Rainer Wendt: „Ich erlaube mir, so emotional zu reagieren – auch ohne Genehmigung durch die Sprachpolizei des Landtags“

Rainer Wendt (Bild: Screenshot)
Gewerkschafts-Chef Rainer Wendt spricht Klartext. Bild: Screenshot

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), hatte im Zusammenhang mit der Ermordung der 14-jährigen Susanna Feldmann durch den abgelehnten Asylbewerber Ali B. und dessen Rückführung nach Deutschland auf seinem privaten Facebook-Accout emotional reagiert. Er wolle den Täter nicht vor Gericht, sondern lieber „in der Hölle schmoren“ sehen. Helle Empörung gellt nun aus der Ecke jener, die politisch das aktuelle Morden zu verantworten haben. 

In dem bereits am 7. Juni geposteten Facebook-Beitrag heißt es wörtlich: „Und meine Gedanken sind auch bei den Tätern. Will ich sie wirklich vor einem unserer Gerichte stehen sehen? Mit höhnischem Grinsen für das Opfer und Verachtung für unser Land im Gesicht? Will ich wirklich erleben, wie Gutachter und Anwälte relativieren, verharmlosen und zu erklären versuchen, was nicht erklärbar ist? In der Hölle sollen sie schmoren. Das will ich.“ (Gesamtes Posting am Ende des Artikels).

Wendt stand zu seinem Kommentar auch dann noch, als sich bereits eine Horde politisch Korrekte auf seiner Seite versammelten und mit teilweisen dubiosen Argumentationen den Gewerkschafter versuchten, anzuschießen. Wendts Ausdauer, die er bei der Entgegnung des einen oder anderen geistig abwegigen Kommentars beweißt, darf durchaus als erstaunlich bezeichnet werden.

 

Erstaunlich, wer sich da entrüstet

Nicht weniger erstaunlich der Anwurf gegen den Polizeigewerkschafter aus den Reihen jener, die durch ihr devotes politisches Mittun den Status quo zementiert haben. So zeigt sich Daniel Sieveke (CDU), Vorsitzender des Landtags-Innenausschusses „entsetzt“ und wettert gegen den Parteikollegen: „Wendt hat sich in meinen Augen mit diesem vor Populismus triefenden Beitrag mit der Forderung nach Selbstjustiz auch als Polizei-Ruheständler endgültig disqualifiziert“.

Fassungslos schüttelt Christian Dahm, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion sein sozialistisches Haupt über Wendts Äußerungen: „Er hat wohl vergessen, dass er einen Eid auf unsere Verfassung geschworen hat. Und fügt hinzu: „Innenminister Herbert Reul und die NRW-CDU wären gut beraten, sich von ihrem Parteifreund zu distanzieren.“

Aus der linken Mainstreamecke hetzt die taz, Wendt wolle die Axt an den Rechtsstaat legen und wünsche sich einen Polizeistaat herbei.

„Ich erlaube mir, so emotional zu reagieren – auch ohne Genehmigung durch die Sprachpolizei des Landtags“

Gegenüber der NOZ bestätigte Wendt auf die Anfrage des Blattes, dass der Beitrag, den er auf seiner persönlichen Facebook-Seite veröffentlicht habe, zugegebenermaßen sehr emotional geschrieben sei. Er habe dafür im Netz viel Zustimmung erfahren. Und er habe davon auch nichts zurückzunehmen. „Ich erlaube mir, so emotional zu reagieren – auch ohne Genehmigung durch die Sprachpolizei des Landtags“, so Wendt weiter.

Selbstverständlich begrüße er es, wenn der Täter vor Gericht gestellt werde und seiner verdienten Strafe zugeführt werde. Nur er persönlich wolle die Täter nicht vor Gericht erleben, wer wolle nicht dabei sein.

„Nur so mal zur Erinnerung“ postete Wendt, für all jene, denen Artikel 5 des GG nicht mehr geläufig sein sollte:

Zur Erinnerung! (Bild: Screenshot)
Zur Erinnerung! (Bild: Screenshot)

 

Rainer Wendt Posting auf seinem privaten Facebook-Account (07.06.2018) im Wortlaut:

Susanna ist tot. Und was bleibt, ist nicht nur Trauer und Fassungslosigkeit. Da ist auch riesige Wut und Empörung. Und zugleich Ratlosigkeit. Man ist wie gelähmt vor Entsetzen.

Ja, ich weiß, man darf keine solcher Taten instrumentalisieren für irgendeine politische Forderung oder Aussage. Und manchmal gebietet in der Tat der Respekt vor dem Opfer und seinen Angehörigen, innezuhalten und zu schweigen.

Und doch stockt der Atem, denkt man nur eine Sekunde lang an die unbeschreiblichen Qualen, die die junge Susanna, die noch am Beginn ihres Lebens stand, erleiden musste.

Als Vater und Großvater türmt sich wie eine riesige schwarze Wand die Furcht auf, wenn ich daran denke, welche Bestien da noch unterwegs sind, jederzeit bereit, zu töten, zu quälen und ihrer menschenverachtenden Brutalität freien Lauf zu lassen.

Und auch Wut baut sich auf, wenn man an das Strafregister desjenigen denkt, der hier angeblich Schutz gesucht hat und jetzt so einfach abhauen konnte, in ein Flugzeug steigt, wie ein Tourist.

Was wird aus unserem Land, wenn geduldet wird, dass Menschen einreisen, jede Menge Straftaten, sogar schreckliche Verbrechen begehen und trotzdem frei herumlaufen, offensichtlich jederzeit bereit, erneut zuzuschlagen?

Was wird aus unserem Rechtsstaat, wenn er die Menschen nicht mehr schützen kann, wenn er nur noch aus Papier, schnöden juristischen Ausführungen, bürokratischen Verfahren und stillschweigender Hinnahme himmelschreienden Unrechts und lebensbedrohlicher Gefahr zu bestehen scheint?

Was wird aus unserer Demokratie, wenn diejenigen, die gewählt sind, den Willen derjenigen beharrlich ignorieren, die ihnen Macht übertragen haben?

Jetzt wieder die bekannten Rituale, die wiederkehrenden Floskeln, die abgenutzten Worte? Und dann zurück zur Tagesordnung? Wie oft? Wie lange noch? Was wird aus unserem Land?

Susanna ist tot. Und meine Gedanken sind bei ihrer Familie, ihren Freunden, den Menschen, denen sie für immer fehlen wird.

Und meine Gedanken sind auch bei den Tätern. Will ich sie wirklich vor einem unserer Gerichte stehen sehen? Mit höhnischem Grinsen für das Opfer und Verachtung für unser Land im Gesicht? Will ich wirklich erleben, wie Gutachter und Anwälte relativieren, verharmlosen und zu erklären versuchen, was nicht erklärbar ist?

In der Hölle sollen sie schmoren. Das will ich“

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