Sudetendeutscher Tag: CSU fürchtet um Mehrheiten

Foto: Imago

Beim Sudetendeutschen Tag in Augsburg treten offen die Spannungen zwischen der CSU-nahen Führung und der Basis zu Tage.

Es rumort in der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL): Während die Führungsfunktionäre immer noch die SL als Vorfeldorganisation der CSU behandeln, wünschen sich immer mehr Mitglieder die Annäherung an die AfD. „Die CSU missbraucht die Sudetendeutschen als Stimmvieh“, empört sich ein Teilnehmer des Pfingstreffens, der seinen Namen aus Furcht vor Repressalien nicht nennen will. Der ehemalige Europa-Abgeordnete und jetzige Sprecher der SL, Bernd Posselt (CSU),  „soll die Landsmannschaft bei Laune halten, die dafür den Mund halten soll und brav weiter CSU wählen“, sagt der Sudetendeutsche der jungen Nachkriegsgeneration.

In der Tat war die CSU Jahrzehnte lang die Schutzmacht der Sudetendeutschen. Die Sudentendeutschen gelten als „vierter Stamm“ in Bayern. Doch mit der Zeit wurde deren Einfluss auf die Innenpolitik immer schwächer. Bereits in den 90er Jahren opferte die CSU deren Interessen im Zuge der Verbesserung der bayerisch-tschechischen Beziehungen, gerierte sich jedoch weiterhin als die einzige Partei, die den Sudetendeutschen nahe steht. Doch das Blatt wendet sich seit 2013 – seit der Gründung der AfD wenden sich immer mehr Sudetendeutsche der AfD zu.

Gleichzeitig geht die CSU-Führung aggressiv gegen die AfD vor: Obwohl der Sudetendeutsche Tag für alle Parteien offen sein soll, wurde die AfD – trotz eines offiziellen Antrags auf Teilnahme – ausgeschlossen.

Wie groß die Angst der CSU-nahen Führung vor der AfD ist, belegt ein Vorfall aus dem Bundestagswahlkampf. In der Woche vor der Wahl veröffentlichte das Zentralorgan der SL, die Sudetendeutsche Zeitung, auf Seite eins einen hetzerischen Artikel gegen die AfD und insbesondere gegen deren charismatischen Vorsitzenden Petr Bystron. Posselt wetterte gegen Bystron und verstieg sich zu der frei erfundenen Behauptung, der AfD-Vorsitzende wäre ein „eingefleischter Gegner alles Sudentendeutschen.“ Als vermeintlichen Beweis führte er aus, Bystron hätte „seriöse Berichte von Sudentendeutschen Tagen für eine tschechische Zeitung sudetendeutschenfeindlich umgeschrieben“.

Bystron ist jedoch selbst Nachkomme von Sudetendeutschen und ein häufiger Besucher der Pfingstreffen der SL. Er klagte klagte postwendend gegen die Erfindung aus der Giftküche der Sudetendeutschen Zeitung und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Das Landgericht München verbot der Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft die Verbreitung dieser Lüge unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe bis zu 250.000 Euro (Az. 9 O 15165/17). Da war die Bundestagswahl jedoch bereits gelaufen. Weder Bystron noch der AfD hatte es geschadet – die AfD erzielte unter Bystrons Führung das beste Ergebnis aller westlichen Bundesländer.

„Wir haben diese Bevormundung durch die CSU satt“, sagt ein älterer Besucher des Pfingsttreffens und schließt ab: „Sie tun nichts für uns!“ Grund für den Unmut lieferte die Inszenierung vorne auf der Bühne: Auch dieses Jahr inszenierte die CSU-nahe Führung den Sudetendeutschen Tag wie eine eigene Wahlkampfveranstaltung. Am Sonntag sprach der neue CSU-Ministerpräsident Markus Söder. Der Bayerische Rundfunk sang ein Loblied auf den Spitzenkandidaten und schien nur auf Begeisterung beim „Stimmvieh“ zu treffen: „Ich freue mich schon auf den Söder“, zitiert der BR einen Teilnehmer, ganz im Stil der „Aktuellen Kamera“. „Der Tenor ist eindeutig: Die Sudentendeutschen waren mit der Arbeit von (Horst) Seehofer sehr zufrieden“, jubelten die vom BR befragten Teilnehmer im Staatsfunk.

Scheinbar hat der BR die Textbausteine schon vor dem Wochenende fertig gehabt, denn die Unzufriedenheit mit der CSU-Führung ist – wie in ganz Bayern – nicht zu übersehen.  Etwa 1000 konservative Sudetendeutsche haben sich im „Witiko-Bund“ organisiert, sehen sich aber von der Verbandsleitung ausgegrenzt und als „rechtsradikal“ abgestempelt.

Der 69. Sudetendeutsche Tag fand am 19.-20.5.  in der Augsburger Schwabenhalle statt. Die Sudetendeutsche Volksgruppe trifft sich seit 1950 jedes Jahr zu Pfingsten. Das 70. Treffen soll in Regensburg stattfinden.

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.