Es bröckelt an allen Fronten

Foto: Imago

Auf die Gesellschaft von Theresa May muss der russische Präsident Wladimir Putin bei der Fußball-Weltmeisterschaft verzichten. Die britische Regierungschefin hat wie ihre isländische Amtskollegin Katrín Jakobsdóttir deutlich gemacht: Sie wird nicht zum Turnier nach Russland fliegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die übrigen westlichen Regierungschefs täten gut daran, auf einen WM-Besuch zu verzichten.

 Von Thomas Schlawig

 Gönnt Putin diesen Triumph nicht! Mit dieser Schlagzeile hetzte n-tv noch vor fünf Tagen.

Ein Fußballturnier eignet sich nicht, um viele offene Fragen zwischen Russland und dem Westen zu klären – die Hacker-Angriffe auf die Bundesregierung, den Abschuss von MH17, die Vergiftung des Ex-Agenten Skripal.

Über all diese Vorwürfe habe ich bereits hier  geschrieben. Vermutungen sind keine Beweise und die hat der Westen bisher in keinem Fall vorlegen können. Putin den „Triumph“ bei der Fußball-WM nicht zu gönnen, war übrigens schon am 14.03.2018 die Schlagzeile der WELT welche schrieb, Zitat:

Wenn schon ein Boykott der WM in Gänze nicht durchsetzbar ist, sollten alle westlichen Regierungen dem britischen Beispiel folgen und Putins Spiele nicht durch die Anwesenheit offizieller Repräsentanten aufwerten.

Einen Boykott konnte man nicht durchsetzen und somit haben sich viele Fans ins „Reich des Bösen“ begeben um die Fußball-WM live zu erleben. Und wie es scheint, erleben sie noch viel mehr, nämlich eine Diskrepanz zwischen dem, was die Medien pausenlos berichtet haben und der Realität vor Ort. Genau das wollte man eigentlich vermeiden.

Britische Fußballfans, die sich nun im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland befinden, haben gegenüber dem russischen Portal „Championat.com“ über die ersten Eindrücke vom WM-Gastgeber erzählt.

[…]  „Glauben wir jenen negativen Sachen, die die britischen Medien über Russland verbreiten? Wir haben alles mit eigenen Augen gesehen und glauben ihnen nicht mehr“, sagte ein weiterer Fan. 

Das ist ein Super-GAU für die Medien, nicht nur die britischen, denn sie wurden wieder einmal beim Lügen ertappt.

Zum nicht stattgefundenen Boykott der WM schrieb die WELT bezeichnenderweise, Zitat:

Doch das nicht nur von Sportfunktionären gerne bemühte Argument, politische Konflikte dürften nicht auf dem Rücken des Sports ausgetragen werden, zieht nicht. Längst werden sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele und internationale Fußballturniere nicht nur von kommerziellen Interessen beherrscht, sondern auch von autoritären Regimen zur politischen Imagepflege missbraucht.

Ich möchte hier an den Skandal um die beiden Fremdenlegionäre aus der Türkei erinnern, die sich mit ihrem Präsidenten haben fotografieren lassen. Dieselbe WELT schrieb genau zwei Monate später:

„Sport – je politischer, desto besser“.

Wie die Deutschen darüber denken, liefert die WELT auch gleich in einem Umfrageergebnis.

Quelle: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article176393910/Fussballer-bei-Erdogan-Sport-je-politischer-desto-besser.html

Der Kommentar auf rbb24.de schließt mit folgenden Worten:

Wenn also tatsächlich das Undenkbare passieren sollte, wenn nämlich die deutsche Nationalmannschaft schon in der Vorrunde aus dem Turnier ausscheidet: Ja, bitte, von mir aus gern. Schland kann nach Hause fahren – und Deutschland sich wieder darauf besinnen, wer „wir“ eigentlich sind und wie wir zusammenleben wollen.

Dem kann ich mich nur anschließen.

„Die Wahrheit ist im Anmarsch und nichts wird sie aufhalten. […] Wenn man die Wahrheit verschließt und in den Boden vergräbt, dann wird sie nur wachsen und so viel explosive Kraft ansammeln, dass sie an dem Tag, an dem sie durchbricht, alles, was ihr im Wege steht, fortfegt“ Émile Zola (1840-1902)

 

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