Es herrscht „Anarchie in Großbritannien“

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„Anarchie in Großbritannien“, titelt die britische MailOnline angesichts der ausufernden Kriminalität, in der das Land zusehends versinkt. Die Kriminellen sind mit Macheten, Messern und Hämmern bewaffnet und verwandeln die Straßen des Landes in lebensgefährliche Orte. Besonders beliebt – Attacken von Motorrädern aus. Täglich gibt es 60 solcher Angriffe allein in London.

von Marilla Slominski

Scotland Yard verzeichnete innerhalb der letzten 12 Monate 22,025 Motorrad-Überfälle – ein Anstieg um 50 Prozent. Prominentes Opfer am vergangenen Montag- der britische Komiker Michael McIntyre. Der 42-jährige hatte gerade seinen 10-jährigen Sohn vor der Londoner Schule in seinem Range Rover einsteigen lassen, als die zwei Täter auf ihrem Motorrad anrauschten. Sie zertrümmerten mit 10 bis 15 Hammerschlägen die Autoscheiben, rissen McIntyre unter den Augen seines geschockten Kindes die Rolex vom Handgelenk und verschwanden. „Der Moment war bewußt gewählt, denn welcher Vater der Welt wird Widerstand leisten, wenn er sein Kind im Wagen hat“, erklärt die Ehefrau seines Managers später.

Letzte Woche traf es den Zahnarzt und Millionär Kailesh Solanki in seinem Zuhause vor den Toren Manchesters. Zwei mit Macheten bewaffnete und vermummte Einbrecher stürmten im dörflichen Bowdon die Villa des 38-Jährigen und bedrohten ihn und seiner Frau Michelle. „Wenn du nicht sofort den Safe öffnest, gehe ich nach oben und töte deine Kinder!“, schrie einer von ihnen. „Ich dachte, das war’s, das Gefühl wird mich nie wieder verlassen, “ schildert die 30-Jährige die schlimmsten Minuten ihres bisherigen Lebens. Die zwei Einbrecher machten sich unerkannt mit Schmuck, Designer-Uhren, Handtaschen, Sonnenbrillen sowie Ehe-und Verlobungsring von Michelle aus dem Staub. Wert der Beute – mehr als 220.000 Euro.

Auch der „gewöhnliche“ Brite sieht sich mittlerweile jederzeit und an jedem Ort von einer Sekunde zur anderen in der Opferrolle. Schon der Halt an der Ampel kann gefährlich sein. Diese Erfahrung machten zwei Fahrzeuginsassen im Norden Londons. Plötzlich umringten sie zwei Motorräder mit vier vermummten Kriminellen. Einer sprang bewaffnet mit Messer und Hammer auf die Motorhaube, zerschlug die Windschutzscheibe und forderte von den verängstigten Insassen die Armbanduhren.

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So sieht der Moment aus, wenn man in London im Auto überfallen wird (screenshot MailOnline)

Nachdem eine 24-Jährige  während eines Handtaschen-Raubes durch eine Motorrad-Gang geschlagen wurde, zu Boden ging und mit schweren Kopfverletzungen auf dem Bürgersteig zurückblieb, hänge in den Straßen die Angst. Jeder erwarte, das nächste Opfer zu werden, so ein Anwohner.

Die Polizei versucht, mit Hilfe von Überwachungskameras die vermummten Verbrecher zu identifizieren und stellt an den Eingängen von U-Bahnhöfen mobile Metalldetektoren auf, um mögliche Messer-Angreifer zu stoppen. Im April waren innerhalb von 90 Minuten sechs Teenager durch Messerangriffe verletzt worden, unter ihnen ein 13-Jähriger.

In diesem Jahr gibt es in London, das inzwischen gefährlicher als New York gilt, bereits 70 Tote, viele von ihnen starben durch Messerattacken. Im Februar wurden bei Kontrollen innerhalb von nur einer Woche mehr als 250 Messer und Schwerter im Stadtgebiet beschlagnahmt. 283 Menschen, unter ihnen viele Jugendliche, seien wegen des Besitzes verhaftet worden, berichtet MailOnline.

Selbst Unachtsamkeit im Straßenverkehr, wie einen Radfahrer beim Ausscheren aus der Parklücke zu übersehen, können lebensgefährliche Angriffe provozieren.

Auch bei wehrlosen alten Menschen kennen die Kriminellen keine Gnade. So fand Jeffrey Warner seine 90-jährige Mutter Iris am Montag mit schweren Verletzungen in ihrem Haus in London auf. Die alte Frau berichtete später, nachdem sie in lebensbedrohlichem Zustand in ein Krankenhaus gebracht worden war, dass sie geschlafen habe und aufgewacht sei, als ein Mann neben ihrem Bett stand. Er habe sofort angefangen, ihr mit einem Gegenstand ins Gesicht zu schlagen, so die Londoner Polizei.

 

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Die 90-jährige Iris Warner liegt mit schweren Gesichtsverletzungen in einem Londoner Krankenhaus (screenshot Twitter)

Für eine 100 Jahre alte Frau endete ein Spaziergang in Normanton, Derbyshire tödlich. Die aus Polen stammende Zofija Kaczan war auf dem Weg zur Kirche, als sie überfallen wurde. Bei dem Versuch, ihre Handtasche zu verteidigen, brach sie sich den Nacken und blieb blutüberströmt auf der Straße zurück. Sie hatte in der Tasche rund 1000 Euro für eine Stromrechnung bei sich, die sie aus Angst vor einem Einbruch nicht unbeobachtet in ihrem Haus lassen wollte. Die 100-jährige Witwe starb wenige Tage später in einem Krankenhaus. Zofija Kaczan war in Polen unter den Nazis zur Zwangsarbeit gezwungen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte sie nach Großbritannien aus.

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Die 100-jährige Zofija Kaczan starb nach einem Überfall (screenshot YouTube)

Der verantwortliche muslimische Londoner Bürgermeister Sadiq Khan wird unterdessen nicht müde, der Regierung die Schuld für das Blutbad auf den Straßen der Hauptstadt in die Schule zu schieben. Erneut wiederholte er in einer Radiosendung den Vorwurf, verantwortlich seien die Kürzungen der amtierenden Politiker. „Die Sicherheit ist mein größtes Anliegen. Diese Sorge läßt mich nachts nicht schlafen. Wir können weiter darüber diskutieren, wieviel Verantwortung ich oder die Regierung tragen, wir tun was wir können….Wir sehen im ganzen Land einen Anstieg der Gewaltkriminalität“, so seine Erklärung für den „heißen“ Londoner Sommer.

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