Angela Merkel: Die Verantwortungsnehmerin

Foto: Collage
Merkel soll die Dürre beenden, forder der BUND. (Foto: Collage)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die politische Verantwortung für Missstände beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) übernommen. „Ich mache es mir nicht leicht. Ich bin für die Dinge politisch verantwortlich“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“.“ – so steht es im SPIEGEL. Das ist politisches Kabarett.

von Max Erdinger

Die Kanzlerin ist also „politisch verantwortlich“. Das wundert niemanden. Schließlich ist sie nicht zur Chefputze gewählt worden, sondern zur Bundeskanzlerin. Sonst wäre sie nämlich „hygienisch verantwortlich“. Nachdem der Politiker – oh Wunder – „politisch verantwortlich“ ist, müsste seine Verantwortungsübernahme in irgendeinem neuen Sachverhalt sichtbar werden. Will Angela Merkel vor lauter politischer Verantwortlichkeit zurücktreten? Will sie die 3 Mio. Euro Kanzlergehalt, die sie seit 2005 erhalten haben dürfte, an die Bürger zurücküberweisen – oder wenigstens Abzüge für ihre gröbsten Schnitzer hinnehmen? Ans Waisenhaus spenden, vielleicht? Irgendwie muß so eine „politische Verantwortungsübernahme“ doch aussehen? – Es scheint sich jedoch um eine sogenannte „unsichtbare politische Verantwortungsübernahme“ zu handeln.

Das erinnert an einen Polt-Klassiker aus den Achtziger Jahren. Gerhard Polt spielt den Chef der „Schilda Response GmbH & Co.KG.“. Geschäftsgegenstand seines Unternehmens ist die Übernahme von Verantwortungen jedweder Art. Für eine Million Mark (damals) übernimmt die „Schilda Response GmbH & Co.KG.“ auch die ideelle Verantwortung für politische Großschweinereien. Ideell deswegen, weil für die finanziellen Aspekte ohnehin der Steuerzahler aufkommt. Den karriereschädlichen Imageverlust des verantwortlichen Politikers allerdings, den wendet die „Schilda Response GmbH & Co.KG.“ für jene lächerliche weitere Million Steuergeld ab, indem sie anstelle des Politikers die ideelle Verantwortung übernimmt. Eine popelige Million, so Polt, sei ein gutes Angebot an die Politik, um die ideelle Verantwortung für Großschweinereien in Milliardendimensionen loszuwerden. Er sei da, sozusagen, auf eine Marktlücke gestossen.

Ein beruflich sehr erfolgreicher Verantwortungsnehmer in Polts Firma war damals ein gewisser Herr Sittich. Qualifiziert war er für den Job, weil er als Kind schon immer Prügel bezogen hat für Sachverhalte, mit denen er nichts zu tun hatte.

Was ist eine „politische Verantwortungsübernahme“?

Merkel scheint der Überzeugung zu sein, daß die Zustände, derentwegen das Land seit drei Jahren in Aufruhr ist, aus den verschiedensten Verantwortlichkeiten zusammengebastelt worden sind. Wenn also beispielsweise die Amtsleiterin einer Außenstelle des BAMF tausendfach Asylgesuche falsch genehmigt, dann ist sie dafür auch verantwortlich – aber nur „bürokratisch verantwortlich“. Wenn ein irakischer Vergewaltiger und Mörder nach der Tat unbehelligt das Land verlassen kann, dann ist dafür irgendjemand „grenztechnisch verantwortlich“. Und wenn ihr der Knopf vom Blazer ihres schicken Hosenanzugs platzt, gibt es dafür einen „textil Verantwortlichen“, der dabei versagt hat, ihr einen größeren Blazer zu bringen, obwohl er hätte sehen müssen, daß die Kanzlerin wegen des Kummers mit ihrer „politischen Verantwortung“ immer größere Mengen Süßigkeiten in sich hineinstopft. In Merkels Welt spielen sich die Verantwortlichkeiten gegenseitig die Bälle zu, bilden ein „Verantwortlichkeitsteam“ (gemeinsam, konstruktiv und auf Augenhöhe), gehen Hand in Hand oder was weiß ich. Sie selbst ist jedenfalls nur „politisch verantwortlich“.

Das heißt, daß Frau Angela Merkel (63), Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende, keinen Schimmer davon hat, wie sehr andere Verantwortlichkeiten von ihrer eigenen abhängen, weil sie nicht verstanden hat, was eine hierarchische Pyramide ist. Nun wäre es nicht ganz richtig, zu behaupten, Angela Merkel sei dumm. Mag es Instinkt sein oder sonst irgendetwas, von dem sie glaubt, daß es einen Wert hat: Absolut richtig ist ihr Kalkül, daß es „irgendwie gut ankommt“ beim Wähler und Fernsehzuschauer, wenn sie mit ihren eigenen Lippen sichtbar sagt, – wir sind schließlich im Fernsehen – , sie übernehme jetzt „politische Verantwortung“. Gar nichts übernimmt sie! Inhaltsleeres Zeug schwätzt sie. Wie immer.

Die politische Verantwortungsübernahme Angela Merkels sähe dann, wenn es tatsächlich eine gäbe, folgendermassen aus:

  1. Rücktritt
  2. Bitte um Einsetzung eines Untersuchungsausschusses
  3. Selbstgestellter Antrag auf Aufhebung ihrer Immunität
  4. Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft
  5. Vorbehaltlich einer festgestellten Schuld – Rücküberweisung ihrer Kanzlergagen seit wenigstens 09/2015

Wie läuft´s aber in Deutschland? – Sehen wir uns an der Kasse im Supermarkt um. Zwei Frauen in der Warteschlange:

  • „Haben Sie das gehört Frau Müller? Die Kanzlerin hat jetzt für den Einbruch in Ihre Wohnung letzte Woche, bei dem der treue Fido erschlagen wurde, die politische Verantwortung übernommen. Gestern. Im Fernsehen. Bei der Anne Will. Und sie hat es sogar selbst gesagt.“
  • „Ich habe immer gewußt, daß sich bei unserer Kanzlerin der Blazer nur deswegen so über dem Bauch spannt, weil sie von dem vielen Anstand in ihrem Leib so pummelig geworden ist, Frau Schmitt. Die ist nicht so ein gewissenloser Rüpel wie dieser Gauland. Hätten Sie mal ein Tempo für mich, bitte? Ich bin so gerührt von der Frau. Gans-gans-großartig!“

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...