Stalinistische Schauprozesse mit Motorenbauern

Foto:Durch Petrova Maria/shutterstock
Foto:Durch Petrova Maria/shutterstock

Das aktuellste Beispiel für die Gängelung der Ingenieure durch eine strohdumme, vernagelte und eitle Journalisten- und Politikerkaste liefert der Motorenbau. Seit Jahrzehnten werden die Autohersteller mit unrealistischen Vorgaben zu ständig wechselnden „Feindgasen“ und Feinstäuben gezwiebelt. Weil angeblich Hunderttausende Leute an Abgasen sterben. Das steigende Durchschnittsalter der Leute straft die Medienagitation und -propaganda allerdings Lügen.

Von Wolfgang Prabel

Die Journalisten, Politiker und Umweltverbände wenden sich in der Regel an die EU-Kommission, dort werden von grünen Aktivisten hirnverbrannte Grenzwerte für Klospülungen, Staubsauger und Motoren ausgeheckt und dann sollen die Hersteller irgendwie klarkommen. Natürlich wissen die Ingenieure was geht und was nicht. Kein Ingenieur war in den achtziger Jahren so blöde, an die Effizienz von Braunkohle für die dezentrale Heizwärmeerzeugung zu glauben. Ich kenne keinen Fachmann, der sich heutzutage nicht über die unwissenschaftlichen Wärmeschutznachweise oder Merkels Flatterstrom lustig macht. Ähnlich ist das im Motorenbau: Intelligente Leute wissen über die Haken und Ösen der Brüsseler Vorgaben ganz genau Bescheid. Letztlich wird die Dauerhaftigkeit, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Antriebe ruiniert. Jeder weiß es und alle Hersteller machen mit. Noch.

Ingenieure müssen auf Befehl von ahnungslosen Idioten immer wieder Unsinn planen und überwachen. Das Berliner Flugfeld, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie und die mit staatlicher Schummelsoftware gefakten Wärmeschutznachweise sind ja keine Einzelfälle. Die Politik ist der stalinistischen Befehlswirtschaft verfallen. Grenzen der Realisierbarkeit werden immer öfter ignoriert. Letztlich um die Techniker und Ingenieure als unfähige Verbrecher vorzuführen und zu denunzieren. Schauprozesse im Stile der 30er Jahre häufen sich. Mit Selbstkritik der Betroffenen wie im Gulag.

Ich bin natürlich kein Freund der semisozialistischen DAX-Konzerne und auch die Vorstände können mir in der Regel den Buckel runterrutschen. Aber angesichts der Unverhältnismäßigkeit der Verhaftung eines Großkopferten von Audi sträubt sich mein Gefieder. Es geht hier nicht mehr primär um Betrug und Vertuschung, sondern es geht um Exzesse der Technikfeindlichkeit und das Fortschieben von Verantwortung für ein von der EU verschuldetes Desaster an einen Manager, der auszog in Ingolstadt das Gruseln zu lernen. Es geht um die gezielte Herabsetzung des gewerblich-technischen Sektors insgesamt.

Der grüne Grundgedanke der Technikphobie wurde bereits von der Jugendbewegung der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert ausgebrütet, und eben nicht erst 1968: Achim Preiss stellte das zutreffend so dar:

„Als das geeignete Instrument zur Fortschrittsbeherrschung oder – unterwerfung erschienen Religionssysteme. Es gründeten sich zu diesem Zweck meist jugendoptimistische Vereinigungen, Bünde, Sekten, die alle an dem Entwurf einer neuen, nicht-chaotischen Lebenskultur arbeiteten und die ein gemeinsames Feindbild hatten – den nur von Kommerz und Hochtechnologie angetriebenen Fortschritt. Die praktizierten Formen der neuen Lebenskultur zielten darauf, das Gefühl in die Lage zu bringen, den Verstand zu kontrollieren, die Vorherrschaft des Verstandes zu brechen, um damit die Vormacht der Technik zu beenden.“

Gerade die Motorisierung und Mechanisierung war es, die die Verletzungen, die Verschleißkrankheiten und Todesfälle in der Arbeitswelt und im Verkehr reduziert hat. Die Verteufelung der Technik und ihre Problematisierung waren immer ein Hobby der in der warmen Stube schaffenden Lehrer, Redakteure und Pastoren. Auf dem Bau, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurde Technik als Segen betrachtet.

Die deutschen Pseudoeliten können ohne Kampagnen nicht leben. Immer muß irgendwas von zentraler Stelle aus bekämpft, eingeführt oder vernichtet werden. „Wir müssen noch ein bißchen an den Stellschrauben drehen“ ist so eine Lieblingsparole von ahnungslosen Weltverbesserern, die nur ein abgebrochenes Politikstudium vorweisen können. Einwänden von Fachleuten wird von vornherein aus dem Weg gegangen. Die Befehle laufen lange Befehlsketten entlang, nie bekommt ein grüner Politiker einen Ingenieur zu Gesicht oder ein Ingenieur einen EU-Kommissar.

