Georg Diez, der Gift & Galle-Schreiber und die Toten vom See…

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Und wenn der "Spiegel" kommt, dann laufen wir! (Foto: Collage)

Georg Diez (49) ist als Vize-Intellektsimulant beim SPIEGEL angestellt, glaube ich. Lediglich hierarchisch scheint er eine Stufe unter Jakob Augstein zu stehen. Das ist schade, denn von Georg Diez könnte sogar dem Augstein sein Jakob noch viel über die Simulation lernen. Diez macht hier nämlich vor, wie man den dümmsten Quatsch so erzählen kann, daß es ganz danach klingt, als ob man vorher darüber nachgedacht hätte. Die erkennungstextliche Behandlung.

von Max Erdinger

Die Toten des Seehofer-Putsches“ diezelt es dramatisch in der Schlagzeile. Weil man, außer im SPIEGEL, sonst nirgendwo etwas von Leichen gelesen hat, die Seehofers Kriechspur säumen, weiß der Spiegel-Leser natürlich wieder mehr. „SPIEGEL-Leser wissen mehr“, ist der SPIEGEL-Slogan, seit bekannt geworden ist: Aus Feler wird man kluk.

„Mit seiner Agitation gegen Merkel befördert Seehofer eine Politik, die Tausende von Opfern fordern wird. Er kann sich dabei auf Intellektuelle wie Rüdiger Safranski berufen, islamophobe Vorboten aus der Mitte des akademischen Milieus.“

Ich nehme an, Diez spricht von Tausenden, deren Kalkulation mit der Simulation unverschuldeter Seenot nicht aufgehen könnte. Tatsächlich soll es ziemlich unmöglich sein, hundert Mann auf Stehplätzen in einem überladenen Schlauchboot mit einem 40-PS-Außenborder ohne Wasser- und Spritvorrat bspw. von Libyen nach Sizilien zu schaffen. Weil so ein Boot, derartig beladen, maximal 7 km/h bei ruhiger See erreicht, ehe ihm der Sprit ausgeht.

Nachdem aber alle Passagiere Fachkräfte sind, die etwas mitbringen, das wertvoller ist als Gold, sollten sie das eigentlich wissen, ehe sie an Bord gehen. Wenn diese wagemutigen Menschen ein solches Rsiko eingehen wollen, darf man sie nicht bevormunden. Etwas beitragen könnte man aber dazu, daß sie sich weniger riskant verhalten, etwa, indem man entlang der nordafrikanischen Küste überall Schriftkundige in  Campingstühlen an die Strände setzt, die den Schlauchbootfans die zuvor aufgestellten Schilder vorlesen, denen zufolge es keine Rettungsschiffe mehr im Mittelmeer gibt. Das könnte „Tausende von Opfern“ verhindern, die ansonsten in dem Irrglauben ihre Seereise antreten würden, irgendjemand werde sich schon zur Hilfe erpressen lassen.

Was außerdem an „islamophoben Vorboten aus der Mitte des intellektuellen Milieus“ schlechter sein soll, als an islamophilen Volldoofen aus der ungebildeten Mitte des grünen Milieus, hätte ich schon gerne noch gewußt. Wahrscheinlich hätte es sogar der Diez nicht erklären können, weswegen er es gar nicht erst versucht hat.

Jede Zeit hat ihre spezielle Form und Gestalt des politischen Putsches.

Stimmt. Bisweilen nennt man einen solchen Putsch auch „Marsch durch die Institutionen“.

„Beim Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 waren es militante Weltkriegsveteranen, die gegen Berlin marschierten, um die Republik zu kippen.“

Von den Hottentotten-Aufständen gar nicht erst zu reden. Oder die Boston Tea-Party. Auch Merkels Putsch gegen Recht und Gesetz ist von einer zivilen Militanz, die geeignet ist, die Republik zu kippen.

„Beim Seehofer-Söder-Putsch vom Juni 2018 sind es militante Wahlkämpfer, die gegen Angela Merkel marschieren, um – ja was eigentlich?“

Die scheinen ohne Marschmusik zu marschieren, weil ich keine gehört habe, obwohl ich eigentlich gut höre. Marschieren auf leisen Sohlen, sozusagen. Mokassins vielleicht? Ein abgefeimter Heranschleichemarsch? Georg Diez wird uns gleich erzählen, was es mit dem verdächtig leisen Kippmarsch auf sich hat.

