Alice, die Füchsin im Hühnerstall

Foto: Durch MARCELODLT/Shutterstock

Es ist einfach köstlich, mitzuerleben, wie Politiker, Journalisten und andere Staatsfunktionäre regelmäßig ausrasten, wenn Alice Weidel wie eine Furie durch den Bundestag fegt und die fett gefressenen Abgeordneten das Fürchten lehrt. Man könnte denken, hier wäre eine Füchsin im Hühnerstall unterwegs.

Von Thomas Böhm

Es ist erfrischend zu sehen, dass mit der AfD die Scheindemokratie zumindest belebt wird, ja, regelrecht Glückshormone werden freigesetzt, wenn man sieht, wie der Anton der Raserei verfällt, Wolfgang Schäuble vor lauter Aufregung wirres Zeugs daher faselt und Angela Merkel ihre Finger zerbeißt (die Nägel hat sie ja schon hinter sich gelassen).

Man bekommt das Gefühl, dass sich die Herr- und Frauschaften links der Republik wie Versuchsaffen in Laborkäfigen aufführen, sobald Alice nur den Mund aufmacht. Die „Kopftuch-Mädchen“-Rede hat mal wieder eingeschlagen wie eine Bombe. Merkwürdig nur, dass sich keiner darüber aufregte, als Frau Weidel in einem Video am 5. Mai sogar von „Kopftuchtrullas“ sprach.

Was für ein Affentheater.

Hier einige Schnappatmungen:

Siemens-Chef Joe Kaeser hat der AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel vorgeworfen, mit ihren Äußerungen zur Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesregierung Deutschland zu schaden. „Lieber ‚Kopftuchmädel‘ als ‚Bund Deutscher Mädel‘“, schrieb Kaeser am Mittwoch auf Twitter. „Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Haupt-Quelle des deutschen Wohlstands liegt.“ Der „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) war im Nationalsozialismus eine Organisation für Mädchen. (Quelle: faz)

Cem Özdemir auf Twitter

Die Rede von Alice Weidel von der AfD zeigt: Es sitzen Rassisten im Bundestag und sie geben sich kaum Mühe, das zu verbergen. Unser Land, unsere liberale Demokratie & unsere Zivilgesellschaft sind wehrhaft & zu großartig, um sie rechten Hetzern zu überlassen.

Karl Lauterbach auf Twitter

Alice Weidel faselt vom Niedergang des Landes in Haushaltsrede. In ihrer Hetze geht es kaum um Wahrheit. Sie benutzt fäkale Sprache „…mieses Stück Scheisse…“ und Schäuble gibt ihr Rüge für Diskriminierung „…Kopftuchmädchen und andere Taugenichtse…“; Tiefpunkt Parlament

Michaela Engelmeier auf Twitter

Ich schäme mich dafür, dass in einem deutschen Parlament wieder Leute reden dürfen, die aus ihrer fremdenfeindlichen, rassistischen, widerlichen, hasserfüllten und hetzerischen  Gesinnung keinen Hehl mehr machen! Schämen Sie sich, Frau Weidel, für diese unfassbare ekelhafte Rede!

Kordula Schulz-Asche auf Twitter

Eben zog der Geist des Nationalsozialismus durch den #Bundestag #NoAfD Wie kann eine einzelne Frau so voller Gift und Galle sein.

Zusammengefast von T-Online

Berliner Zeitung

Inhaltlich hatten die Fraktionschefs Alice Weidel und Alexander Gauland nicht mehr zu bieten als das Altbekannte, das früher oder später bei der angeblich unkontrollierten Massenzuwanderung nach Deutschland endet.

Im Ton allerdings setzte Weidel einen neuen – wohlkalkulierten – Superlativ und schwadronierte über „Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“, die „unseren Wohlstand“ und den Sozialstaat nicht sichern würden.

Das ist abgesehen von miserablem Deutsch schlicht Hetze. Nicht nur Grüne und Linke reagierten heftig, sondern dieses Mal auch die CDU. Es war eine überfällige Reaktion.

Ignorieren mag bei so mancher Provokation der AfD die richtige Antwort sein, es gilt dennoch, klare Grenzen zu setzen. Das wird an Gebaren und Tonfall der AfD nichts ändern, aber man macht zumindest deutlich, dass im Deutschen Bundestag nicht alles geduldet wird…

Welt

Nun hatte die AfD die Chance, es besser zu machen. Als Vorsitzende der größten Oppositionsfraktion sprach Alice Weidel in der traditionell als Generaldebatte genutzten Aussprache zum Haushalt als Erste. Sie hätte also den Ton und den Inhalt der Debatte vorgeben können. Weidel hat das nicht geschafft.

Und, was schlimmer ist: Sie hat es nicht einmal ernsthaft versucht. Zwar benannte Weidel einige wunde Punkte der alten und neuen Politik der großen Koalition, der rhetorische Höhepunkt ihrer Rede war aber keine Anklage der Regierung, sondern ein Angriff auf „Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“.

Ein Ordnungsruf war die Folge. Zu Recht: Man muss kein Fan der islamischen Kopfbedeckung sein, um die Würde der Arzthelferinnen, Mütter und Putzfrauen zu respektieren, die sie in Deutschland tragen. Weidel aber vermarktete die Rüge prompt in den sozialen Medien als Gütesiegel ihrer Rede: Sie warf sich wieder einmal in die Pose der verfolgten Unschuld. Was soll das? Im Wahlkampf mag solche Effekthascherei legitim sein, in einer Parlamentsdebatte ist sie fehl am Platze…

Einige andere Medien ignorieren den „Vorfall“, wohl die neue Strategie der Staats-Journalisten. Frau Weidel hätte allerdings auch sanft wie ein Reh eine wunderschöne Rede daher flöten können, die Taugenichtse im Bundestag hätten ebenfalls Zeter und Mordio geschrien, denn das ist immer noch bequemer, als sich mit den wirklichen Problemen der Bürger auseinanderzusetzen. Aber was soll man auch machen, wenn man weiß, dass der andere im Recht und man selber keine Argumente hat. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als sich in einen Brüllaffen zu verwandeln und die Nazi-Keule zu schwingen. Den bis auf die Knochen islamisierten Schreihälsen empfehle ich mal, eine Aktion (und die Folgen) der Anti-Kopftuchmädels im Iran zu verfolgen.

Zum Schluss noch ein Kommentar, den die ansonsten doch recht zimperliche „Welt“ so stehen gelassen hat:

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...