Merkel ist was ihre Technikfeindlichkeit betrifft radikaler als Hitler. Sie zerstört die deutsche Industrie durch Nichtstun, durch fehlenden Eifer bei der Bekämpfung destruktiver Kräfte, durch laissez-faire gegenüber den Grünen und den NGOs. Sie wäre als Interessenvertreter Deutschlands verpflichtet, gegenüber der EU-Kommission ab und zu eine Blutgrätsche anzusetzen, um die deutsche Industrie zu verteidigen.

Adolf Hitler war zwar auch grüner Suppenkasper, Landschafts- und Tierschützer, Vegetarier, Förderer des Islam und glaubte an Hörbigers Welteislehre sowie die Endlichkeit der Ressourcen und teilte damit viele Glaubenssätze Merkels. Aber er behinderte den technischen Fortschritt nicht flächendeckend, denn technischer Fortschritt war Fortschritt in der Waffen- und Kriegstechnik. Alles überlaute Gejammer über die moderne Zivilisation wurde von 1933 bis 1945 anders als im Kaiserreich abgedrängt und unterdrückt.

Die Schneise vom tonangebenden technophoben Friedrich Nietzsche zur Technikakzeptanz wurde bereits vor 1933 geschlagen. Bei den italienischen Futuristen reimte sich schon 1909 amore auf motore, auch Ernst Jünger hatte 1929 den Weg zur Technikbegeisterung in seinem Buch „Feuer und Blut“ vorweggenommen:

„Ja, die Maschine ist schön, sie muß schön sein für den, der das Leben in seiner Fülle und Verhältnismäßigkeit liebt. Und in das, was Nietzsche, der in seiner Renaissancelandschaft für die Maschine noch keinen Raum hatte, gegen den Darwinismus gesagt hat, daß das Leben nicht nur ein erbärmlicher Kampf ums Dasein, sondern ein Wille zu höheren und tieferen Zielen ist, muß auch die Maschine einbezogen werden. Sie darf uns nicht nur ein Mittel zur Produktion, zur Befriedigung unserer kümmerlichen Notdurft sein, sondern sie soll uns eine höhere und tiefere Befriedigung verleihen. Wenn das geschieht ist manche Frage gelöst. Der kümmerliche Mensch, der in ihr plötzlich seine Ganzheit statt einer zweckmäßigen Zusammensetzung aus Eisenteilen sieht, der Stratege, der sich vom Banne des Produktionskrieges loszulösen strebt, sie sind an dieser Lösung ebenso tätig wie der Techniker und der Sozialist.“

Kein Mittel zur Produktion, sondern ein Mittel zur Kriegführung sollte die Maschine sein, Jünger war Soldat.

„Erst unsere Generation beginnt sich mit der Maschine zu versöhnen, und in ihr nicht nur das Nützliche, sondern auch das Schöne zu sehen.“

Gabriele d´Annuncio´s im Jahre 1910 erschienener Roman ›Forse che si forse che no‹ (Vielleicht, vielleicht auch nicht) kann als Prototyp einer neuen maschinenbegeisterten Flugdichtung gelten, bei der Nietzsches Übermensch als kriegerischer antiweiblicher Sportheroe erscheint. Der Romanheld Tarsis überwindet seine Todesfurcht, indem er mit der Maschine verschmilzt und sich im Rausch der Geschwindigkeit aus »weiblicher Schwer-Kraft« von »Mutter-Erde« befreit.

Der Höhenflug war ein durchweg beliebtes Sujet der futuristischen Literatur und Dichtung. Als Beispiel mag Karl Vollmoellers ›Lob der Zeit‹ aus dem Jahre 1912 dienen:

Dich sing ich, Zeit der Zeiten: meine Zeit!
Ein heller Herbst verschollener Sagenblüten
Wandelst du Gold und Silber blasser Mythen
In Stahl der Wirklichkeit.

Wie stöhnte noch das sinkende Jahrhundert
Im selbstgewollten Fron und trüben Krampf
Bei Ofen, Kran und Hammer, Qualm und Dampf –
Nun schauen wir verwundert.

Wie die Tyrannen, die wir selbst gesetzt,
Die dräuenden Geschlechter der Maschinen,
Uns selbst befrein und, wieder Sklaven jetzt,
Zum Traum der Träume dienen.
(…)
Und alles singt die grösste Menschentat:
Vom Urweltmorgen, wo am Gletscherfjorde
Der stillre Werkmann einer blonden Horde,
Nicht wissend, was er tat.

Den ersten Stamm gehöhlt mit Beil und Feuer,
Das erste Segel kühn im Wind gestellt,
(Der ganze Vogel tönt wie eine Leier
Vom neuen Rausch der Welt)
(…)
Der Sturmwind selber schmettert die Fanfare,
Hell wie ein Jagdruf, dumpf wie Orgelbässe,
Klingend wie kriegerisches Erz: VOLARE
NECESSE EST – VIVERE NON NECESSE!
(…)
Entfliegt! Mit jeder der pfadlosen Bahnen,
Die eure Schwingen jetzt im Blau durchmassen,
Bereitet ihr der Zukunft Völkerstrassen.
Entfliegt!

