Hamburg: Die Schildbürger und das Fahrverbot

Foto: Durch LanaElcova/Shutterstock
Steht der Diesel im Stau, war der Umweltbeauftragte wohl blau. (Foto: Durch LanaElcova/Shutterstock)

Daß Deutsche die Weltmeister im Zeichensetzen sind, daran kann kein vernünftiger Zweifel bestehen. Zeichen werden meistens gesetzt im „Kampf“ um oder gegen irgendetwas. Die Idee von einer „gerechteren Welt“ ist beispielsweise eine gute Gelegenheit zum Zeichensetzen. Inbrünstigster Zeichensetzer aller Zeiten ist, glaube ich, Joachim Gauck gewesen, der Ex-Bundespräsident. Aber auch Katrin Göring-Eckardt und die Berufszeichensetzer der EKD sind immer recht rührig, wenn es ein Zeichen gibt, das sie setzen können.

In Hamburg wurden jetzt aber richtige Zeichen gesetzt – und zwar welche aus Blech. Es sind Verkehrszeichen, welche die Botschaft vom Fahrverbot für Dieselfahrzeuge unter den Feinden der sauberen Atemluft verbreiten.

Ab heute Gesetz: In der Max-Brauer-Allee wird die Luft auf einer Gesamtlänge von 580 Metern per Zeichensetzung vom Dieselrauch befreit – und in der Stresemannstraße noch viel befreiender auf 1,7 Kilometern. Wer dort bisher noch auf seinem etwas älteren Dieselroß durchreiten durfte, der muß nun an der Außenlinie des Giftgebietes entlangtraben und täte besser daran, zum Wohlgefallen der Umweltbürokraten Pferdeäpfel aus dem Auspuff herausfallen zu lassen.

Für die Max-Brauer-Allee heißt das: Statt 580 Meter direkten Wegs knapp zwei Kilometer Umweg für den Dieselanten. Das sind offenbar knapp zwei per Zeichensetzung kreierte, abgasfreie Kilometer, welche die Atemluft aller Hamburger Schildbürger zusammen sozusagen um 1.400 Meter verbessern. Dabei sind die Hamburger bei ihren Schildbürgerstreichen noch vergleichsweise moderat, oder, wie man in Bayern mutmaßen würde, nordisch unterkühlt. Bayern sind bekanntlich Extremisten – und die Franken unter ihnen die extremsten.

Die Universitätsstadt Erlangen leistet sich seit bald vierzig Jahren per 600 Metern inexistenter, weil nie gebauter Brücke, kilometerlange Umwege für Alle! Wer von Westen her in die Stadt einreiten möchte, muß sowohl den Main-Donau-Kanal als auch den Regnitzgrund überwinden. Dafür stehen den Hereinströmenden zu den alltäglichen Stoßzeiten zwei Brücken zur Verfügung. Eine im Süden der Stadt und eine im Norden. Hätte Peter Maffay an Erlangen gedacht, hätte er vermutlich getextet: Über diesen Brücken mußt du stehen.

Im städtebaulichen Konzept aus den sechziger und den siebziger Jahren war aber eine dritte,  vierspurige Brücke vorgesehen, die sozusagen den Schlußstein gebildet hätte, um das ganze Konzept in ein schlüssiges Ganzes zu überführen. Sie hätte sich etwa mittig zwischen der Nord- und der Südbrücke befunden. Geplant worden war sie deswegen vierspurig, weil sie das vierspurige Siemensviertel im Osten des Regnitzgrundes mit den vierspurigen Straßen des damals neuen Siedlungsgebietes am „Europakanal“ verbunden hätte und die tägliche Fahrt zur Arbeit für die Neusiedler im Westen der Stadt auf einen Katzensprung verkürzt hätte. „Kosbacher Damm“ hätte die geplante Brücke heißen sollen. Dort aber, wo ihr Anfang im Westen hätte sein sollen, endet seit Jahrzehnten die vierspurige Brücke über den Kanal. Über den Regnitzgrund geht es nicht weiter. Begründung: Die zu errichtenden Brückenpfeiler stören den grüngelb gefiederten Pflaumenfrosch in seiner regnitzgründlichen Ruhe.

https://www.google.de/search?source=hp&ei=fJ4PW9jmCuqVgAaujIiABQ&q=maps+erlangen&oq=maps&gs_l=psy-ab.1.0.35i39k1j0i131i20i263k1j0i131k1j0l7.4204.4673.0.7054.5.4.0.0.0.0.190.362.0j2.2.0....0...1c.1.64.psy-ab..3.2.357.0..0i67k1.0.LsyV38WcMYo
Umwege aus Gründen des „Umweltschutzes“ in Erlangen. Rot: Die nie gebaute Brücke. Blau: Der Umweg. (Foto: Google Maps)

Seit bald vierzig Jahren fahren die Erlanger drei Seiten eines Vierecks ab, um von A nach B zu kommen. Abermillionen überflüssiger Kilometer sind da zusammengekommen. Millionen von Litern an sinnlos verbranntem Diesel sind das bisher gewesen – und genauso viele Personenstunden im Stau. Das muß extrem gut für die Atemluft des Pflaumenfroschs gewesen sein, weil man die Brücke sonst längst gebaut hätte. Anders ist das nicht zu erklären. Erlangen ist schließlich Universitätstadt. In solchen Städten wohnen kluge Leute, sollte man meinen. Man läge falsch.

