Gerd Buurmann: Süddeutsche Zeitung druckt antisemitische Karikatur

Der Süddeutsche Beobachter weiß genau wie diese Juden aussehen

Die Süddeutsche Zeitung hat es geschafft. Seit Montag wissen Juden, dass sie in Deutschland nicht mal mehr so etwas harmloses wie den Eurovision Song Contest genießen können, ohne eins auf die Fresse zu bekommen.

von Gerd Buurmann

Die Süddeutsche Zeitung hat eine widerliche Karikatur von Dieter Hanitzsch abgedruckt, in der die israelische Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2018 zu sehen ist, die allerdings das Antlitz von Benjamin Netanjahu trägt und zwar mir großer Nase und großen Ohren. In der einen Hand hält sie/er ein Mikrofon und in der anderen Hand eine Rakete, die mit einem Davidstern versehen ist, wie witzig. Dabei brüllt er/sie: “Nächstes Jahr in Jerusalem“.

Farid Bang hätte es nicht besser inszenieren können und der Stürmer hätte die Zeichnung gewiss anstandslos abgedruckt. Farid Bang ist Echo-Preisträger. Dieter Hanitzsch ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Deutschland ehrt seine Künstler.

Die Süddeutsche Zeitung weiß sich mit dem Abdrucken der Karikatur auf der sicheren Seite. Ihre Leserinnen und Leser werden die Zeichnung gewiss lieben, daran hat die Redaktion schließlich hart gearbeitet und zudem führen Karikaturen über Juden nicht dazu, dass Terroristen die Redaktion stürmen und die verantwortlichen Journalisten und Karikaturisten auslöschen. Das ist nicht jüdisch. Das ist der Stil vieler Anhänger der berüchtigten Religion des Friedens.

In Deutschland wie in Israel herrschen Kunst- und Meinungsfreiheit und das ist auch gut so. Ich verteidige selbstverständlich das Recht der Süddeutschen Zeitung, diese Karikatur abzudrucken. Nur so kann ich erkennen, wie abgrundtief verdorben die Redaktion der Süddeutschen Zeitung ist.

In einem Land, in dem die Kinder von Juden in Schulen fertig gemacht werden, weil sie Juden sind, wo Menschen verprügelt werden, weil sie eine Kippa tragen, wo es Viertel gibt, in die sich Juden nicht mehr hineintrauen, in dem Synagogen mit Brandsätzen angegriffen werden, weil es Menschen gibt, die mit der Politik in Israel ihre Probleme haben, in dem Polizeiautos vor Synagogen und jüdischen Kindergärten stehen müssen, wo Juden, die als Juden zu erkennen sind, überall und zu jeder Zeit in Gefahr schweben, in einem solchen Land Juden auch noch die Freude an einem harmlosen Gesangswettbewerb zu nehmen, damit es wirklich gar nichts mehr gibt, wo sie mal in Ruhe einen Moment des Friedens erleben und genießen können, zeugt von einer Dreistigkeit und Empathielosigkeit, die nur mit einem Phänomen zu erklären sind: tief verwurzelter Judenhass.

Kabarettist Tano Bokämper fragt:

„Was will uns die Karikatur eigentlich sagen? Dass Musik aus Israel nicht gewinnen darf? Oder dass Netta böse ist, weil sie den Fehler begangen hat, aus dem „Schurkenstaat“ Israel zu stammen?“

***

Herr Dr. Prantl, was ist mit der Süddeutschen Zeitung los?

 

Ein Offener Brief von Malca Goldstein-Wolf an den Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Dr. Heribert Prantl.

Sehr geehrter Herr Dr. Prantl,

es ist bekannt, dass die Süddeutsche Zeitung, vorsichtig ausgedrückt, besonders „israelkritisch“ ist.

In Zeiten, in denen sich schnöder Judenhass unter dem Deckmäntelchen der Israelkritik versteckt, in Zeiten, in denen sich jüdische Männer aus Angst vor tätlichen Angriffen nicht mit Kippa auf bundesdeutsche Straßen trauen und jüdische Kinder in der Schule gemobbt werden, nur weil sie Juden sind, ist es besonders wichtig, dass Medien ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden.

