Selbstverteidigung: Welche Regelungen sind zu beachten?

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Drohungen, Belästigungen, Überfälle und Vergewaltigungen – die Zahl der Verbrechen ist hoch. Im Jahr 2017 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 5,76 Millionen solcher Straftaten ausgeübt. Um nicht selbst Opfer hiervon zu werden und sich im Ernstfall wehren zu können, besuchen immer mehr Menschen Selbstverteidigungskurse. Doch wann handelt es sich überhaupt um Selbstverteidigung und wie bewertet die Polizei eigenmächtige Handlungen? Lesen Sie mehr dazu im folgenden Artikel.

von Laura Gosemann

Selbstverteidigung im Gesetz

Grundsätzlich sind die Rechte zur Selbstverteidigung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) beschrieben, etwa unter dem Begriff „Notwehr“ in § 227. Demnach ist Notwehr „diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“. Weiterhin ist „eine durch Notwehr gebotene Handlung nicht widerrechtlich“.

Das Recht, sich selbst zu verteidigen, gilt somit immer dann, wenn ein rechtswidriger Angriff auf Eigentum – zum Beispiel im Falle von Diebstahl –, auf die körperliche Unversehrtheit oder die sexuelle Selbstbestimmung vorliegt. Damit es sich noch um Notwehr handelt, muss dieser Angriff allerdings unmittelbar geschehen, bevorstehen oder andauern. Liegt der tätliche Übergriff bereits einige Zeit in der Vergangenheit, besteht keinerlei Berechtigung mehr auf eine vermeintlich notwehrende Handlung.

Des Weiteren muss die Vorgehensweise bei der Selbstverteidigung verhältnismäßig und erforderlich sein. Die Grenzen der Selbsthilfe sind in § 230 BGB festgehalten: „Die Selbsthilfe darf nicht weiter gehen, als zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist.“ Das bedeutet beispielsweise, dass der Erhalt einer Ohrfeige nicht das Ziehen einer Pistole rechtfertigt. Generell kann nicht mehr von Notwehr beziehungsweise Nothilfe – bei Letzterem verhindert ein Außenstehender einen Angriff – ausgegangen werden, sobald Waffen eingesetzt werden.

Das empfiehlt die Polizei

Die Polizei befürwortet grundsätzlich die Techniken der Selbstverteidigung. Auch verschiedene Studien belegten bisher, dass über die Hälfte der Täter bei sexuellen Nötigungen und Vergewaltigungen von ihren Opfern abließ, nachdem diese simple, aber konsequente Gegenwehrmaßnahmen ergriffen.

Polizisten empfehlen hierzu vor allem Tritte gegen das Schienbein oder das Knie, um sich vom Angreifer befreien zu können. Auch Schläge in Richtung Gesicht sind oftmals effektiv. Bevor auf Selbstverteidigungswaffen, wie Pfefferspray oder Elektroschocker, zurückgegriffen wird, sollten sich die Verwender allerdings zum einen über die möglichen Gefahren bei deren Nutzung und zum anderen über die geltenden waffenrechtlichen Bestimmungen informieren.

Selbstverteidigungstechniken lernen

Nicht nur für Personen, die sich nicht sicher fühlen oder für den Ernstfall vorbereitet sein wollen, bieten sich Selbstverteidigungskurse an. Auch denjenigen, welche auf der Suche nach einer regelmäßigen sportlichen Freizeitaktivität sind, bietet sich hiermit eine gute Alternative. In einem Verein werden etwa gängige Kampfsportarten wie Wing Tsun, Karate, Judo, Taekwondo oder Aikido gelehrt, wodurch neben Techniken zur Selbstverteidigung auch innere Werte, wie Selbstbeherrschung, Konzentration und Ähnliches, geschult werden. Dabei handelt es sich jedoch stets um einen Kampfstil, der bei einer Gegenüberstellung der Gegner fair vonstattengehen soll, weshalb bestimmte Maßnahmen, zum Beispiel Schläge in den Genitalbereich oder Stiche in Richtung der Augen, verboten sind. Bei Notwehrhandlungen in einem gefährlichen Überfall sind derlei Verbote eher hinfällig. Die im Verein erlernten Griffe zusammen mit der verbesserten körperlichen Stärke können aber dennoch hilfreich sein.

An Volkshochschulen werden dagegen meist einzelne Kurse mit simplen Selbstverteidigungsmaßnahmen – insbesondere auf die Zielgruppe der Frauen ausgerichtet – veranstaltet. Da es sich hierbei grundsätzlich um eine waffenlose Selbstverteidigung für den Ernstfall drehen soll, werden vor allem Schläge, Befreiungsmethoden sowie gezielte Tritte geübt und gleichzeitig ein Austausch mit anderen betroffenen Frauen ermöglicht.

Konkrete Tipps zur Selbstverteidigung und ähnlichen Themen liefert Ihnen der Verband für bürgernahe Verkehrspolitik e.V. auf seiner kostenfreien Ratgeberseite.

 

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