Presse. Das Königreich gehe seit einigen Jahren Schritte in Richtung Gleichberechtigung, Frauen dürften an Kommunalwahlen teilnehmen und am vergangenen Wochenende sei ihnen sogar das erste Mal der Zutritt zu einem Sportstadion erlaubt worden, jubelte die linke Zeit. Die vorhergehenden Verhaftungen von mehreren Aktivistinnen in Saudi-Arabien ist der deutschen Presse angesichts des „Fortschritts“ natürlich keine Meldung wert. Im Blätterwald herrscht auch Schweigen angesichts der Festnahme einer bekannten Frauenrechtlerin, die noch vor wenigen Tagen stolz ins Auto stieg. 

von Marilla Slominski

In Saudi-Arabien ist die Frauenrechtlerin und Autorin Dr. Hatoon al-Fassi, festgenommen worden, berichtet aljazeera.com und beruft sich auf die britische Menschenrechtsorganisation ALQS. Die Professorin Al-Fassi gilt als eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen des Landes. Lange Zeit hatte sie u.a. dafür gekämpft, dass Frauen an Kommunal-Wahlen teilnehmen können. Sie war vor wenigen Tagen eine der ersten Frauen, die sich nach Aufhebung des Fahrverbotes hinter das Lenkrad gesetzt hatten. Auf einem Foto präsentiert sie freudestrahlend ihre Fahrerlaubnis. Kurz darauf sei sie verhaftet worden, heißt es.

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Die Frauen in Saudi-Arabien freuen sich über die Fahrerlaubnis (screenshot Twitter)

Bereits im vergangenen Monat hatte die Regierung mehr als zehn Aktivisten verhaftet und ihnen „verdächtige Kontakte“ und zu „ausländischen Feinden“ vorgeworfen. Nach weiteren Verdächtigen würde gesucht, gab die Regierung damals bekannt. Staatlichen Medien bezeichneten die Verhafteten als „Verräter“ und „Botschafts-Agenten“.  Acht der 17 inhaftierten Aktivisten, darunter fünf Frauen, wurden später „bis zum Abschluss ihrer Verfahrensüberprüfung“ vorübergehend freigelassen. Keiner der Inhaftierten wurde bisher offiziell angeklagt. Sie seien ohne jeden Zugang zur Außenwelt und hätten auch keinen Kontakt zu ihren Familien oder ihren Anwälten, so aljazeera.

Auch die UN-Menschenrechtskommission forderte gestern die sofortige Freilassung der Inhaftierten. Die Verhaftungen stünden in starkem Gegensatz zu den neuen Freiheiten, die gerade überall gefeiert würden, so das UNHCR. Die Verhaftungswelle habe am 15. Mai mit der Festnahme bekannter Frauenrechtlerinnen begonnen. In den darauffolgenden drei Wochen seien 12 weitere Aktivisten, Männer und Frauen, inhaftiert worden. Die meisten von ihnen hätten sich für die Aufhebung des Fahrverbotes eingesetzt, berichtet das UNHCR. Zu den Verhafteten gehören laut Wikipedia Aziza al-Yousef, Loujain al-Hathloul, Eman al-Nafjan, Aisha al-Mana, Madeha al-Ajroush sowie der Gründer der Organisation ACPRA Mohammed Saleh Al-Bajadi.

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Hatoon al-Fassi (screenshot Facebook)

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