„In vielem erinnert das, was die CSU gerade anstellt, an den wütenden Aktionismus von autoritär veranlagten Menschen wie Donald Trump oder ähnlichen, die einfach keine Lust mehr haben auf demokratische Spielregeln und das politische Prozedere und schlicht Taten schaffen wollen, kostete es, was es wolle, und ganz egal ist dabei auch, dass sie keinen wirklichen Plan haben für das, was passieren soll, wenn sie alles kurz und klein geschlagen haben.“

Ob Georg Diez schon einmal etwas vom Begriff der sogenannten Projektion gehört hat? In der Psychologie verwendet man ihn, um auszudrücken, daß jemand eigenes, selbst als unschön empfundenes Wünschen und Verhalten, auf andere Personen überträgt und sich so selbst exkulpiert. Der Klassiker: Steiler Zahn stolziert vor einem Notgeilen her – und der denkt sich: „Was für eine geile Sau.“ Tatsächlich ist er natürlich selbst die geile Sau. Das ist Projektion.

Diez würde an seinem Text kaum etwas ändern müssen, wenn er statt der CSU und Donald Trump die Kanzlerin beschreiben wollte. Das ist diejenige, die zu allererst „einfach keine Lust mehr hatte auf demokratische Spielregeln und das politische Prozedere und schlicht Taten schaffen wollte, kostete es, was es wolle, und ganz egal war ihr dabei auch, dass sie keinen wirklichen Plan hatte für das, was passieren soll, wenn sie alles kurz und klein geschlagen hat.“ – Wenn das also kein glasklarer Fall von Projektion ist, was dann?

„Gemeinsam ist diesen beiden deutschen Putschs, dass sie lange vorbereitet wurden: Die Inkubationszeit des Kapp-Lüttwitz-Putsches betrug knapp eineinhalb Jahre seit dem Ende des Ersten Weltkrieges im Herbst 1918; die Inkubationszeit des Seehofer-Söder-Putsches betrug knapp drei Jahre seit der Entscheidung von Angela Merkel im Sommer 2015, die Grenzen für die Geflüchteten offen zu lassen und nicht zu schließen.“

Ja, ja, der Herr Dr.med. Georg Diez und die „Inkubationszeit“. Als Inkubationszeit bezeichnet man – und zwar ausschließlich – die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit. Dr. Diez geruht also, das Ringen um Rechtsstaatlichkeit mit einem Putsch gleichzusetzen – und die Demokraten, die miteinander ringen, als kranke Infizierte zu verleumden. Das ist seit Julius Streicher und Veit Harlan eine beliebte Vorgehensweise.

Der eigentliche Putsch fand im Sommer 2015 statt – und die Putschistin heißt Angela Merkel.

„Womit wir bei Rüdiger Safranski wären, der am kommenden Dienstag mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet wird, der seit 1997 praktisch ausschließlich an Männer verliehen wird.“

Was heißt „praktisch ausschließlich“? Und was soll die Insinuation von „Frauenfeindlichkeit“ in diesem Zusammenhang? Soll der mehrwissende Spiegel-Leser eine „subliminal message“ einstecken, nach deren Erhalt er denkt, die Verleihung des Deutschen Nationalpreises sei eine Veranstaltung von unterdrückerischen Frauenfeinden für rechtsradikale Chauvinisten aus der Mitte des akademischen Milieus, womit dann schon klar wäre, was der Safranski für einer ist, wenn er „von denen“  ausgezeichnet wird – oder was?

Safranski nun, Autor von Büchern über Goethe, Schiller, die Romantik, agitiert seit Herbst 2015 mit rabiaten Worten, groben Pauschalisierungen und engagiertem Halbwissen gegen die Politik von Angela Merkel, die Grenzen nicht zu schließen, er türmt in seinen Interviews Vorurteil auf Vorurteil und wertet Menschen ab, die er nicht kennt und nicht versteht und nicht verstehen will: Der Schritt vom „politischen Islam“ zu „alle Muslime“ ist bei ihm nicht weit, er raunt, dass „auf den Flüchtlingsbooten Christen ins Wasser geworfen wurden“, und überhaupt sind die Geflüchteten dabei, „ihre Verfeindungen, die Ursache ihrer eigenen Flucht, in unser Land einzuschleppen“.

