„Justice for Noura“ – 19-jährige tötet aus Notwehr und soll dafür hingerichtet werden

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Im Sudan wartet eine junge Frau auf ihre Hinrichtung. Zwangsverheiratet hatte sie ihren Ehemann in Notwehr erstochen, um einer erneuten Vergewaltigung zu entgehen. Unter den Scharia-Gesetzen des Landes bedeutet das für sie die Todesstrafe.

von Marilla Slominski

Weltweit macht die Geschichte der 19-Jährigen Noura Hussein Schlagzeilen. Nach einem einem Jahr Gefängnisaufenthalt wurde Noura vor einem Monat zum Tode verurteilt.  und erzählte jetzt in einem CNN-Interview ihre Geschichte.

Im Alter von 15 Jahren sei sie ihrem Ehemann versprochen worden. Kaum hatte sie mit 18 die Schule beendet, wurde sie gegen ihren Willen mit ihrem 35 Jahre alten Cousin verheiratet. Auf einem Foto von dem Tag der Hochzeit sieht man eine todunglückliche Braut neben ihrem Ehemann sitzen.

„Ich wollte ihn nicht heiraten. Ich wollte studieren. Mein Traum ist Richterin zu werden,“ erzählt Noura. „Ich will dich nicht heiraten, sagte ich als ich ihn das erste Mal von Angesicht zu Angesicht sah. Immer wieder habe ich protestiert. Ich bin zu meiner Tante geflohen, doch zwei Tage später brachten sie nicht zurück und zwei Wochen nach der Ankündigung wurde die religiöse Zeremonie in unserem Haus vollzogen. Als ich vorher beim Friseur war, plante ich die ganze Zeit meinen Selbstmord. Während der Zeremonie saß ich neben ihm und habe die ganze Zeit geweint. Ich war überwältigt von Wut. Ich wollte diesen Mann nicht.Danach habe ich kein Wort mehr mit ihm gesprochen“, schildert die 19-Jährige ihre Tortur.

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Der Tag der Zwangsheirat – weinend sitzt Noura neben ihrem 35-jährigen Ehemann (screenshot Twitter)
„Wir stiegen in ein Auto, dass uns zu unserem Flitterwochen-Appartement fuhr. Er rückte näher und ich wich zurück. In dem Apartment schloß ich mich in einem der Räume ein und legte mich in voll angezogen hin. Ich weigerte mich zu essen und das Zimmer zu verlassen. Am dritten Tag sagte er, ich soll die endlich die Tür aufmachen, sonst würde er sie aufbrechen. Als er schlief versuchte ich zu entkommen, doch ich war in dem Appartement eingeschlossen“.
Für Noura Hussein gab es kein Entkommen. Am neunten Tag reichte es ihrem muslimischen Ehemann. Er rief seine Verwandten zu Hilfe.
„Sein Onkel befahl mir, ins Schlafzimmer zu gehen. Ich weigerte mich. Da schleifte er mich an den Armeen hinein und sein Cousin schlug mich. Alle rissen mir die Kleider vom Leib. Sein Onkel hielt meine Beine fest. Zwei andere meine Arme. Ich schrie und weinte, während er mich vergewaltigte. Danach gingen alle raus und ließen mich zurück. Ich blutete und musste völlig nackt schlafen. am nächsten Tag kam er wieder, schmiß mich auf das Bett und versuchte auf ich raufzusteigen. Ich kämpfte mit ihm und meine Hand fand ein Messer unter dem Kopfkissen. Wir begannen um das Messer zu ringen und er schnitt mir in die Hand und  in die Schulter. Ich bin mit dem Messer in der Hand zu meinem Elternhaus gerannt“, so Noura.
Sie erwartet dort Hilfe zu finden, doch ihre Eltern lieferten sie der Polizei aus.
Noura wurde verhaftet und unter Mordanklage gestellt. Ihre Geschichte machte daraufhin die Runde in den  Whats-App Gruppen von im Ausland lebenden Sudanesen. Dort erfuhr auch die 33-jährige freie Autorin Sara Elhassan von Noura. Die amerikanische Sudanesin teilte die Informationen am 1.Mai auf ihrem Instagram-Account und löste damit eine Welle der Solidarität aus. Schnell gründete sich die Kampagne #JusticeForNoura. Eine entsprechende change.org Petition wurde bisher von fast 1,4 Millionen Menschen unterzeichnet.
Noura Hussein wartet im Omdurman Gefängnis auf die Wiederaufnahme des Verfahrens und  hofft darauf, ihrer Hinrichtung zu entgehen.
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Weltweit kämpfen Menschen um das Leben von Noura (screenshot Twitter)

Der Islam ist im ostafrikanischen Sudan Staatsreligion. 70 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. In der Republik Sudan ist es erlaubt, Mädchen ab 10 Jahren zu verheiraten. Auch die Vergewaltigung in der Ehe gilt nicht als Verbrechen. Die geltenden Scharia-Gesetze sind Teil eines staatlichen Islamisierungsprozesses, dem die Muslimbrüder unter Hasan at-Turabi zustimmen.

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