Preisfrage: Sind Frauen zu faul für Vorstandsposten?

Medienkritik (Foto: Collage)

Im Süddeutschen Beobachter beklagt Frau Henrike Roßbach aus Berlin, daß es viel zu wenige Frauen in den Vorstandsetagen deutscher Konzerne gibt. In anderen Staaten gebe es mehr. Die armen anderen Staaten …

von Max Erdinger

„Verglichen wurden die Frauenanteile in den Vorständen der führenden Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, den USA und Schweden. Deutschland, so das ernüchternde Ergebnis, landet dabei auf dem letzten Platz.“

Ernüchterung geht in Ordnung. Dauernd besoffen ist ja auch kein Zustand.

„88 Prozent betrage hierzulande der Männeranteil in den Vorständen der Dax-Konzerne, heißt es in der Studie. Mit seinen zwölf Prozent Frauen befinde Deutschland sich auf einer Stufe mit Indien oder der Türkei, die beide auf rund zehn Prozent Frauen in den Top-Firmen kämen.“

Ausgerechnet 88? Wenn das nicht voll „männernazi“ ist? Die „88“ bekommt man nicht mal mehr als Zahl auf einem Autokennzeichen zugeteilt! Wenn das der Führer wüßte, daß sich Deutschland inzwischen auf einer Stufe mit östrogenalen Unterländern wie Indien oder der Türkei befindet, dann hätten wir jetzt 89 Prozent und wären wieder ein Vorbild für die Unterentwickelten! Daß es anders ist, wird doch wohl nicht damit zusammenhängen, daß in Deutschland die Kanzlerposition zu 100 Prozent mit Frauen besetzt ist? Wenigstens sind unter den Gefalleninnen der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen 0 Prozent Frauen. Komisch, daß sich Frau Henrike Roßbach darüber nicht aufregt …

„Der geringe Frauenanteil in den deutschen Vorständen ist immer wieder Thema; zuletzt Anfang des Jahres, als das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine ähnliche Untersuchung veröffentlicht hatte.“

Ein und dasselbe Thema, ganz derselbe Sachverhalt – und zwei Untersuchungen, die sich lediglich ähneln? Das Ergebnis wird doch wenigstens identisch gewesen sein – und die Rückschlüsse dieselben? 12 Prozent Frauen in Vorständen sind zwar noch nicht optimal, aber besser als 20 Prozent ist es allemal.

„Damals zeigte sich, dass sich in den Aufsichtsräten – wo mittlerweile eine Frauenquote von 30 Prozent gilt – einiges getan hat. In den Vorständen dagegen geht es kaum voran. Die Allbright Stiftung zeigt nun sogar Rückschritte: Zwischen September 2017 und April 2018 sei der Frauenanteil in den Vorständen von 13,4 Prozent auf 12,1 Prozent gefallen.

Das Fazit der Autoren ist vernichtend. Unter welchem Aspekt man den Frauenanteil in den Vorständen der größten Börsenunternehmen auch betrachte: „Die deutschen Konzerne landen stets auf dem letzten Platz.“

So findet sich im Dax kein einziges Unternehmen, dass einen 30-Prozent-Frauenanteil vorzuweisen hätte; eine Größenordnung, die den Autoren zufolge als „kritische Masse“ für eine veränderte Teamdynamik angesehen wird. In Schweden dagegen schafft es jedes dritte Unternehmen über diese Schwelle, in den USA 30 Prozent.

Die Allbright Stiftung gehört eigentlich verboten. Der deutschen Wirtschaft geht es dem Vernehmen nach prächtig und jeder destruktiven Veränderung muß dringend Einhalt geboten werden. Aus Schweden ist bekannt, daß sich Frauen in großer Zahl ihre männlichen Vorgesetzten zurückwünschen, weil Vorstandsfrauen mit ihren Unterfrauen so gräßlich erbarmungslos umgehen.

Auch, wenn wir in Deutschland mit Frauen in politischen und medialen Vorstandspositionen schlimmer dran sind als alle Länder, die mehr Frauen in Konzernvorständen haben als wir: Im Vergleich zum Bundeskanzleramt und dem Verteidigungsministerium sind unsere deutschen Konzerne noch voll funktionsfähig. Das letzte Stückchen Exzellenz, das es noch gibt in Deutschland – die Vorstandsetagen der Großkonzerne – können wir unter diesen Umständen nicht auch noch den Frauen zum Fraß vorwerfen. Wovon sollen wir denn leben?

 

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