Und Hand zur Steuerung! Werft an! VOLARE
NECESSE EST! – Die Schraube braust in grossen
Ringen von Licht. – Ein Guss noch am Altare
Der Ungenannten und der Namenlosen!

Dann segelt, ein Geschwader lichter Aare,
Kreisend im Blau um Mast und Dom und Esse
An Elbe, Rhein und Nordmeer: NAVIGARE
NECESSE EST – VIVERE NON NECESSE!

1910 konstruierte Vollmoeller, der dem homoerotischen Münchner George-Kreis zugeordnet wird, ein Flugzeug und ließ es von seinem Bruder in bis zu 6 m Höhe über den Stuttgarter Wasen fliegen, bis ein Zuschauer getötet wurde.

Gustav Lilienthal, der Bruder von Otto Lilienthal arbeitete gleichzeitig an Siedlungsexperimenten mit eigenem ökologischen Obstanbau, an der Erfindung des Metallbaukastens und an einer vogelartigen flügelgetriebenen Flugmaschine. Andere Reformisten blieben nach dem Ersten Weltkrieg Maschinenskeptiker. Als Beispiel Rilke in seinem Sonett an Orpheus,XVIII, 1922:

„Hörst du das Neue, Herr, dröhnen und beben? Kommen Verkündiger, die es erheben. Zwar ist kein Hören heil in dem Durchtobtsein, doch der Maschinenteil will jetzt gelobt sein. Sieh, die Maschine: wie sie sich wälzt und rächt und uns entstellt und schwächt. Hat sie aus uns auch Kraft, sie ohne Leidenschaft, treibe und diene.“

Noch ein Beispiel: 1930 erschien Hermann Hesse´s rätselhafte von jeglicher europäischer Moral bereinigte Geschichte „Edmund“. Bereits die Einleitung ließ schlimmes befürchten, da sich Hesse so wie seinerzeit der Geheimrat Goethe hinter einem anonymen „man“ verbarg, wenn er Gemeinheiten lancierte:

„Man hatte genug und übergenug von den analytischen Methoden, von der Technik als Selbstzweck, von den rationalistischen Erklärungskünsten, von der dünnen Vernünftigkeit jenes Weltbildes, das einige Jahrzehnte vorher die Höhe europäischer Bildung bezeichnet hatte“ Hesse ließ den rationalistischen Professor Zerkel ohne ein Wort des Bedauerns von einem Studenten namens Edmund erdrosseln. Die neue Zeit der starken Seele forderte ihre Opfer.

Die Neue Sachlichkeit in ihrem Gegensatz zur Sektiererei der Reformbewegung, als Korrektiv zu unpraktischer, der Machtentfaltung im Wege stehendem Obskurantismus und die wieder salonfähige Technikbegeisterung waren ebenso wie Nietzsches Phantasien vom Neuen Menschen, von der humanen Höherentwicklung, Plattformen für die nationalsozialistische Massenbewegung, waren Voraussetzungen für die Popularität von Hitlers Reformkonzepten. Erst die Verbindung der Licht-, Luft-, Körper- und Sonnenbewegung mit Technikfreundlichkeit war für breite Massen konsenzstiftend. Mit der Technikakzeptanz, teilweise Technikbegeisterung der NSDAP öffnete Hitler den Weg in die technikfreundliche Wählerschaft, die traditionell und logischerweise vor allem die körperlich arbeitende, die Arbeiter- und Bauernwählerschaft war. Für das vornationalsozialistische Bildungsbürgertum dagegen waren Arbeiter und Bauern nur Roboter, die man durch grobe Handarbeit verschliss, die man in Kriege oder Bürgerkriege hetzte, um möglichst viele Ungebildete durch Arbeit oder als Kanonenfutter zu töten. Physische Vernichtung von möglichst vielen Volksschulabsolventen.

Hinter den Futurismus und die Neue Sachlichkeit sind wir im System Merkel inzwischen weit zurückgefallen. Unter Führung der EU-Kommission, unter den Augen der passiven Kanzlerin krebsen die Hipster wieder im Urschleim der völkischen Kohlrabiapostel herum und sehen in der Technik überwiegend Gefahren und Risiken. Ob Gentechnik, Motorenbau, Energiesicherheit, Kernenergie oder Biotechnologie, alle Technologien werden systematisch aus Deutschland vertrieben. Nach der Verhaftung des Audi-Managers werden einige Industriezweige den Auszug aus Deutschland planen. Mercedes verlagert seine Entwicklungsabteilung vorsichtshalber gerade nach China.

Arbeiter, Landwirte, Techniker und Ingenieure müssen sich gegen die obskurantistische Merkelmafia stärker wehren. Wir brauchen ein gesundes Selbstbewußtsein und müssen aus unserer Überlegenheit gegenüber schwafelnden Nichtskönnern mehr Kapital schlagen. Da wir in eine Zeit des Ingenieur- und Handwerkermangels eintreten, haben wir Demutsgesten nicht mehr so nötig wie früher. Es hat auch seine Vorteile, wenn immer mehr Jugendliche weltfremde Orchideenfächer studieren. Kompetenz wird knapp und teuer.

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