Fürstenfeldbruck: Kritischer Flüchtlingsarzt gefeuert

Symbolfoto:Durch Billion Photos/shutterstock
Flüchtlingsarzt will nicht mehr (Symbolfoto:Durch Billion Photos/shutterstock)

Der kritische Flüchtlingsarzt, der öffentlich machte, das viele Asylbewerbern besonders die gute medizinische Versorgung in Deutschland „zu schätzen“ wissen (jouwatch berichtete), ist gefeuert worden.

Vier Jahre baute Werner Kainzinger die medizinische Versorgung in der seit 2014 bestehenden Flüchtlingsunterkunft in München/Fürstenfeldbruck mit auf.

Jetzt kam die Kündigung seines Arbeitgebers, dem medizinische Dienstleister MKT. Grund: Seine Äußerungen über die Forderungen der sogenannten Flüchtlinge nach neuer Hüfte, Viagra und neuem Gebiss gegenüber dem Focus. Damit habe er möglicherweise eine von ihm unterschriebene Vereinbarung mit dem von der verantwortlichen Regierung von Oberbayern eingesetzten Dienstleister gebrochen, die ihn zum Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit über die Zustände in dem Asylbewerberheim verpflichte.

„Ich verpflichte mich hiermit, über alle mir bei meiner Tätigkeit bekannt werdenden Informationen sowohl während als auch nach Beendigung meines Arbeitsverhältnisses (…) in den Objekten des Auftraggebers Stillschweigen zu bewahren“, heißt es in der Erklärung, die dem Focus nach eigenen Angaben vorliegt.

„Ich habe schon vorher dagegen protestiert, weil es für mich einer Demokratie unwürdig ist, dass man kritische Stimmen mundtot machen will. Ich sehe aber meine Aufgabe auch darin, mich den Fragen, die es vor Ort gibt, zu stellen und ich lasse mir den Mund nicht verbieten“, so Werner Kainzinger, der trotz der Verschwiegenheitserklärung mit dem Focus sprach.

Das hatte Folgen: Am 20. April wurde dem Arzt in einer knappen E-Mail mitgeteilt, dass man ihn „aufgrund einer Beschwerde Seitens der Regierung von Oberbayern ab sofort nicht mehr einsetzen werde.“

„Es geht darum, dass Sie sich entgegen unseres mit der RegOBB bestehenden Vertrags gegenüber der Presse zu den `Zuständen in der EAE` geäußert haben“, lautete die Begründung des MKT-Abteilungsleiter Stephan Höllmüller gegenüber Kainzinger.

Die oberbayrische Regierung habe sich bei der MKT gemeldet und dem Abteilungsleiter Höllmüller „nahegelegt“, die Zusammenarbeit mit dem Arzt zu beenden. Man habe man mit Kainzinger darüber gesprochen und ihn gebeten, weitere Äußerungen gegenüber der Presse zu unterlassen, doch der sei uneinsichtig gewesen. „Und wenn sich jemand nicht an die Spielregeln hält, dann müssen wir reagieren“, rechtfertigt MKT-Abteilungsleiter Höllmüller den Rausschmiss.

Die Regierung von Oberbayern weist eine direkte Verantwortung an der Kündigung von sich, obwohl die Verschwiegenheitserklärung ihren Briefkopf und nicht den des MKT trägt. Es gehe um eine Vereinbarung zwischen dem medizinischen dienstleister MKT und Werner Kainzinger: „Was zwischen diesen Parteien passiert, bewerten wir nicht.“ Tatsache sei aber, dass man dem MKT wie auch anderen Auftragnehmern die Vorgabe erteilt habe, dass Presseauskünfte nur durch die Regierung von Oberbayern erfolgen dürfen. Derartige Regelungen seien „nicht ungewöhnlich und finden unseres Wissens bei vielen Verträgen Anwendung, auch zwischen rein privatwirtschaftlichen Unternehmen“, so der oberbayrische Regierungssprecher Martin Nell gegenüber dem Focus. (MS)

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.