Mit anderen Worten: Rüdiger Safranski hat schnörkellos erzählt, was vorgefallen ist, ohne etwas zu dramatisieren oder wegzulassen. Er raunt nicht – das tut Diez – sondern er erzählt, weswegen ein spanisches Gericht muslimische Geflüchtete verurteilt hatte: Sie hatten auf ihrem Flüchtlingsboot Christen ins Wasser geworfen. Einen anderen als einen politischen Islam gibt es auch nicht, ob Diez das gefällt oder nicht. Die letzten, säkular „angekränkelten“ Staaten der islamischen Welt sind auf dem Weg hin zu „islamischen Staaten“. Daß die Bundesrepublik heute ein wesentlich weniger sicheres Land ist, als vor etwa 30 Jahren, ist auch kein Vorurteil, sondern ein zutreffendes Urteil. Altbekannt ist allerdings die Vorliebe des Linken, jedes zutreffende Urteil, das ihm nicht gefällt, in ein ungerechtfertigtes Vorurteil umzudefinieren. Einer wie dieser Diez hat in seinem Leben garantiert noch nie darüber nachgedacht, was ein Vorurteil tatsächlich ist. 1969 zur Welt gekommen, ist Diez sozialisiert worden mitten in der größten Gehirnwäsche seit Adolf Nazi. Einer wie Diez wusste bereits, als er noch Windeln trug, daß das Vorurteil als solches von großem Übel ist. Das glaubt er seither mit derselben Inbrunst, mit der man im Mittelalter an die Hexerei geglaubt hat. Das Vorurteil – der Name sagt es schon – ist das Urteil vor dem eigentlichen Urteil. Das heißt, daß man es entkräften kann.

Daß Leute früher die Wäsche von der Leine genommen haben, wenn die Zigeuner kamen, ist dem Vorurteil geschuldet gewesen, daß sie ihnen sonst geklaut werden würde. Hätten Zigeuner nie Wäsche von der Leine geklaut, – das Vorurteil wäre nie entstanden. Wer vorurteilslos durchs Leben geht, ist schneller der Depp, als er „Depp“ aussprechen kann. Und was gäbe es schöneres, als ein Vorurteil, das sich eben nicht bestätigt? A priori keine Vorurteile zu haben, ist einfach nur lebensfremd und dämlich. Es läge an den Moslems, die „Vorurteile“ zu entkräften, die ihnen entgegengebracht werden. Einzelne Moslems schaffen das immer wieder. Es stimmt ja: Nicht alle Moslems sind Messerstecher und Terroristen. Ebenso stimmt aber, daß fast alle Messerstecher und Terroristen Moslems sind. Und das wiederum rechtfertigt absolut jedes Vorurteil, das man in dieser Hinsicht nur haben kann.

„Es ist diese Wortwahl, von Krankheit, Infektion, Dauerkatastrophe, die den Diskurs bestimmt hat, seit dem Herbst 2015, auch wenn Safranski die Sache umdreht und einen gesteuerten Prozess der medialen Selbstaufgabe sieht, im Namen der deutschen Schuld, die er auch für eine Frage der eigenen oder kollektiven „Bereitschaft“ hält als eine historische Tatsache.“

Da mokiert sich der Richtige. Der Richtige ist immer der, dessen Selbsgerechtigkeit und Bigotterie zum Himmel stinkt. Ist es nicht genau dieser Diez in genau dieser Kolumne gewesen, der gerade eben noch von „Inkubationszeit“ geschrieben hat? Aber Safranski soll in Wahrheit derjenige sein, der sich einer Wortwahl, von Krankheit und Infektion bedient? Lächerlich, Diez, völlig lächerlich!

Safranski „dreht die Sache auch nicht um“, weil das insinuiert, sie habe vorher richtig herum gestanden. Er rückt den Sachverhalt gerade. Das ist das, was er tut. Verdrehung und Umdrehung der Sache finden zuverlässig immer auf den Seiten des SPIEGEL statt.

„Es sind Leute wie Safranski, wie Sloterdijk, wie Baberowski, wie Tellkamp, wie Neo Rauch, es sind diese Künstler und Intellektuellen aus der Mitte ihres jeweiligen Milieus, die für die Härte, die Enge, die Ausgrenzung verantwortlich sind, wie sie die CSU heute in Politik umsetzt.“