Lieber Herr Dr. Prantl,

ich kann Sie nicht zwingen, Juden zu mögen, ich will Sie auch nicht daran hindern, konstruktive Kritik an Israel abzudrucken, mit dem Veröffentlichen der heutigen antisemitischen Karikatur des Bundesverdienstkreuz-Trägers und Künstlers Dieter Hanitzsch wurden allerdings Grenzen überschritten.

Ist es möglich, dass sich Israel über die erfolgreiche Teilnahme an einem Musikwettbewerb freuen darf, ohne dass es dämonisiert wird?

Als Lena den Eurovision Song Contest gewann, hat ihr Angela Merkel persönlich gratuliert und es war für uns alle selbstverständlich, dass die Regierungschefin ihre Freude über den Sieg im Namen des deutschen Volkes zum Ausdruck brachte. Gewinnt Israel wirft eine Kommentatorin der Süddeutschen Zeitung dem israelischen Premierminister vor, dass seine Gratulation einem politischen Missbrauch gleichkäme.

Es ist diese Art manipulativer, bösartiger Berichterstattung, die Judenhass schürt.Es sind diese Doppelstandards, die nur auf Israel angewandt werden, die das Bild des Judenstaats aufs Unerträgliche verzehren. Es ist für einen seriösen Journalisten schlichtweg verantwortungslos, eine Karikatur abzudrucken, die einen unpolitischen Musikwettbewerb scheinheilig mit einer Kriegserklärung verbindet.

Natürlich tragen die Raketen den obligatorischen Davidstern und der Hinweis „Nächstes Jahr in Jerusalem“ soll das Bild des Kriegstreibers Israel, dass Judenhasser allzu gerne zeichnen, noch verstärken.

Roger Waters bildet den Davidstern gerne auf Schweineballons ab und ich war letztes Jahr sehr froh darüber, den WDR-Intendanten Tom Buhrow davon überzeugen zu können, dass diese Form von Antisemitismus nicht gefördert werden darf. Er strich sämtliche öffentlichen Gelder, mit den Waters eigentlich unterstützt werden sollte.

Nun bitte ich Sie, Herr Dr. Prantl, sich für die Veröffentlichung dieser vor Judenhass nur so triefenden Karikatur zu entschuldigen.

Lassen Sie die Süddeutsche Zeitung nicht zu einem Organ verkommen, dass Juden den Wölfen zum Fraß vorwirft. Positionieren Sie sich auf der richtigen Seite: Gegen Rassismus, gegen Judenhass! Es zeugt von Größe, Fehler einzugestehen.

Übrigens sollte es auch Israel zugestanden werden, sich an der Leichtigkeit eines Musikwettbewerbs zu erfreuen. Es geht nämlich nicht immer nur um tote Juden, es geht auch um ein lebensbejahendes, innovatives und pulsierendes Israel! Ja, wir Juden möchten einfach nur genauso ausgelassen feiern dürfen, wie andere auch.

Dieter Hanitzsch hat Glück, dass wir auch im Angesicht von niederträchtigstem Judenhass nicht dazu neigen, unsere Feinde zu bedrohen oder Zeitungsredaktionen zu attackieren. Es gibt Glaubensrichtungen, da dürfte er nun seines Lebens nicht mehr sicher sein.

Ich hingegen appelliere nur und ich bitte Sie lediglich darum, jüdisches Leben zu schützen und uns fair zu behandeln. Genauso fair, wie auch Sie behandelt werden wollen!

Danke!
Beste Grüße und Shalom,
Malca Goldstein-Wolf

***

Nachtrag: In einer Stellungnahme nach der Veröffentlichung dieses Artikels hat die Süddeutsche Zeitung erklärt, dass die Karikatur durchaus als antisemitisch aufgefasst werden kann:

„Trotz dieser Intention des Karikaturisten kann man die Zeichnung auch anders verstehen und als antisemitisch auffassen. Ihre Veröffentlichung war deshalb ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten.“

***

Dieser Artikel erschien ursrpünglich auf Gerd Buurmanns Blog Tapfer im Nirgendwo. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Wenn Sie Tapfer im Nirgendwo finanziell unterstützen möchten, erreichen Sie ihn unter: [email protected]