Den Erlanger Schildbürgern wurden pro Kopf nicht weniger Zeichen gesetzt als den Hamburger Schildbürgern. (ME)

 

 

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20 Kommentare

  1. Das Luft-Messgerät an der Max Brauerstr. steht auf dem Mittelstreifen und wird von dichten Baumkronen überschattet.
    Die NO² Konzentration beträgt ~ 58 µg/m³ ,- 40µg/m³ Luft ist der Grenzwert!
    Der würde spielend eingehalten behinderten die Bäume nicht die Luftzirkulation.
    Eigentlich ist der Standort der Meßstelle laut EU- Vorgaben weder zulässig noch sinnvoll.
    Am Arbeitsplatz darf man übrigens der ~ 15 fachen NO²-Konzentration ausgesetzt werden, ohne dass eine Beeinträchtigung der Gesundheit befürchtet werden muss!
    Nichts als grüne Panikmache für Doofe, wirkliche Gefahren, wie Merkel-Orks, werden dagegen verharmlost.

  2. Mit dem Diesel machen die angeblichen Umweltschützer GRÜNE Khmer einen Bohei. Aber mal in den Himmel schauen, dafür reicht bei diesen Heuchlern das Augenlicht nicht aus.

    • Vor 1 Woche: über dem nördlichen S-H wolkenloser Himmel und dann mussten die „Entscheidungsträger“ ins freie Wochenende. Unzählige zerfasernde Kondensstreifen und nach ca. 3 Std. war der südwestliche Himmel völlig eingetrübt.
      Das Gleiche findet am Sonntagnachmittag statt.

  3. … was will man als Bürger schon erwarten , wenn man von Idioten regiert wird …- die Schildbürger waren dagen nur harmlose Schwachköpfe … – brauchen doch nur diese unselige Globalisierung mit dem exorbitant hohen LKW – Verkehr abschaffen , die Zuwanderung verbieten usw.usw. – Problem gelöst …

  4. Was ist, wenn der Pflaumenfrosch ohne viel Gequake inzwischen umgezogen ist? Man sollte in Erlangen einen Untersuchungsausschuss beantragen oder einen Arbeitskreis bilden, der die Quakadressen der Pflaumenfrösche im Rahmen eines Zensus ermittelt.

  5. Nun, HH wird Ende des Jahres (wenn die alten Gase weggeblasen sind) zum Luftkurort des Nordens erklärt. Jetzt bricht der gigantische Tourismus nach HH los! Ein Kurhotel nach dem anderen wird nur dort errichtet! Goldene Zeiten für HH!
    Es lebe die linke Regierung! Sie sorgt sich um die Gesundheit der Bewohner!

  6. Umweg = mehr Abgase… na toll!
    Ich habe die aberwitzigen Vorstellungen der Grünen gefressen wie 10 Pfund grüne Seife…

  7. Echt gut.

    Viel treffender kann man den zum Wahnsinn gewordenen Mix aus „Grün“, NGOs mit Gewinnabsichen, grünem Feuilleton und Verwaltungsgerichtsbarkeit plus behördlicher Anordnungsmacht nicht darstellen.

    Stuttgart sucht noch nach einer Lösung.

  8. Nimm den Bürgern die Identität, das war die erste Stufe,

    mit der Mobilität, die zweite Stufe, dann deindustrialisiere das Land, dritte Stufe,
    so wird aus der geglaubten Dummheit der Grünen, die Vollendung des Coudenhove-Kalergi
    -Planes, garniert mit Merkel`s Experiment. Einfach gruselig!

    • Den auch, aber hinter Coudenhove-Kalergi stehen die Habsburger,
      die mit der Paneuropäischen Union, auch die ersten DDR-Bürger
      animiert hat, beim sogenannten „Paneuropäischen Picknick“ die
      ungarische Grenze, die kurz geöffnet war, zu passieren.
      Einfach mal auf YT, unter NuoViso suchen.

    • Heute Hamburg und morgen irgendwo in Bayern.
      Dann warten wir in Bayern auf Söder, wenn er mit den Grünen eine Koalition macht.

      In Bayern ist doch mitllerweile alles drin.

  9. In ihrer kranken Wut auf „Freie Fahrt für Freie Bürger“ verlieren die Rot-Grünen den letzten Funken von Verstand.
    In unserer popeligen Kleinstadt hat die Administration die ganze Innenstadt zu einem Einbahnstraßen und Sackgassen Labyrinth gemacht und Schritttempo befohlen. Kontrolliert wird das durch private Blitzer im Auftrag der Stadt.
    DIE FOLGEN:
    Die private Blitzer-GmbH kostet der Stadt zehntausende Euro und bringt nichts ein, weil sich die Bürger per WhatsApp inzwischen flächendeckend vernetzt haben und sich warnen.
    Für die Umwelt bedeutet dieses Regime eine imense Mehrbelastung. Fahrzeuge produzieren im Schrittempo ca.10x soviel Abgas wie bei Tempo 50. Da die Autos ca.5x so lange durch die Gassen irren (5× 10kmh=50kmh) tun sie das auch 5x mehr, als bei normaler Geschwindigkeit.
    Grüne scheinen ALLES Menschlich kaputt machen zu wollen….unser Land unsere Kultur unsere Umwelt unsere Traditionen und ganz besonders die Gehirne der Deutschen …was für elende Fuckęr❗

    • Beamte, bitte nicht beleidigt sein!
      Aber gerade in Eurem Beruf kommen leider besonders viele Gestörte vor.
      Woran liegt das?
      Ich vermute, weil kein Beamter für seine Fehler gerade stehen muss.

    • Stimmt so ziemlich alles.

      Allerdings sind die vielen Euros, die für die Blitzer-GmbH ausgegeben werden wohl deren Umsatz.

      Und darum ging es wohl den Grünen in erster Linie.

  10. Bitte nicht die Schildbürger verunglimpfen. Dies waren nämlich hochintelligente Leute im Vergleich zu denjenigen die hier unser tägliches Leben gestalten und bestimmen.

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