Bald wird es sich ausgediezelt haben für den Herrn Diez. Es sind die aktuellen Fakten, geschaffen von Leuten wie Angela Merkel und Intellektsimulanten seinesgleichen, die Härte und Ausgrenzung nötig gemacht haben. Ja, die Grenze als solche dient sowohl der Ein- als auch der Ausgrenzung. Extra dafür wurde sie erfunden. Es ist auch nicht so, daß Typen wie dieser Diez ein grundsätzliches Problem mit Grenzen hätten. Die kennen mehr Grenzen, als dem Freiheitlichen lieb sein kann: Die Grenzen des Sagbaren zum Beispiel. Typen wie dieser Diez setzen wahnsinnig gern Grenzen – und zwar denjenigen, mit denen sie nicht einverstanden sind. NetzDG, Hate-Speech usw. – alles Grenzziehungen der Linken, um diejenigen nicht an ihrem ach-so-herrschaftsfreien Diskurs „teilhaben“ zu lassen, die argumentativ für die nötigen Korrekturen sorgen könnten. Damit haben sich Linke ihr Schicksal selbst gewählt. Nicht, daß Linke irren, ist das Problem, sondern daß sie ihre Irrtümer mit unlauteren, unfairen und totalitären Mitteln gegen jede vernünftige Korrektur „verteidigen“. Und nur dafür werden sie schmerzlich zur Verantwortung gezogen werden. Auch der Herr Diez. Der Linke ansich ist der Inbegriff schrankenloser Begrenztheit. „Brett vor dem Kopf“, hätte man früher gesagt, als Deutsch noch von jedermann im Lande verstanden worden ist.

Die Aggression der Debatte, wie sie heute drei Jahre später etwas ankerlos daherkommt, wurde von Leuten wie Safranski mit erzeugt, der schon 2015 für eine „Festung Europa“ war, „schließlich haben wir auch wirklich etwas zu verteidigen“, wie er sagte. „Die nächste Flüchtlingswelle rollt schon aus Afghanistan an“, wusste er, oder, besser, hatte er gehört, und von „den zig Millionen aus den Elendsregionen Afrikas, Bangladesch und Pakistan sprechen wir gar nicht“, wie er in sowohl geografischem wie grammatikalischem Durcheinander sagte – aber, wie gesagt, hyperventilierend.

Natürlich: Die „Aggression der Debatte“ ist wichtig, nicht die Aggression der Aggressiven unter den Eingewanderten. Irgendwie muß sie vom Himmel gefallen sein, diese „Aggression der Debatte“. Böse Menschen sind das, diese Rechten, daß sie aus dem Nichts heraus aggressive Debatten erzeugen. Heute in den Nachrichten: Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. Eine Rekordzahl von Flüchtlingen ist weltweit unterwegs. 68 Millionen Menschen sollen es sein. Und was Safranskis „grammatikalisches Durcheinander“ angeht, wäre Diez besser beraten gewesen, einfach den Mund zu halten. O-Ton Diez von weiter oben: „… die einfach keine Lust mehr haben auf demokratische Spielregeln und das politische Prozedere und schlicht Taten schaffen wollen, kostete es, was es wolle, und ganz egal ist dabei auch, dass sie keinen wirklichen Plan haben für das, was passieren soll, wenn sie alles kurz und klein geschlagen haben.“ – Talking about Grammatik, Diez.

Alles, was die CSU heute fordert, ist in seinen Interviews schon formuliert, er kündigt jede Form von europäischer Solidarität auf, die anderen Nationen seien eben klug genug, sich nicht „von der deutschen Moralmission“ erpressen zu lassen, Ungarn und die Balkanländer verhielten sich rational, wenn sie keine Geflüchteten aufnehmen, „weil sie schon einmal zum islamischen Herrschaftsbereich gehörten“, wie Safranski weiß, der den Vorwurf der Islamophobie für „inflationäres Geschwätz“ hält.

Da hätte er sehen können, der Herr Diez, was ein kluger Kopf alles wissen kann. Als nächstes hätte er beim SPIEGEL kündigen – und sich einen Job suchen können, bei dem er nicht viel schreiben oder reden muß. Kranführer wäre ideal gewesen. Aber nein: Kolumnist beim SPIEGEL will er bleiben. Wozu, um alles in der Welt?

Wenn aber jemand das Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionen nicht für möglich hält, dann ist das nicht realistisch, wie er selbst sagt, es ist auch nicht eurozentrisch oder nationalistisch, es ist rassistisch und islamophob.

Wenn aber jemand beim SPIEGEL Kolumnen schreibt und nicht gerade Fleischhauer heißt, dann ist es der Diez, wie er sich selbst nennt. Es ist dann auch kein kluger und logisch denkender Kopf, sondern eine ausgemachte Dumpfbacke, durchideologisiert im zivilreligösen Zwangsglauben gefangen.

 

 

 

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